Alle Artikel · 10.08.2025 07:23
Tango unter südfranzösischem Himmel – Nîmes tanzt!
Nîmes im August. Die Sonne brennt golden auf römische Mauern, ein leiser Wind trägt Musikfetzen durch die Gassen – und irgendwo, zwischen Pont du Gard und Maison Carrée, gleitet ein Paar im Takt des...
Nîmes im August. Die Sonne brennt golden auf römische Mauern, ein leiser Wind trägt Musikfetzen durch die Gassen – und irgendwo, zwischen Pont du Gard und Maison Carrée, gleitet ein Paar im Takt des Bandoneóns über den Platz.
So fühlt sich das 28. Festival International de Tango Argentin an.
Vom 8. bis 13. August 2025 verwandelt die südfranzösische Stadt sich in einen vibrierenden Treffpunkt für Tänzer:innen, Musiker und Liebhaber dieses melancholischen, leidenschaftlichen Tanzes. Organisiert von der Milonga del Angel, zieht das Festival nicht nur Profis und Neugierige an, sondern insbesondere Menschen, die längst wissen: Tango ist keine bloße Tanztechnik – Tango ist ein Lebensgefühl.
Die Stadt als Bühne
Das Besondere: Nîmes selbst spielt die Hauptrolle.
Ob in der antiken Maison Carrée, unter dem legendären Pont du Gard oder im ländlichen Mas de la Barben – überall verschmelzen Architektur, Geschichte und Musik zu einer sinnlichen Einheit.
Die Tage sind prall gefüllt: Morgens und nachmittags finden Workshops mit internationalen Maestros statt, die von sacadas über colgadas bis hin zu barridas alle Facetten des Tangos beleuchten. Abends öffnen sich die Plätze und Hallen für Milongas – oft unter freiem Himmel, begleitet von Live-Orchestern wie Tanguango Quinteto, El Tango Club, Sin Vuelta oder dem Tango Spleen Orchestra.
Höhepunkte mit Gänsehaut-Garantie
Jeder Festivaltag hat seinen eigenen Zauber, doch der 12. August dürfte für viele Besucher zum unvergesslichen Höhepunkt werden.
Der Pont du Gard, dieses monumentale römische Aquädukt, bietet eine Kulisse, die schon für sich allein atemberaubend ist. Dazu kommt ein Programm, das vom Kopf bis in die Füße inspiriert: eine Konferenz über „Frauen im Tango“, ein Einführungskurs in die argentinische chacarera, eine energiegeladene Milonga mit dem Tango Spleen Orchestra – und schließlich die Darbietung von Chantal Crea Fernandez & Dario da Silva, die mit jeder Drehung eine Geschichte erzählen.
Und dann?
Der letzte Tag, der 13. August, bringt die Festivalfamilie noch einmal zusammen. In der Milonga del Angel dreht sich alles um Kultur und Erinnerung: eine Hommage an den legendären Osvaldo Pugliese, die Vorführung des Dokumentarfilms La Rencontre, ein lockeres Apéro-Tango – und eine große Abschlussparty mit dem Tangueando Orchester aus Toulouse.
Mehr als nur Tanz
Natürlich geht es um Schritte, Technik und musikalische Präzision. Aber wer hier ist, merkt schnell: Tango in Nîmes ist ein soziales Ereignis.
Zwischen Workshops und Milongas entstehen Freundschaften, werden neue Tanzpartnerschaften geboren, und manchmal auch Geschichten, die weit über den Sommer hinausreichen.
Für viele bedeutet das Festival, in die argentinische Kultur einzutauchen – nicht nur in ihre Musik, sondern auch in ihre Sprache, Gesten und diese ganz eigene Mischung aus Melancholie und Lebensfreude.
Ein Fest für Augen, Ohren – und das Herz
Ob man selbst tanzt oder nur zuschaut: Die Atmosphäre reißt mit. Das sanfte Streichen des Bandoneóns, die spannungsgeladenen Pausen im Tanz, der Applaus, wenn ein Paar eine besonders gewagte Figur perfekt landet – all das macht Nîmes im August zu einem Ort, an dem man Tango nicht nur sieht, sondern fühlt.
Wer also glaubt, Tango sei etwas, das man nur in Buenos Aires erleben kann, der irrt.
Manchmal reicht ein Ticket nach Südfrankreich – und ein Herz, das im Dreivierteltakt schlägt.
Autor: Andreas M. B.