Aktuell · 24.06.2026 09:30
Ultrarechte Gruppe in Paris vor Gericht: Waffenhandel und Gewaltpläne
Sieben Männer, darunter zwei Soldaten und ein ehemaliger Polizist, stehen in Paris vor Gericht. Ihnen wird vorgeworfen, Waffen gehandelt und gewalttätige Aktionen geplant zu haben.
Paris – 24.06.2026: In Paris beginnt heute der Prozess gegen sieben Männer, darunter zwei Soldaten und ein ehemaliger Polizist. Den Angeklagten wird vorgeworfen, in einen Waffenhandel verwickelt gewesen zu sein und gewalttätige Aktionen geplant zu haben, die von einer ultrarechten Ideologie inspiriert wurden. Die Anklage umfasst unter anderem den Vorwurf der "Vereinigung von Kriminellen mit terroristischer Absicht".
Die Ermittlungen begannen im Juni 2023, als Gendarmen nahe Chambéry einen jungen Mann namens Hisham L. befragten. Bei der Durchsuchung seines Handys entdeckten sie das vollständige Manifest von Brenton Tarrant, dem Täter des rassistisch motivierten Anschlags in Christchurch, Neuseeland, aus dem Jahr 2019. Außerdem fanden sich Fotos von drei potenziellen Zielen: einem jüdischen Gemeindezentrum, einem politischen Lokal und einem bekannten Pariser Club.
Die weiteren digitalen Ermittlungen führten zu einem Netzwerk von Waffenhändlern mit Verbindungen zur ultrarechten Szene. Ein Soldat namens Emilien K., stationiert in einem Regiment zwischen Tours und Angers, soll Waffen von Jean-Paul C., einem 1965 geborenen ehemaligen Polizisten, bezogen haben. Diese Waffen wurden per Post an Kunden innerhalb der ultrarechten Bewegung verkauft. Bei einer Durchsuchung bei Emilien K. fanden Ermittler eine "Sonnenrad"-Flagge, ein Symbol, das eng mit neonazistischer Ideologie verbunden ist, sowie zahlreiche Waffen und Munition.
Ein weiterer Soldat wird beschuldigt, Granaten bereitgestellt zu haben. In einer Telegram-Gruppe diskutierten einige der Angeklagten über potenzielle Anschlagsziele, darunter auch Moscheen. Der Pariser Staatsanwalt für nationale Antiterrorismuswarnte vor der besonderen Gefahr, die von "radikaler ultrarechter Gewalt" ausgeht.
Unter den Angeklagten befindet sich auch ein Jugendlicher, der ebenfalls wegen der Vereinigung von Kriminellen mit terroristischer Absicht angeklagt ist. Die Mutter des Jugendlichen bestreitet die Vorwürfe und spricht von einer "persönlichen Rache" im Rahmen der Ermittlungen.
Der Prozess rückt die wachsende Bedrohung durch ultrarechte Netzwerke in Frankreich in den Fokus. Der Fall betont die Bemühungen der Behörden, die Aktivitäten solcher Gruppen frühzeitig zu erkennen und zu unterbinden. Seit Jahren beobachten Sicherheitskräfte eine Zunahme rechtsextremistischer Gewalt und sind bestrebt, durch verstärkte Prävention und Aufklärung weitere Gefahren zu verhindern.
Die industriellen Waffenlieferungen und die gezielte Planung von Gewalttaten zeigen, wie organisiert und gefährlich die Szene teilweise agiert. In Frankreich gab es zuletzt mehrere Vorfälle rechtsextremistisch motivierter Gewalt, die die Sicherheitsbehörden unter Druck setzen. Die jetzigen Gerichtsverhandlungen liefern wichtige Erkenntnisse über Strukturen, Akteure und operative Vorgehen dieser Milieus.
Die Ergebnisse dieses Prozesses werden daher mit großer Aufmerksamkeit verfolgt, da das Urteil auch Auswirkungen auf die Bekämpfung extremistischer Gewalt insgesamt haben könnte. Frankreichs Sicherheitsbehörden sehen sich damit weiterhin einer komplexen und vielfältigen Bedrohungslage ausgesetzt, die sie mit allen Mitteln eindämmen wollen.
Quellen
- DNA.fr
- AA.com.tr
- Le Parisien