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Alle Artikel · 05.06.2025 06:44

Schauspieler sucht Landarzt – wie Philippe Lacheau seinem Dorf Wavignies helfen will

Er ist bekannt für seine komödiantischen Rollen und seinen lässigen Charme auf der Leinwand – doch dieses Mal nutzt Schauspieler und Regisseur Philippe Lacheau seine Popularität für etwas ganz anderes. Kein neuer Film, kein...

Er ist bekannt für seine komödiantischen Rollen und seinen lässigen Charme auf der Leinwand – doch dieses Mal nutzt Schauspieler und Regisseur Philippe Lacheau seine Popularität für etwas ganz anderes. Kein neuer Film, kein glamouröser Auftritt auf dem roten Teppich. Sondern ein klarer Appell an Ärztinnen und Ärzte in ganz Frankreich: Kommt nach Wavignies!

Dieses kleine Dorf in der Picardie, 1.400 Einwohner stark, ist nämlich nicht etwa wegen seiner malerischen Felder oder einer neuen Filmkulisse in die Schlagzeilen geraten – sondern wegen eines ernsten Problems: Es gibt keinen einzigen Hausarzt mehr. Und das, obwohl Wavignies eigentlich alles andere als unattraktiv wirkt.

"Ein Dorf, das mir besonders am Herzen liegt"

Die Geschichte beginnt mit einer kurzen, aber emotionalen Videobotschaft. Rund 30 Sekunden spricht Philippe Lacheau direkt in die Kamera – und damit ins Herz vieler Menschen. Die Aufnahme wurde auf dem YouTube-Kanal seines Vaters, Gérard Lacheau, veröffentlicht. Der ist stellvertretender Bürgermeister von Wavignies und kennt die Sorgen seiner Mitbürger nur zu gut.

„Wavignies ist ein Dorf auf dem Plateau Picard, und es liegt mir besonders am Herzen, weil meine Mutter dort geboren wurde“, sagt Lacheau in dem Clip. Dann zeigt er einen renovierten Raum, den die Gemeinde kostenfrei einem neuen Arzt oder einer Ärztin zur Verfügung stellen würde. Alles ist vorbereitet: Wartezimmer, Behandlungsraum, Parkplatz. Fehlt nur noch – der Mensch im weißen Kittel.

Aber bislang? Keine Bewerbungen.

Wenn das ganze Dorf anpackt

Was die Gemeinde unternimmt, ist kein halbherziger Versuch. Im Gegenteil. Rund 70.000 Euro hat Wavignies in die Hand genommen, um ein altes Geschäftslokal in eine moderne Arztpraxis zu verwandeln. Es gibt bereits eine Physiotherapeutin und eine Pflegekraft im Ort. Dazu Supermarkt, Bäcker, Schule – also alles, was den Alltag erleichtert. Und dennoch: Ärzte ziehen nicht aufs Land. Punkt.

Die Gründe sind vielschichtig. Viele junge Mediziner zieht es in die Städte – nicht nur wegen der besseren Infrastruktur, sondern auch wegen des familiären Umfelds, beruflicher Netzwerke und Freizeitangebote. Wavignies, so idyllisch es auch sein mag, hat es da schwer. Zumal die nächste Praxis oft kilometerweit entfernt ist – mit Wartezeiten, die jeden krank machen würden.

Ein nationales Problem auf dem Rücken der Dörfer

Wavignies ist kein Einzelfall. Frankreichs ländliche Räume kämpfen seit Jahren mit der sogenannten „désertification médicale“ – der medizinischen Wüste. Eine Entwicklung, die schleichend begonnen hat, jetzt aber immer sichtbarer wird. Die Landbevölkerung wird älter, der Bedarf an medizinischer Versorgung steigt – doch gleichzeitig sinkt die Zahl der Landärzte rapide.

Die Politik versucht gegenzusteuern. Mit Förderprogrammen, Landarzt-Stipendien, Steuererleichterungen. Doch wirklich nachhaltig greifen diese Maßnahmen selten. Oft sind es kommunale Initiativen, die vor Ort etwas bewegen – oder zumindest versuchen, das Ruder herumzureißen.

Wenn Promis den Taktstock übernehmen

Was Philippe Lacheau in diesem Zusammenhang macht, ist mehr als nur ein netter PR-Gag. Er nutzt seinen Namen, seine Reichweite, um auf ein sehr konkretes Problem aufmerksam zu machen – in einem sehr konkreten Dorf. Wäre es ohne seinen Appell überhaupt zu einer breiten Berichterstattung gekommen? Fraglich.

Vielleicht steckt darin eine Idee: Warum nicht öfter bekannte Persönlichkeiten einspannen, um Missstände sichtbar zu machen? Wenn ein Musiker für den Regenwald singt oder ein Fußballer sich für Bildung starkmacht – warum nicht auch ein Schauspieler, der für einen Landarzt wirbt?

Noch ist kein Arzt nach Wavignies gekommen. Aber die Aufmerksamkeit wächst. Und das ist schon mal ein Anfang.

Ein Aufruf, der unter die Haut geht

Letztlich zeigt die Geschichte von Wavignies, wie sehr Engagement – ob politisch, persönlich oder medial – ein Mosaik aus Hoffnung zusammensetzen kann. Was bleibt, ist ein leerer Behandlungsstuhl in einer topmodernen Praxis. Und ein Schauspieler, der nicht aufgibt.

Vielleicht liest ja gerade jetzt ein junger Mediziner diesen Text, der überlegt, wo er seine Praxis eröffnen soll. Vielleicht sagt er sich: Warum nicht? Warum nicht Wavignies?

Oder ist das zu romantisch gedacht?

Egal – irgendjemand muss ja den ersten Schritt machen. Und manchmal reicht ein kleiner Clip mit großer Wirkung.

Von C. Hatty

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