Alle Artikel · 29.04.2025 09:40
Stromausfall in Spanien und Portugal: Frankreich sieht sich gut gerüstet
Am Montag erlebten Spanien und Portugal einen beispiellosen Blackout. Über Stunden blieb das Licht aus, der Alltag kam zum Stillstand. Mittlerweile läuft der Strom bei 99 % der Haushalte wieder – doch die Ursachen...
Am Montag erlebten Spanien und Portugal einen beispiellosen Blackout. Über Stunden blieb das Licht aus, der Alltag kam zum Stillstand. Mittlerweile läuft der Strom bei 99 % der Haushalte wieder – doch die Ursachen der Störung bleiben vorerst ein Rätsel.
In Frankreich hingegen gibt man sich gelassen. Jean-Paul Roubin, Direktor für Kunden und Betrieb bei RTE, dem französischen Stromnetzbetreiber, erklärte auf franceinfo, wie Frankreich solchen Ausfällen vorbeugt.
Ein Blackout, wie ihn Europa selten sieht
Ein ganz gewöhnlicher Montag – bis die Iberische Halbinsel plötzlich vom europäischen Stromnetz abkoppelt und in Dunkelheit versinkt. Die europäischen Netzbetreiber, organisiert unter dem Dach der ENTSO-E, haben umgehend Untersuchungen angekündigt, um die genaue Ursache aufzudecken.
Obwohl sich Gerüchte schnell verbreiteten – von Cyberangriffen über Temperaturrekorde bis hin zu regionalen Bränden wie zwischen Perpignan und Narbonne – wurden einige dieser Theorien rasch entkräftet. Eine definitive Erklärung fehlt bislang. Doch die Experten sind optimistisch, bald Klarheit zu schaffen.
Sobald Spanien und Portugal ihre Versorgung stabilisiert haben, soll eine umfassende Analyse beginnen – mit Daten nicht nur von der Iberischen Halbinsel, sondern auch aus Frankreich und anderen Teilen Europas.
Könnte Frankreich dasselbe Schicksal ereilen?
Eine berechtigte Frage, die sich viele angesichts solcher Bilder stellen: Droht uns in Frankreich ein ähnlicher Blackout?
Jean-Paul Roubin bleibt nüchtern, aber ehrlich: „Das Risiko ist nie vollständig auszuschließen.“ Aber – und das ist entscheidend – Frankreich hat vorgesorgt. Automatische Schutzmechanismen springen sofort ein, sobald ein Teil des Netzes instabil wird. Solche „kranken“ Bereiche werden blitzschnell isoliert, um einen Flächenbrand im Netz zu verhindern.
Und für den Worst Case gibt es detaillierte Wiederanschaltpläne, die regelmäßig getestet werden. Man überlässt hier also nichts dem Zufall.
Mal ehrlich – bei der Komplexität eines europäischen Stromnetzes grenzt es fast an ein kleines Wunder, dass nicht häufiger etwas schiefläuft, oder?
Frankreich – der heimliche Retter in der Not
Als es in Spanien dunkel wurde, sprang Frankreich ohne großes Aufheben zur Hilfe. Innerhalb einer Stunde nach dem Vorfall begann der französische Netzbetreiber RTE, spanische Netze wieder zu versorgen. Ganze 1.500 Megawatt wurden bereitgestellt – eine stolze Zahl.
Und diese Unterstützung lief nicht nur tagsüber. Auch nachts wurde weiter Strom geliefert, um die Wiederherstellung der spanischen Versorgung zu sichern. Ein Zeichen europäischer Solidarität, das im Hintergrund oft unbemerkt bleibt, aber enorm wichtig ist.
Jean-Paul Roubin fasst es treffend zusammen: „Frankreich spielt eine wesentliche Rolle bei der Unterstützung des spanischen Stromsystems.“
Und diese Unterstützung wird solange fortgesetzt, wie sie gebraucht wird. Kein großes Tamtam, einfach gelebte Nachbarschaftshilfe.
Der Blick nach vorn
Die Ereignisse in Spanien und Portugal sind eine eindrückliche Erinnerung daran, wie empfindlich und gleichzeitig widerstandsfähig moderne Infrastrukturen sein können.
Frankreich zeigt sich vorbereitet – doch Selbstzufriedenheit wäre fehl am Platz. Ständige Wachsamkeit, regelmäßige Tests und internationale Zusammenarbeit sind das Gebot der Stunde.
Denn eines ist sicher: In einer vernetzten Welt ist kein Land wirklich eine Insel.
Autor: Andreas M. Brucker