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Alle Artikel · 27.11.2025 08:07

Tiere hinter Gittern – und im Stich gelassen: Behörden räumen Wildpark in Montredon-Labessonnié

Was bleibt von einem Ort, der einst seine Besucher faszinieren wollte – und am Ende nur Entsetzen hinterlässt? Im Tarn, einem ländlich geprägten Département im Süden Frankreichs, wurde in dieser Woche ein düsteres Kapitel...

Was bleibt von einem Ort, der einst seine Besucher faszinieren wollte – und am Ende nur Entsetzen hinterlässt?

Im Tarn, einem ländlich geprägten Département im Süden Frankreichs, wurde in dieser Woche ein düsteres Kapitel tierschutzrechtlicher Versäumnisse geschlossen. 24 Tiere, darunter eine Tigerdame, zwei Wölfe, ein Otter, ein Karakal (eine mittelgroße Wildkatze, die vor allem in Afrika und Teilen Asiens heimisch ist – bekannt für ihre charakteristischen langen, schwarzen Ohrpinsel) und sage und schreibe 19 Waschbären, wurden aus dem ehemaligen Wildpark „Les Trois Vallées“ evakuiert – allesamt in einem Zustand, der den Verantwortlichen keine Wahl ließ.

Der Ort: ein verwaistes Tiergehege bei Montredon-Labessonnié. Die Lage: alarmierend.

Schon Anfang September hatten Kontrollbehörden bei einer unangekündigten Inspektion festgestellt, was man auf den ersten Blick kaum glauben möchte: Lebensräume, die diesen Namen nicht verdienen. Zerfallene Gitter, spitze Metallteile, ungesicherte Ausläufe – die Tiere lebten buchstäblich auf Messers Schneide.

Es blieb nicht bei baulichen Mängeln. Was die Inspekteure dort vorfanden, war ein erschütterndes Bild systemischen Versagens. Verdorbenes Futter, falsche Rationen, keinerlei tierärztliche Betreuung. Weder wurde der Gesundheitszustand der Tiere regelmäßig kontrolliert, noch existierte ein Plan zur Prävention oder Behandlung von Krankheiten. Selbst grundlegende Hygienestandards? Fehlanzeige.

Die Präfektur des Tarn reagierte schnell. Nur sieben Tage nach der Inspektion wurde das Gelände per Verwaltungsbeschluss geschlossen. Eine Maßnahme, die deutlich macht: Hier war akute Gefahr im Verzug.

Die Rettungsaktion am 25. November war minutiös geplant. Über dreißig Fachkräfte waren im Einsatz – darunter Tierärzt:innen, Biodiversitätsexperten, Feuerwehrleute, Tierschutzbeamte und spezialisierte Tiertransporteure. Gemeinsam sorgten sie dafür, dass die betroffenen Tiere nun in vier verschiedenen, genehmigten Einrichtungen, in denen sie endlich artgerecht versorgt werden, unterkommen.

Diese koordinierte Operation war nur durch enge Abstimmung mit dem französischen Umweltministerium und der SAASS möglich – dem nationalen Rettungsdienst für beschlagnahmte Wildtiere, der von der französischen Zoo-Vereinigung getragen wird. Ein Netzwerk, das in solchen Fällen oft die letzte Rettung bedeutet.

Die Geschichte des Parks „Les Trois Vallées“ ist damit jedoch nicht abgeschlossen. Noch immer befinden sich Tiere auf dem Gelände. Der Präfekt des Tarn, Simon Bertoux, fordert den Betreiber des Parks auf, auch für diese Tiere sofort neue Plätze zu organisieren – andernfalls werde man weitere Räumungen notfalls zwangsweise durchführen.

Wie konnte es so weit kommen? Warum fiel die völlige Verwahrlosung der Anlage nicht früher auf? Und welche Konsequenzen zieht man aus einem Vorfall, der so viele Kontrollmechanismen unterlaufen hat?

Fragen, die nicht nur in Montredon-Labessonnié laut werden. Denn Tierparks stehen seit Jahren in einem Spannungsfeld: zwischen Bildungsauftrag, wirtschaftlichem Überlebenskampf und ethischer Verantwortung. Die Debatte um Tierwohl, Wildhaltung und staatliche Aufsicht wird durch Fälle wie diesen erneut angefacht – und das zu Recht.

Wenn selbst Wildtiere, die dem Menschen ausgeliefert sind, nicht einmal auf das Minimum an Schutz, Futter und medizinischer Versorgung zählen können, verliert ein ganzer Gesellschaftsbereich seine Legitimation.

„Les Trois Vallées“ war einmal ein Ort, an dem Familien Löwen bestaunten und Kinder Waschbären fütterten. Jetzt ist es ein Mahnmal dafür, was geschieht, wenn Kontrolle versagt – und Verantwortung verschleppt wird.

Die Tiere zahlen den Preis.

Von C. Hatty

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