Alle Artikel · 14.11.2024 10:39
Sexualität der Franzosen 2023: Seltener, aber vielfältiger
Eine umfassende Studie der Institutionen Inserm und ANRS hat am 13. November 2023 neue Erkenntnisse über das Sexualleben in Frankreich veröffentlicht. Das Ergebnis? Die Franzosen haben heute weniger Geschlechtsverkehr – doch die Vielfalt und...
Eine umfassende Studie der Institutionen Inserm und ANRS hat am 13. November 2023 neue Erkenntnisse über das Sexualleben in Frankreich veröffentlicht. Das Ergebnis? Die Franzosen haben heute weniger Geschlechtsverkehr – doch die Vielfalt und Offenheit im Umgang mit Sexualität wächst.
Verschiebungen im Durchschnittsalter und der Partnerzahl
Franzosen erleben ihren ersten sexuellen Kontakt im Durchschnitt später als noch vor einigen Jahren. Das Durchschnittsalter für den ersten Geschlechtsverkehr liegt 2023 bei 18,2 Jahren für Frauen und 17,7 Jahren für Männer. Interessanterweise hat sich die Zahl der Sexualpartner*innen bei Frauen fast verdoppelt: Lag der Durchschnitt in den 1990ern noch bei etwa 3,4, hat sich dieser Wert bis 2023 auf 7,9 gesteigert. Bei Männern stieg die durchschnittliche Partnerzahl von 11 auf 16,4.
Diese Veränderung zeigt, dass die Franzosen sich offenbar freier und offener ausleben als früher – allerdings ohne, dass dies mit häufigeren Kontakten einhergeht. Die Studie dokumentiert auch, dass zwar die Partnerzahlen gestiegen sind, die Häufigkeit sexueller Begegnungen mit festen Partner*innen jedoch zurückgegangen ist.
Vielfalt an sexuellen Praktiken nimmt zu
Sexuelle Praktiken haben sich im letzten Jahrzehnt ebenfalls gewandelt. Neben vaginalem Geschlechtsverkehr geben heute mehr Menschen an, auch orale, anale und masturbative Praktiken zu erleben. Die Sexualität wird experimenteller und vielfältiger, wobei das Spektrum an Akzeptanz und Offenheit wächst.
Gleichzeitig gibt es eine Entwicklung hin zu mehr Qualität als Quantität: Nur 77 % der befragten Frauen und 81 % der Männer im Alter von 18 bis 69 Jahren hatten im letzten Jahr Geschlechtsverkehr. Das ist ein Rückgang im Vergleich zu den 2000er Jahren. Es scheint, dass Sexualität zunehmend bewusst und selbstbestimmt gestaltet wird. Die Zahl der Frauen, die „nur dem Partner zuliebe“ Sex haben, ist ebenfalls gesunken – ein Zeichen für eine stärkere Wahrnehmung der eigenen Bedürfnisse und eine klarere Kommunikation darüber.
Mehr Vielfalt in der sexuellen Orientierung
Die Studie belegt auch, dass heute mehr Menschen sexuelle Kontakte mit gleichgeschlechtlichen Partner*innen haben. Insbesondere bei Frauen ist dieser Trend bemerkbar: 2023 gaben erstmals mehr Frauen als Männer an, gleichgeschlechtliche Erfahrungen gemacht zu haben. Die Gründe sind vielfältig und können von einer stärkeren sozialen Akzeptanz bis hin zu einer veränderten Selbstwahrnehmung und Offenheit gegenüber der eigenen Sexualität reichen.
Steigende Sorge: sexuelle Gewalt bleibt ein großes Thema
Neben all den positiven Entwicklungen zeichnet die Studie jedoch auch ein ernstes Bild der Gewaltproblematik in Frankreich. Der Anteil der Frauen, die von erzwungenen sexuellen Kontakten oder entsprechenden Versuchen berichten, ist alarmierend gestiegen – von 15,9 % im Jahr 2006 auf erschreckende 29,8 % im Jahr 2023. Auch bei Männern ist die Zahl von 4,6 % auf 8,7 % gestiegen. Diese Zahlen rufen nach weiteren Diskussionen und Maßnahmen zum Schutz vor sexueller Gewalt und zeigen, dass gesellschaftliche Aufklärung zum Thema Konsens heute wichtiger denn je ist.
Fazit: Ein wachsender Fokus auf Selbstbestimmung und Vielfalt
Die aktuelle Studie belegt deutlich, dass sich das Sexualleben der Franzosen in den letzten Jahren verändert hat. Es hat an Häufigkeit abgenommen, gleichzeitig ist es diverser und selbstbestimmter geworden. Gesellschaftliche Bewegungen wie #MeToo und die stärkere Sensibilisierung für individuelle Grenzen und Bedürfnisse spielen dabei eine wichtige Rolle.
Es bleibt zu hoffen, dass diese Entwicklungen zu einem gesünderen und respektvolleren Umgang mit Sexualität beitragen – und dass der Schutz vor Gewalt weiter gestärkt wird.