Aktuell · 11.07.2026 05:21
Trump erklärt Waffenstillstand mit Iran für beendet – indirekte Gespräche sollen weiterlaufen
Nach neuen Angriffen in der Golfregion hält US-Präsident Donald Trump das im Juni vereinbarte Zwischenabkommen mit Iran für obsolet. Washington signalisiert dennoch Bereitschaft zu weiteren indirekten Verhandlungen über Sicherheitsgarantien.
Washington – 11.07.2026: US-Präsident Donald Trump hat das im Juni vermittelte Zwischenabkommen mit dem Iran für beendet erklärt, zugleich aber die Fortsetzung indirekter Verhandlungen in Aussicht gestellt. Seine Aussage folgte auf neue Gefechte und Luftschläge in der Region, über die Diplomaten und Nachrichtenagenturen zuletzt berichtet hatten. Trump begründete die Abkehr damit, Teheran habe Verpflichtungen aus der Vereinbarung nicht eingehalten; Details nannte er nicht. Zugleich verwies er auf die Möglichkeit, Gespräche fortzuführen, sofern greifbare Sicherheitsgarantien – insbesondere für die Schifffahrt im Golf – erreichbar seien.
Aus Teheran kamen umgehend scharfe Reaktionen. Iranische Offizielle betonten, das Land werde sich keinem Abkommen „durch Kapitulation“ unterwerfen und verlange im Gegenzug verlässliche internationale Zusagen zur Sicherheit von Seewegen und Häfen. Nach den jüngsten Angriffen bleibt laut mehreren Medienberichten unklar, welche Akteure für einzelne Schläge verantwortlich waren. Diese Unschärfe erschwert die Zuweisung politischer Verantwortung und erhöht das Risiko von Fehleinschätzungen auf beiden Seiten.
Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas äußerte sich besorgt über die erneute Gewaltspirale und rief alle Seiten zu Deeskalation und diplomatischer Disziplin auf. Mehrere europäische Regierungen warnten zuletzt vor Folgen für Handel und Energieversorgung, sollte sich die Lage im Golf weiter zuspitzen. Frankreich und Deutschland sprachen sich für eine Wiederaufnahme stabiler Gespräche unter Einbindung regionaler Vermittler aus.
Hintergrund ist eine Vereinbarung vom 17. Juni, die unter Mithilfe internationaler Vermittler – darunter auch Pakistan – temporäre Beschränkungen militärischer Aktivitäten in Aussicht stellte und flankierende Kanäle für technische Gespräche eröffnete. Nach Informationen aus Diplomatenkreisen sollen diese Kanäle weiterhin aktiv sein, obwohl Washington das Abkommen politisch für „obsolet“ erklärt hat. Konkrete Zeitpläne für neue Runden wurden bislang nicht veröffentlicht.
Besondere Aufmerksamkeit gilt den Handelsrouten durch den Persischen Golf, die Straße von Hormus und angrenzende Seewege. Sie zählen zu den bedeutendsten Korridoren für den weltweiten Öl- und Flüssiggastransport. Jede Verschärfung der Sicherheitslage kann Frachtraten, Versicherungsprämien und Lieferketten beeinträchtigen. Reedereien hatten bereits in den Vorwochen Routenprüfungen und zusätzliche Schutzmaßnahmen angekündigt.
Aus Sicht westlicher Diplomaten könnte ein begrenzter Rahmen für vertrauensbildende Schritte – etwa Meldemechanismen bei Zwischenfällen auf See – kurzfristig Eskalationsrisiken senken. Zugleich verweisen Beobachter darauf, dass ohne politischen Grundkonsens über Reichweite, Kontrolle und regionale Stellvertreterkonflikte keine belastbare Feuerpause zustande kommt. Ob die von den USA ins Spiel gebrachten Sicherheitsgarantien hierfür ausreichen, bleibt offen.
Quellen
- Franceinfo
- Reuters
- Associated Press
- Le Monde
- Axios