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Alle Artikel · 12.08.2025 07:30

Verkehrsberuhigung – Frankreichs Streit um illegale Bodenschwellen

Manchmal ist es nur ein Stück Asphalt, das Wellen schlägt.In diesem Fall: wortwörtlich. Frankreich diskutiert seit Juli 2025 über eine brisante Idee der Regierung – die nachträgliche Legalisierung von Tausenden nicht normgerechten Bodenschwellen. Was...

Manchmal ist es nur ein Stück Asphalt, das Wellen schlägt.
In diesem Fall: wortwörtlich.

Frankreich diskutiert seit Juli 2025 über eine brisante Idee der Regierung – die nachträgliche Legalisierung von Tausenden nicht normgerechten Bodenschwellen. Was nach einer technischen Randnotiz klingt, hat sich zu einem handfesten Streit über Recht, Sicherheit und Verantwortung entwickelt.

Die Vorlage aus Paris

Auslöser war eine schriftliche Antwort des Verkehrsministeriums auf eine Anfrage der Abgeordneten Annaïg Le Meur. Darin deutete die Regierung an, dass sie eine pauschale „Regularisierung“ plant: Bodenschwellen, die nicht den geltenden Normen entsprechen, sollen nicht mehr entfernt oder angepasst, sondern gesetzlich legitimiert werden.
Der Grund liegt auf der Hand – oder besser gesagt: beim Geld.

Denn die vollständige Anpassung oder Demontage aller betroffenen Schwellen würde nach Schätzungen zwischen fünf und sieben Milliarden Euro verschlingen. Geld, das Kommunen und Staat offenbar lieber sparen würden.

Empörung auf breiter Front

Bei mehreren Verbänden stieß dieser Plan auf scharfe Kritik. Die Ligue de Défense des Conducteurs etwa spricht von einem „Angriff auf die Sicherheit im Straßenverkehr“ und auf den Rechtsstaat. Auch die Organisation Pour une Mobilité Sereine et Durable (PUMSD) warnt vor den Folgen.

Das Argument: Normwidrige Schwellen sind kein Kavaliersdelikt. Sie führen – gerade bei Motorrädern und Rollern – zu gefährlichen Unfällen, reißen Fahrer aus der Spur oder lassen sie stürzen. Hinzu kommen höhere CO₂-Emissionen, weil Fahrzeuge vor und nach jeder Schwelle bremsen und beschleunigen müssen, sowie dauerhafte Lärmbelastung für Anwohner.

Gesetz anpassen statt einhalten?

Für viele Kritiker ist der heikle Punkt weniger der Asphalt selbst als die politische Methode.
„Statt die eigenen Gesetze zu befolgen, ändert der Staat sie einfach“, heißt es sinngemäß in der französischen Presse. Ein Vorgehen, das nicht nur Juristen die Stirn runzeln lässt. Denn wenn geltendes Recht zur Disposition steht, sobald es unbequem wird – wozu gibt es dann überhaupt Regeln?

Hier geht es längst nicht mehr nur um Straßenbau, sondern um die Grundfrage, ob Rechtsstaatlichkeit flexibel wie Gummi oder fest wie Beton sein sollte.

Gibt es einen Mittelweg?

Die reine Abschaffung aller Bodenschwellen ist in vielen Kommunen kaum vorstellbar – zu sehr schätzt man sie als Tempobremse vor Schulen, Spielplätzen oder in Wohnvierteln. Doch Alternativen existieren:
Moderne Radaranlagen, die Temposünder nicht bestrafen, sondern ermahnen. Straßengestaltungen, die das Fahren mit angepasster Geschwindigkeit intuitiv fördern. Oder sogenannte „Plateaux traversants“ – sanft ansteigende Querungen, die bremsen, ohne zu rütteln.

Diese Lösungen kosten ebenfalls Geld, doch sie könnten das Dilemma zwischen Sicherheit, Komfort und Kassenlage entschärfen.

Mehr als nur Asphalt

Man könnte sagen: Hier wird nicht nur über Straßenoberflächen gestritten, sondern über die Fundamente des Vertrauens zwischen Bürgern und Staat. Eine nachträgliche Legalisierung mag kurzfristig Milliarden einsparen – langfristig könnte sie jedoch teurer werden, wenn sie das Gefühl verstärkt, dass Regeln nur für die gelten, die sie nicht machen.

Die Welle, die dieser Streit geschlagen hat, dürfte so schnell nicht abebben. Ob der Asphalt am Ende plan oder holprig bleibt – das wird nicht nur auf den Straßen, sondern auch im Parlament entschieden.

Autor: Andreas M. Brucker

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