Aktuell · 06.07.2026 04:45
Tarbes: Sorge um Verkauf der einzigen französischen Fabrik für 155-mm-Granathüllen
Beschäftigte und Lokalpolitiker warnen vor einem möglichen Verkauf der Forges de Tarbes durch Europlasma. Sie fürchten um Arbeitsplätze und die strategische Versorgung mit 155‑mm‑Granathüllen und drängen den Staat zu klaren Sicherungszusagen.
Tarbes – 06.07.2026: In Tarbes wächst die Unruhe: Beschäftigte und örtliche Mandatsträger berichten, das Verteidigungssegment des Eigentümers Europlasma stehe zum Verkauf. Betroffen wären aus ihrer Sicht vor allem die Forges de Tarbes, gegenwärtig der einzige Standort in Frankreich, der die Stahlhüllen für 155‑mm‑Artilleriegranaten fertigt. Diese leeren Hüllen werden anschließend von Rüstungsunternehmen wie KNDS (ehemals Nexter) zu einsatzfähiger Munition komplettiert. Nach Angaben aus dem Werk hängt die Zukunft von rund 70 bis 80 Arbeitsplätzen an der Entscheidung.
Die Fabrik gilt seit dem massiven Anstieg der Munitionsnachfrage ab 2022 als strategisches Glied in der Lieferkette – sowohl für die französische Armee als auch für europäische Partnerprogramme. Aus der Region Occitanie kommen daher Forderungen an den Staat, Verlässlichkeit zu schaffen: Gewünscht werden Garantien für Investitionen, Mindestvolumina und Beschäftigung. Zur Begründung verweisen lokale Akteure auf bereits angekündigte öffentliche Hilfen zur Kapazitätserhöhung, die die Produktionsleistung stabilisieren sollten.
Kritik richtet sich vor allem an Europlasma. Dem Eigentümer wird vorgehalten, zugesagte Modernisierungsschritte verzögert zu haben. Branchenbeobachter warnen, ein Verkauf an einen rein finanzgetriebenen Investor könnte die Risiken für Produktionstempo, Qualität und Beschäftigung erhöhen. Empfohlen werden deshalb Auflagen bei einem möglichen Eigentümerwechsel: gesicherte Investitionspläne, zeitgebundene Meilensteine, Nachweispflichten zur Instandhaltung und vertraglich fixierte Mindestmengen.
Auf nationaler Ebene verweisen das Verteidigungsministerium und die Direction générale de l’armement (DGA) auf die Bedeutung der gesamten Munitionskette. Nach Angaben aus Arbeitnehmerkreisen und der Kommunalpolitik liegt bislang jedoch keine verbindliche Lösung vor. Diskutiert werden Optionen von einer staatlich flankierten Übernahme bis zu einem kontrollierten Weiterverkauf mit strengen Bedingungen. Entscheidend wäre aus Sicht der Belegschaft, dass die Serienfertigung in Tarbes nicht unterbrochen wird, da Qualifikation und Lieferrhythmus in diesem Segment schwer zu ersetzen sind.
Hintergrund ist eine europaweite Ausweitung der Fertigungskapazitäten für 155‑mm‑Munition. Frankreich hat sich an entsprechenden Programmen beteiligt, um die Versorgungslage zu verbessern und Zusagen gegenüber Partnern zu erfüllen. In dieses Bild fügt sich die Lage in Tarbes ein: Fällt der einzige Inlandsproduzent der Hüllen aus, müssten Hersteller stärker auf Importkomponenten ausweichen – mit möglichen Folgen für Kosten, Lieferzeiten und Souveränität. Gewerkschaften und Lokalpolitiker kündigen weitere Schritte an, um politischen Druck aufzubauen und die technische Kompetenz am Standort zu sichern.
Quellen
- franceinfo
- La Dépêche
- La Tribune
- Verteidigungsministerium Frankreich