Alle Artikel · 16.03.2026 09:14
Schüsse am helllichten Tag – Avignons Stadtteil Monclar im Schatten neuer Gewalt
Samstagmittag, 14. März 2026, in Avignon. Die Sonne steht hoch über den Häusern des Viertels Monclar, Menschen gehen einkaufen, Kinder spielen irgendwo zwischen den Wohnblöcken. Dann fallen plötzlich Schüsse. Mehrere Detonationen zerreißen die Routine...
Samstagmittag, 14. März 2026, in Avignon. Die Sonne steht hoch über den Häusern des Viertels Monclar, Menschen gehen einkaufen, Kinder spielen irgendwo zwischen den Wohnblöcken. Dann fallen plötzlich Schüsse. Mehrere Detonationen zerreißen die Routine eines gewöhnlichen Wochenendtages – und lassen ein Viertel erneut erstarren.
Am 14. März, kurz nach zwölf Uhr, kommt es in der Rue Bertrand-de-Nogayrol zu einer Schießerei. Eine junge Frau wird von einer Kugel schwer getroffen. Rettungskräfte bringen sie umgehend ins Krankenhaus. Über ihren Zustand dringt zunächst nur wenig nach außen, doch die Schwere der Verletzungen steht außer Frage.
Die Ermittlungen übernimmt die auf organisierte Kriminalität spezialisierte Polizeieinheit von Avignon. Beamte sichern Spuren, befragen Anwohner, versuchen ein Bild der Ereignisse zu rekonstruieren. Noch am Wochenende kursieren erste Hinweise auf eine Festnahme. Gleichzeitig bleiben zentrale Fragen offen: Wer hat geschossen? Und vor allem – galt der Angriff tatsächlich der verletzten Frau?
Der Vorfall erschüttert die Stadt nicht nur wegen der Tat selbst.
Es ist die Wiederholung.
Denn Monclar steht seit Tagen im Fokus der Ermittler. Bereits in der Nacht vom 6. auf den 7. März fallen in demselben Viertel Schüsse. Wenige Stunden später wird dort ein Mensch getötet. Der Mord löst eine intensive Fahndung aus, zahlreiche Spuren führen in das Milieu lokaler Drogen- und Bandenstrukturen.
Und nun, kaum eine Woche später, wieder Schüsse.
Für viele Bewohner fühlt sich das an wie eine Spirale, die sich immer schneller dreht. In Gesprächen vor den Wohnhäusern oder an der Bäckertheke hört man denselben Satz: „Das wird langsam unheimlich.“ Manche sprechen von einem Klima der Anspannung, das sich über das Viertel gelegt habe – schwer greifbar, aber spürbar.
Monclar gilt seit Jahren als sensibler Punkt in Avignon. Sozialer Wohnungsbau, eine junge Bevölkerung, wirtschaftliche Unsicherheiten – dazu immer wieder Berichte über Drogenhandel und rivalisierende Gruppen. Polizeiliche Einsätze gehören für viele Bewohner fast zum Alltag. Dennoch bleibt jeder Schusswechsel ein Schock.
Besonders dann, wenn er mitten am Tag geschieht.
Denn genau darin liegt das eigentlich Beunruhigende dieses neuen Vorfalls. Schüsse in der Nacht – das kennt man aus vielen Großstädten, so bitter das klingt. Doch wenn Kugeln am frühen Nachmittag durch eine Wohnstraße fliegen, verschieben sich Grenzen. Dann stehen plötzlich Passanten, Nachbarn oder Kinder im potenziellen Gefahrenbereich.
Die Ermittler gehen bislang vorsichtig vor. Ein mögliches „Règlement de comptes“, also eine Abrechnung innerhalb krimineller Netzwerke, gilt zwar als denkbare Hypothese. Beweise dafür fehlen jedoch. Ebenso unklar bleibt, ob die verletzte Frau das eigentliche Ziel war – oder zufällig in eine gewalttätige Situation geriet.
Bis zur Klärung dieser Fragen arbeiten die Spezialisten der Kriminalpolizei unter Hochdruck.
Währenddessen bleibt im Viertel eine Mischung aus Sorge und Fatalismus zurück. Einige Bewohner hoffen auf eine rasche Aufklärung, andere zucken nur mit den Schultern. „So etwas passiert hier inzwischen öfter“, murmelt ein älterer Mann, der seinen Hund ausführt. Man spürt: Die Menschen wollen sich ihr Viertel nicht nehmen lassen.
Aber die Angst, dass die nächste Schießerei nur Tage entfernt sein könnte, steht plötzlich im Raum.
Und genau das macht diese Geschichte so beunruhigend.
Autor: C.H.