Alle Artikel · 13.11.2025 08:27
Verbrechen mit Sprengkraft – Postraub erschüttert Roubaix
Mitten in der morgendlichen Betriebsamkeit, kurz nach halb neun, bebte die Luft in Roubaix. Eine Explosion riss Anwohner aus dem Alltag, Passanten aus ihren Gesprächen, und verwandelte einen gewöhnlichen Novembermorgen in eine Szene wie...
Mitten in der morgendlichen Betriebsamkeit, kurz nach halb neun, bebte die Luft in Roubaix. Eine Explosion riss Anwohner aus dem Alltag, Passanten aus ihren Gesprächen, und verwandelte einen gewöhnlichen Novembermorgen in eine Szene wie aus einem Gangsterfilm. Ziel des Anschlags: ein Geldautomat der französischen Post, La Poste, im Herzen der nordfranzösischen Stadt.
Was sich dort am Mittwochmorgen, dem 12. November, ereignete, lässt auf eine gut geplante und skrupellos durchgeführte Tat schließen. Drei maskierte Männer, in gelben Warnwesten getarnt, näherten sich dem Automaten – scheinbar routiniert, als wären sie Arbeiter. Tatsächlich handelte es sich jedoch um schwerkriminelle Täter, die mit Sprengstoff und Präzision einen der am stärksten gesicherten Außenautomaten aufbrachen – direkt an einer der Hauptverkehrsadern der Stadt.
Eine Minute. Länger dauerte der Überfall nicht.
Zeugen berichten von einem gespenstischen Schauspiel: ein Mann, der noch Sekunden zuvor Geld abhob, stand nur einen Meter entfernt, als die Täter begannen, Zündschnüre zu legen. „Ich dachte, das sind Handwerker“, schildert er. „Sie haben mich gewarnt – ich solle zurücktreten. Dann knallte es.“
Mitten im aufgewirbelten Staub stürmten die drei Männer zu dem zerstörten Automaten, rafften mehrere weiße Säcke zusammen – offenbar gefüllt mit Bargeld – und verschwanden im nächsten Moment mit einem bereitstehenden Fluchtfahrzeug, das direkt auf dem Gehweg wartete. Für die schockierten Augenzeugen blieb nur das Echo der Explosion und die Fassungslosigkeit über die Dreistigkeit des Coups.
Noch ist unklar, wie viel Geld die Täter erbeuteten. Doch die Tatsache, dass der angegriffene Automat speziell für Ein- und Auszahlungen von Geldtransporten konzipiert ist, lässt auf eine erhebliche Summe schließen. Laut Polizei waren die Täter offenkundig mit den Sicherheitsprotokollen der Geldtransporte vertraut – was die Vermutung nahelegt, dass Insiderwissen im Spiel war.
Die Schäden am Gebäude sind enorm. Die Glasfront der Postfiliale – zerschmettert. Die Vitrine eines benachbarten Geschäfts – zerborsten. Und die Wucht der Detonation? Noch im nahegelegenen U-Bahn-Schacht war sie zu spüren. Der Verkehr kam kurzzeitig zum Erliegen. Splitter, Staub, Chaos. Eine Frau erinnert sich: „Wir waren in der Metro, alles vibrierte plötzlich. Dann stand alles still.“
So viel ist klar: Der Angriff war nicht nur ein krimineller Akt – er war ein Angriff auf das Sicherheitsgefühl der Bürgerinnen und Bürger. Mitten im Zentrum einer belebten Stadt, am helllichten Tag, mit brutaler Effizienz durchgeführt. Ohne Rücksicht auf Verluste, ohne Zögern.
Was bleibt, ist die Frage: Wie sicher sind eigentlich noch unsere öffentlichen Orte, wenn selbst Geldautomaten im Zentrum der Stadt in die Luft gejagt werden?
Die Polizei hat umgehend die Ermittlungen aufgenommen. Ob die Täter durch Überwachungskameras identifiziert werden können, ist derzeit unklar. Die Flucht verlief offenbar reibungslos. Es gab keine Verfolgungsjagd, keine Festnahme, keine Verletzten – was zumindest eine gute Nachricht inmitten der Zerstörung ist.
In Roubaix aber bleibt die Wunde offen. Der Knall hallt nach – in den Straßen, in den Köpfen der Anwohner, und in der Angst, dass solche Überfälle kein Einzelfall mehr sind, sondern ein Symptom tiefer liegender Probleme. Von sozialen Spannungen über wachsende Kriminalität bis hin zu immer raffinierteren Tätergruppen, die das Sicherheitsgefühl im öffentlichen Raum Stück für Stück untergraben.
Autor: Daniel Ivers