DIENSTAG, 21. JULI 2026 Anmelden / Beitreten Mitgliedskonto
Zurück

Aktuell · 21.07.2026 21:47

Umweltministerin Barbut kündigt Rücktritt nach Agrargesetz an

Nach der endgültigen Verabschiedung des Agrarnotgesetzes will Frankreichs Umweltministerin Monique Barbut am Mittwoch, 22. Juli, ihren Rücktritt einreichen. Auslöser sind insbesondere die vorgesehenen Ausnahmen für zwei bislang verbotene Pestizide.

Paris – 21.07.2026: Die französische Umweltministerin Monique Barbut will ihren Rücktritt bis zur Ministerratssitzung am Mittwoch, 22. Juli, einreichen. Das teilte ihr Umfeld nach der endgültigen Verabschiedung des Gesetzes zur landwirtschaftlichen Nothilfe mit. Barbut widersetzt sich zentralen Bestimmungen des Textes, vor allem den Regelungen zu Wasserressourcen und Pflanzenschutzmitteln. Ob Staatspräsident Emmanuel Macron das Rücktrittsgesuch annimmt, war am Dienstagabend offen.

Das Parlament beendete das Gesetzgebungsverfahren am Dienstag mit der Zustimmung des Senats zum Kompromisstext des Vermittlungsausschusses. Nach Angaben des Senats hatten zuvor auch die Abgeordneten den Text am Montag, 20. Juli, gebilligt. Im Oberhaus stimmten 214 Senatoren dafür und 111 dagegen. Damit ist das Gesetz parlamentarisch endgültig angenommen; vor seinem Inkrafttreten stehen noch die verfassungsrechtlichen und formellen Schritte an.

Der Entwurf war am 8. April 2026 vom Kabinett eingebracht worden und wurde im beschleunigten Verfahren beraten. Er umfasst nahezu 70 Artikel und verbindet agrarpolitische, wirtschaftliche und umweltrechtliche Fragen. Vorgesehen sind unter anderem vereinfachte Verfahren für landwirtschaftliche Projekte, neue Regeln zum Zugang zu Wasser, Maßnahmen gegen unlauteren Wettbewerb bei Importen sowie Änderungen beim Schutz landwirtschaftlicher Flächen und bei der Abwehr von Übergriffen auf Betriebe.

Zum politischen Konfliktstoff wurde insbesondere eine Bestimmung, die der nationalen Behörde für Gesundheits- und Lebensmittelsicherheit, Anses, unter bestimmten Bedingungen Ausnahmen für Acetamiprid und Flupyradifurone ermöglichen soll. Beide Wirkstoffe sind in der Europäischen Union zugelassen, in Frankreich jedoch bislang verboten. Die Regelung soll einzelnen besonders belasteten Produktionszweigen zugutekommen. Kritiker sehen darin eine Abkehr vom bisherigen französischen Vorsorgeansatz.

Barbut, die aus der Zivilgesellschaft in die Regierung berufen worden war, hatte sich nach Angaben aus ihrem Umfeld gegen diese Öffnung und gegen Teile der Wasserpolitik des Gesetzes gestellt. Ihr angekündigter Schritt legt einen Konflikt innerhalb der Exekutive offen: Landwirtschaftsministerin Annie Genevard verteidigte das Vorhaben als konkrete Entlastung für Betriebe, während die Umweltministerin die Vereinbarkeit einzelner Bestimmungen mit Zielen des Gewässer- und Umweltschutzes bezweifelt.

Die Kontroverse reicht über die Personalfrage hinaus. Das Gesetz verfolgt das politische Ziel, die französische Ernährungssouveränität zu stärken und landwirtschaftliche Investitionen zu erleichtern. Zugleich berührt es den institutionellen Ausgleich zwischen Produktionsinteressen, europäischem Binnenmarkt, wissenschaftlicher Risikobewertung und nationalem Umweltrecht. Gerade die Rolle der Anses wird dabei entscheidend sein: Die Ausnahmen sind nicht als automatische Wiederzulassung ausgestaltet, sondern setzen eine behördliche Prüfung voraus.

Für Premierminister Sebastien Lecornu entsteht damit unmittelbar vor der Ministerratssitzung ein politisches Problem. Ein angenommener Rücktritt würde das Umweltressort in einer Phase hoher Konflikte über Wasserknappheit, Anpassung der Landwirtschaft und Pflanzenschutz neu ordnen. Eine Ablehnung des Gesuchs könnte Barbut hingegen im Amt halten, ohne den grundlegenden Dissens über das Agrargesetz zu beseitigen.

Quellen

  • Senat
  • Nationalversammlung
  • Ministerium für Landwirtschaft
  • AFP via Boursorama

Nachrichten per E-Mail erhalten

Mit dem kostenlosen Mitgliedskonto von France Premium legen Sie fest, welche Hinweise Sie per E-Mail bekommen möchten: sofort bei wichtigen Meldungen oder als ruhige Tageszusammenfassung.

  • News und Tageszeitung nach Ihren Interessen
  • Wetter- und Verkehrshinweise für gewählte Regionen
  • Fußball-Liveereignisse zu ausgewählten Teams
  • Rezepte, Kultur, Veranstaltungen und Premium-Hinweise
Newsletter bestellen

Die Anmeldung ist kostenlos. Sie können Ihre Auswahl jederzeit im Mitgliedskonto ändern oder abbestellen.