Sprachen und Dialekte

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Foto Gerd Altmann

Nach der Debatte und den Demonstrationen zum Thema Regionalsprachen im immersiven Unterricht (das „Eintauchen in ein Sprachbad“) war ich verblüfft: 75 Regionalsprachen in Frankreich? So viele?

Die einzige Amtssprache in Frankreich ist Französisch.

Gut, man hat sicher schon etwas davon gehört, dass die Bretonen neben Französisch eine eigene Sprache haben, dass die Sprache im Elsass nicht nur französisch ist, dass die Sprache im Norden vom gängigen Französisch abweicht, letzteres weiß man spätestens seit der Filmkomödie „Bienvenu chez les Ch’tis“ (auch auf deutsch zu sehen: „Willkommen bei den Sch’tis“).

Das wäre schon einmal eine Handvoll dieser Regionalsprachen. Daneben gibt es eine ganze Reihe weiterer mehr oder weniger bekannter Sprachen, die zum Teil von vielen, zum Teil von eher wenigen Sprechern verwendet werden. Um nur einige zu nennen: Baskisch, Katalanisch, Okzitanisch, Korsisch, Moseldialekte … Und was man leicht außer Acht lässt: Zu Frankreich gehören Gebiete in Übersee und damit eine ganze Anzahl weiterer Sprachen; neben der offiziellen französischen Amtssprache haben diese Gebiete ihre eigenen lokalen Sprachen. So spricht man zum Beispiel auf den Gesellschaftsinseln (Polynesien) neben Französisch auch Tahitisch. Am weitesten verbreitet sind die französischbasierten Kreolsprachen.

Bei vielen dieser Sprachen darf man nicht von Einheitlichkeit ausgehen, denn es gibt vielerlei regionale Färbungen, die man als Dialekte bezeichnen kann.

Damit wären wir beim Stichwort „Dialekt“. Was ist der Unterschied zwischen einem Dialekt und einer Sprache? Diese Frage lässt sich nicht ganz eindeutig beantworten, nicht einmal von Sprachwissenschaftlern. Wohl hat man ein grundlegendes Kriterium aufgestellt: das der gegenseitigen Verständlichkeit. Wenn zwei Sprecher sich ohne Probleme verstehen, müssen sie dieselbe Sprache sprechen. Vorhandene sprachliche Unterschiede lassen sich dann als regional- und damit dialektbedingt erklären. Aber ob das immer so hinhaut …?

Interessant ist übrigens, dass nicht nur sprachliche Kriterien bestimmend sind, sondern auch die Politik Einfluss hat. Man denke nur an Ländergrenzen. Ein ganz deutliches Beispiel ist der frühere Vielvölkerstaat Jugoslawien, dessen Sprache Jugoslawisch genannt wurde, manche sagten auch genauer: Serbokroatisch – seit der Staat zerfallen ist, spricht man in den einzelnen Ländern Serbisch, Bosnisch, Kroatisch, was eigentlich eine einzige Sprache war und ist, bis auf regionale Unterschiede, die es aber auch schon immer gab – also Linguisten würden sagen, hier handelt es sich um drei Dialekte einer Sprache. Ein Kroate würde eine Serbin – rein sprachlich gesehen – problemlos verstehen.

Wie sieht es in dieser Hinsicht in deutschsprachigen Ländern aus? Wie viele Verständigungsprobleme hat ein Hamburger im Urlaub auf der Schwäbischen Alb oder gar beim Skifahren in den Schweizer Alpen? So gesehen – wir können nur staunen – handelt es sich nach dem oben erwähnten Kriterium bei einigen deutschen Dialekten doch eher um Sprachen … Nur gut, dass sie alle die gleiche Schriftsprache haben, als Verständigungsbasis für den Notfall!

Im Norden sind die Dialekte fast ausgestorben. Junge Leute sprechen zum Beispiel kein Plattdeutsch mehr, verstehen es großenteils schon gar nicht mehr. Dialekte werden durch „Regiolekte“ abgelöst, die verständlicher sind als Dialekte, aber ein bisschen wärmer rüberkommen als Standardsprache.

Im Süden werden Dialekte noch gepflegt. So ist der Werbespruch aus Baden-Württemberg zum geflügelten Wort geworden: „Mir kennet älles! Außer Hochdeitsch.“ (Du verstehst auch ohne Übersetzung, dass „wir alles können! Außer Hochdeutsch“ 😉)

Sprache wandelt sich. Manche Wörter und Ausdrücke sterben aus und verschwinden, dafür tauchen neue auf. Kennst du vielleicht in deiner eigenen Sprache oder deinem Dialekt Wörter, die früher benutzt wurden, heute aber nicht mehr zu hören sind? Cool! Dann würde ich mich über deine Nachricht freuen: elisa@nachrichten.fr!

Deine Elisa


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