Aktuell · 07.07.2026 03:25
Schiaparelli eröffnet die Haute-Couture-Woche in Paris mit Silikon-Corsets und Meeresmotiven
Mit einer theatralischen Kollektion zwischen Materialexperiment und Meeresästhetik hat Schiaparelli am Montag, dem 6. Juli 2026, den Auftakt der Pariser Haute-Couture-Woche gesetzt. In der ersten Reihe saß unter anderem Bad Bunny; Kreativdirektor Daniel Roseberry…
Paris – 07.07.2026: Schiaparelli hat am Montagvormittag die Haute-Couture-Woche in Paris eröffnet und ein Bild entworfen, das zwischen Handwerk und futuristischer Materialforschung pendelt. Der amerikanische Kreativdirektor Daniel Roseberry setzte auf skulptural gearbeitete Korsetts, Roben und Accessoires, bei denen Silikon, Latex und künstliche Oberflächen die klassische Couture-Ikonografie neu besetzten. Die streng geformten Oberteile ließen die Taille schmal erscheinen und rahmten den Oberkörper wie Rüstungen, ohne die Beweglichkeit völlig zu opfern.
Die Kollektion arbeitete mit deutlichen maritimen Zitaten: Netze, muschelige Applikationen und eine Palette von milchigem Blau bis zu perligen Tönen erzeugten eine Unterwasserfantasie. Manche Kleider wirkten wie verfestigte Wellen; andere formten körpernahe Panzerungen, die das Kleid als Formgeber des Körpers betonten und zugleich entkörperlichten. Transparenzen wurden sparsam eingesetzt, um das Glänzen der Oberflächen zu akzentuieren. Einzelne Looks spielten mit Volumen, die an Quallen erinnerten, während bestickte Bustiers wie von Salzwasser überkrustet erschienen.
Im Parkett sorgte der Auftritt des puerto-ricanischen Sängers Bad Bunny für Medienrummel. Er hatte am Wochenende in Paris Konzerte gegeben und erschien in einem eigens geschneiderten Look, der Berichten zufolge die Handschrift des Hauses trug. Solche Premieren im Publikum gehören inzwischen zur Choreografie der Modewelt: Prominenz signalisiert Reichweite; das Haus antwortet mit prägnanten Bildern, die den kollektiven Aufmerksamkeitsmoment verstärken.
Handwerkliche Techniken der Haute Couture blieben präsent: Perlenstickereien, präzise Drapierungen und maßgeschneiderte Silhouetten wurden mit unkonventionellen Materialien kombiniert. Die Ateliers setzten auf reliefartige Stickereien, die das Licht brechen, und auf eingefärbtes Silikon, das sich eng über Korsettformen legt. Roseberrys Balance bestand darin, die handwerkliche Integrität zu bewahren und zugleich mit synthetischen Medien die Grenzen des Gewohnten auszuloten. Die Präsentation las sich damit als Kommentar zur Zukunft der Couture zwischen Nostalgie und technischer Neuerung.
Die Inszenierung unterstrich diesen Spagat: schlichte Bühne, klare Lichtsetzung, ein Hang zum Surrealen, wenn Silikon-Brüste in pastellfarbener Tönung auftauchten oder Röcke wie aufgeblasene Quallen schwebten. Auch die Accessoires setzten Zeichen: gegossene Schmuckelemente in organischen Formen, metallisch schimmernde Taschen und Schuhe mit skulpturalen Absätzen. Insgesamt hinterließ die Show den Eindruck einer Hauskollektion, die die surrealistische Traditionslinie von Elsa Schiaparelli aufgreift und zugleich nach vorn blickt. Als Eröffnungsdefilee markierte sie einen selbstbewussten Auftakt der Pariser Couture-Woche Herbst/Winter 2026/27, der die Diskussion über Materialinnovation und Formstrenge in der Couture weiter befeuert.
Quellen
- franceinfo
- Vogue France
- TheIndustry.fashion
- Fédération de la Haute Couture et de la Mode (FHCM)