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Alle Artikel · 11.10.2024 08:33

Überseedepartement Martinique im Ausnahmezustand: Was steckt hinter den jüngsten Unruhen?

In den letzten Tagen herrscht auf der Insel Martinique Ausnahmezustand: Der Flughafen wurde geschlossen, ein nächtliches Ausgangsverbot verhängt, Schulen geschlossen und Verhandlungen geführt – doch was genau passiert dort? Bereits im September begann ein...

In den letzten Tagen herrscht auf der Insel Martinique Ausnahmezustand: Der Flughafen wurde geschlossen, ein nächtliches Ausgangsverbot verhängt, Schulen geschlossen und Verhandlungen geführt – doch was genau passiert dort? Bereits im September begann ein Protest gegen die hohe Lebenshaltungskosten, der sich jetzt zuspitzt. Am Donnerstag, den 10. Oktober, erreichten die Unruhen einen neuen Höhepunkt, als Demonstranten den internationalen Flughafen Aimé-Césaire stürmten. Über 1.000 Passagiere mussten in die Nachbarinsel Guadeloupe umgeleitet werden. Was steckt hinter diesen massiven Protesten, und wie ist die aktuelle Lage auf der Insel?

https://twitter.com/la1ere/status/1844347152413360612

Flughafenschließung: Proteste auf der Landebahn

Die Eskalation begann am Donnerstag, als wütende Demonstranten den Flughafen von Fort-de-France, der Hauptstadt Martiniques, stürmten. Die Protestierenden drangen auf das Flughafengelände ein und blockierten sogar die Start- und Landebahn. Dies führte zu einer gewaltsamen Konfrontation mit der Polizei. Die Ursache dieser Aktion lag in der Verbreitung eines Gerüchts: Es hieß, dass bis zu 350 französische Bereitschaftspolizisten (CRS) auf dem Weg zur Insel seien. Um die Lage unter Kontrolle zu bringen, evakuierte die Polizei das Gelände und nahm acht Personen fest. Mehrere Flüge mussten umgeleitet werden, und der Flughafen wurde vorübergehend geschlossen.

Ausgangssperre und Schulschließungen

Seit Montag, dem 7. Oktober, häufen sich die Spannungen auf der Insel. Die Regierung sah sich gezwungen, drastische Maßnahmen zu ergreifen. Ab Donnerstagabend wurde eine Ausgangssperre von 21 Uhr bis 5 Uhr verhängt, um die nächtlichen Ausschreitungen einzudämmen. Zusätzlich verbot die Präfektur Versammlungen ab 18 Uhr. Diese Maßnahmen sollen zunächst bis Montag gelten. Doch nicht nur die Bewegungsfreiheit der Menschen wurde eingeschränkt. Aus Sicherheitsgründen wurden auch die Schulen am Donnerstag und Freitag geschlossen. Niemand weiß genau, wann der Unterricht wieder aufgenommen werden kann – viele Familien sind in Sorge.

https://twitter.com/Prefet972/status/1844480207505457288

Gewalt und Plünderungen

Die nächtlichen Krawalle auf der Insel hinterlassen eine Spur der Verwüstung. Am dramatischsten war die Nacht von Mittwoch auf Donnerstag: Über 30 Polizisten und Gendarmen wurden verletzt, mehr als 500 Autos gingen in Flammen auf, Geschäfte wurden geplündert und zwölf Menschen verhaftet. Besonders betroffen war die Gegend um die Stadt Le Carbet im Norden der Insel. Dort kam es bei der Auflösung einer Straßensperre zu weiteren Auseinandersetzungen. Die Barrikade war Teil einer sogenannten „île morte“-Aktion, einer Blockade durch Aktivisten und Gewerkschaften, die gegen die hohen Lebenshaltungskosten auf der Insel protestieren.

https://twitter.com/20minutesEco/status/1844653686456451304

Der Kampf gegen die Lebenshaltungskosten

Doch was treibt die Menschen auf Martinique dazu, solche extremen Maßnahmen zu ergreifen? Seit Jahren kämpft die Bevölkerung der französischen Überseegebiete gegen die exorbitant hohen Preise für Grundnahrungsmittel und Konsumgüter. Viele Waren, die auf das Festland Frankreichs transportiert werden, kosten in Martinique ein Vielfaches. Die Einwohner fordern Lösungen – konkrete und nachhaltige Maßnahmen, um die Preise zu senken. Bei einer Blockadeaktion im Lamentin, einem wichtigen Verkehrsknotenpunkt der Insel, kam es Anfang der Woche zu brutalen Zusammenstößen zwischen der Polizei und Demonstranten. Die Gewalt, die an diesem Tag von den CRS ausgegangen sein soll, heizte die ohnehin angespannte Lage weiter an.

https://twitter.com/RCI_MQ/status/1844495679827423639

Gesundheitssystem am Limit

Auch das Gesundheitswesen bleibt nicht verschont. Das Universitätskrankenhaus von Martinique sah sich gezwungen, den sogenannten "Plan Blanc" auszulösen – einen Notfallplan, der es ermöglicht, nicht dringende Operationen und Konsultationen zu verschieben. Der Fokus liegt nun auf lebensnotwendigen Eingriffen, insbesondere in der Krebstherapie. Apotheken auf der Insel kämpfen ebenfalls mit Engpässen und sind nicht mehr in der Lage, den Notdienst vollständig aufrechtzuerhalten.

Hoffnungsvolle Verhandlungen?

Die Regierung setzt große Hoffnungen auf die laufenden Verhandlungen. Bei der fünften Gesprächsrunde zwischen Vertretern der Regierung, Gewerkschaften und Aktivisten kam es am Donnerstag zu ersten Fortschritten. Doch die Aktivisten, angeführt von der Bewegung „Rassemblement pour la protection des peuples et des ressources afro-caribéens“ (RPPRAC), bleiben skeptisch. Aus ihrer Sicht wurden bisher keine zufriedenstellenden Ergebnisse erzielt. Die nächste Verhandlungsrunde ist für Freitagnachmittag angesetzt. Beide Seiten sind sich einig: Es braucht einen klaren Plan, der die wachsenden Lebenshaltungskosten spürbar senkt. Doch ob diese Verhandlungen wirklich eine dauerhafte Lösung bieten können, bleibt ungewiss.

Angst vor weiteren Eskalationen

Die Lage auf der Insel ist nach wie vor angespannt. Viele Bewohner fragen sich, ob das Schlimmste noch bevorsteht oder ob sich die Situation endlich beruhigt. Die anhaltenden Krawalle und die Schließung von Schulen, Flughäfen und Krankenhäusern verdeutlichen, wie ernst die Lage ist. Was wird passieren, wenn die Verhandlungen scheitern? Die Menschen auf Martinique haben genug von leeren Versprechungen. Ihre Geduld ist aufgebraucht, und sie fordern rasche, greifbare Ergebnisse.

https://twitter.com/FAMartinique/status/1844558174801518952

Eines steht fest: Die kommenden Tage werden entscheidend sein – sowohl für die Zukunft der Insel als auch für das Vertrauen der Menschen in ihre Regierung. Die Proteste auf Martinique sind nicht nur ein Ausdruck der Wut über die hohe Inflation. Sie sind auch ein Symbol für das tiefe Misstrauen, das viele Menschen gegenüber politischen und wirtschaftlichen Institutionen entwickelt haben.

https://twitter.com/LesInsurges_/status/1844290574847029569

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