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Alle Artikel · 26.02.2025 09:00

Suizid in Frankreich: Ein alarmierender Anstieg bei älteren Männern und jungen Frauen

Das Thema Suizid bleibt in Frankreich ein drängendes Problem, und die neuesten Zahlen zeigen eine besorgniserregende Entwicklung. Im Jahr 2022 nahmen sich 9.200 Menschen das Leben – ein Anstieg von 3,3 % innerhalb eines...

Das Thema Suizid bleibt in Frankreich ein drängendes Problem, und die neuesten Zahlen zeigen eine besorgniserregende Entwicklung. Im Jahr 2022 nahmen sich 9.200 Menschen das Leben – ein Anstieg von 3,3 % innerhalb eines Jahres. Besonders betroffen sind sehr alte Männer und junge Frauen. Gleichzeitig sind Männer insgesamt dreimal häufiger von Suizid betroffen als Frauen.


Ein dramatischer Anstieg bei Männern über 85 Jahren

Die höchsten Suizidraten wurden erneut bei Männern über 85 Jahren festgestellt. Diese Gruppe war bereits zuvor besonders betroffen, doch die Zahlen sind weiter gestiegen: 86 von 100.000 Männern dieser Altersgruppe nahmen sich 2022 das Leben – ein Anstieg um neun Punkte innerhalb eines Jahres.

Das Thema wird oft tabuisiert, doch es gibt zahlreiche Faktoren, die ältere Menschen in die Verzweiflung treiben können: Einsamkeit, körperliche Einschränkungen, der Verlust des Partners oder wirtschaftliche Unsicherheiten. Die Autoren des Berichts fordern eine breitere Diskussion über die psychische Gesundheit älterer Menschen, insbesondere in einer Gesellschaft, die immer älter wird.

Interessanterweise könnte die derzeit in Frankreich diskutierte Einführung von Sterbehilfe oder assistiertem Suizid paradoxerweise zur Suizidprävention beitragen. Erfahrungen aus Ländern mit solchen Regelungen zeigen, dass allein das offene Gespräch mit Fachkräften und die Möglichkeit, selbstbestimmt zu entscheiden, für manche Betroffene einen positiven psychischen Effekt haben können. Allerdings bleibt die Gesamtzahl der Suizide in diesen Ländern weitgehend unverändert – es scheint, dass sich lediglich die Art und Weise verändert, wie Menschen ihrem Leben ein Ende setzen.


Junge Frauen besonders betroffen

Am anderen Ende der Altersskala zeigt der Bericht eine alarmierende Entwicklung bei jungen Frauen unter 25 Jahren. Während Suizid in dieser Gruppe insgesamt seltener vorkommt, hat sich die Zahl der Fälle zwischen 2015 und 2022 verdoppelt. Auch die Zahl der Krankenhausaufenthalte aufgrund selbstverletzenden Verhaltens ist drastisch gestiegen.

Im Gegensatz dazu sind die Suizidraten junger Männer stabil geblieben. Fachleute vermuten, dass die Zunahme bei Frauen unter anderem mit einem Anstieg von Depressionen und Suizidgedanken seit 2014 zusammenhängen könnte. Die Covid-19-Pandemie hat diese Entwicklung weiter verstärkt. Auch gesellschaftliche Faktoren spielen eine Rolle – von sexistischen und sexuellen Gewalterfahrungen bis hin zum Druck, bestimmten gesellschaftlichen Erwartungen zu entsprechen.


Ein Wendepunkt nach Jahrzehnten des Rückgangs?

In den letzten Jahrzehnten war die Suizidrate in Frankreich stetig gesunken – dank Präventionsmaßnahmen, besserer psychiatrischer Versorgung und eingeschränkterem Zugang zu tödlichen Mitteln wie Schusswaffen oder bestimmten Pestiziden. Doch dieser positive Trend scheint ins Stocken geraten zu sein.

Seit 2018 zeigen die Zahlen Anzeichen eines erneuten Anstiegs, was auf einen Wendepunkt hindeuten könnte. Gleichzeitig befindet sich das Gesundheits- und Sozialwesen in einer Krise, was eine adäquate Betreuung von Menschen in psychischer Not erschwert.

Frankreich steht mit diesem Problem nicht allein da. Auch in anderen europäischen Ländern steigen die Suizidzahlen wieder an. Mit 13,3 Suiziden pro 100.000 Einwohner lag Frankreich 2021 über dem EU-Durchschnitt von 10,2. Besonders hohe Raten gibt es in Nord- und Osteuropa, während Südeuropa besser dasteht – möglicherweise aufgrund engerer Familienstrukturen, stärkerer religiöser Bindungen und eines weniger depressionsfördernden Klimas.


Hilfe ist verfügbar

Wer an Suizid denkt oder jemanden kennt, der betroffen sein könnte, sollte nicht zögern, Hilfe zu suchen. In Frankreich ist die nationale Suizid-Hotline unter der Nummer 3114 rund um die Uhr anonym erreichbar. Auch die Organisation Suicide Écoute bietet Unterstützung unter 01 45 39 40 00.

Psychische Krisen sind kein Zeichen von Schwäche – sondern ein Signal, dass Unterstützung notwendig ist. Niemand sollte allein durch diese dunklen Zeiten gehen müssen.

Von C. Hatty

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