Alle Artikel · 03.04.2025 09:18
Verlustgeschäft mit Ansage: Französische Winzer schlagen Alarm wegen US-Zöllen
Was wie ein Déjà-vu klingt, ist für Frankreichs Weinbauern ein bitterer Rückschlag – und ein handfester wirtschaftlicher Albtraum. 20 Prozent Zoll – und ein Milliardenverlust Mit einem Federstrich hat der ehemalige US-Präsident Donald Trump...
Was wie ein Déjà-vu klingt, ist für Frankreichs Weinbauern ein bitterer Rückschlag – und ein handfester wirtschaftlicher Albtraum.
20 Prozent Zoll – und ein Milliardenverlust
Mit einem Federstrich hat der ehemalige US-Präsident Donald Trump erneut hohe Strafzölle auf Produkte aus der Europäischen Union verhängt. Diesmal trifft es unter anderem die französischen Weine mit voller Wucht: Ein Einfuhrzoll von 20 Prozent soll künftig auf sämtliche EU-Weine erhoben werden. Die Branche ist empört – und in großer Sorge.
Jérôme Bauer, Winzer aus dem Elsass und Präsident der Confédération nationale des producteurs de vins à appellations d'origine contrôlées (CNAOC), beziffert die erwarteten Verluste auf rund eine Milliarde Euro. Eine gewaltige Summe, die man nicht einfach wegstecken kann. Vor allem, weil der amerikanische Markt einer der wichtigsten für französische Weine ist.
Erinnerungen an alte Wunden
Bauer weiß genau, wovon er spricht – denn das ist nicht das erste Mal, dass Trump den französischen Weinbauern einen wirtschaftlichen Tiefschlag verpasst. Bereits während seiner ersten Amtszeit hatte der US-Präsident im Zuge des Boeing-Airbus-Handelsstreits Strafzölle von 25 Prozent auf französische Weine (mit Ausnahme von Champagner) eingeführt. Damals büßte die Branche über 500 Millionen Euro ein. Nun droht sogar das Doppelte.
„Der Albtraum beginnt von vorne“, sagt Bauer. Und diesmal sei die Lage noch kritischer: „Die wirtschaftliche Situation unserer Weinbaubetriebe ist ohnehin angespannt. Jetzt kommt dieser Schlag zur Unzeit.“
„Uns bleibt die Luft weg“
Die Reaktion aus der Branche ist eindeutig – Entsetzen und Fassungslosigkeit. „20 Prozent sind schlichtweg nicht tragbar“, so Bauer. Die betroffenen Betriebe stehen laut ihm ohnehin unter Druck: gestiegene Produktionskosten, klimatische Herausforderungen, ein zähes internationales Marktumfeld. „Diese Steuer ist wie einSchlag mit einem nassen Lappen ins Gesicht.“
Was also tun? Bauer und seine Kollegen stehen nicht untätig da. Bereits am nächsten Morgen wolle er sich mit anderen Vertretern der Branche beraten. Und auch auf europäischer Ebene soll gehandelt werden – im interparlamentarischen Ausschuss für Weinbau im EU-Parlament soll der Konflikt mit den USA ganz oben auf der Tagesordnung stehen.
Mehr als nur Wein – es geht um Identität
Frankreichs Weine sind nicht nur ein Exportschlager, sie sind Kulturgut, Identitätsstifter und ein wirtschaftliches Rückgrat ganzer Regionen. Vom Bordelais bis ins Burgund, von der Loire bis ins Languedoc – überall lebt man vom und mit dem Wein. Zigtausende Arbeitsplätze hängen daran – im Anbau, in der Verarbeitung, im Vertrieb.
Und genau hier liegt das Problem: Die Strafzölle könnten zu Entlassungen, Betriebsaufgaben und langfristigen Schäden in der Infrastruktur führen. Schon jetzt kämpfen viele kleinere Winzer ums Überleben – „noch ein solcher Schlag, und für viele ist Schluss“, so Bauer.
Politik im Zwielicht
Doch es ist nicht nur der wirtschaftliche Aspekt, der bei den französischen Weinbauern für Frust sorgt. Bauer zeigt sich besonders entsetzt über die Tonlage, mit der Trump über Europa spricht. „Dieser Mann tritt mit Worten um sich, die uns tief treffen“, sagt er – und man hört ihm die Betroffenheit an.
Natürlich – Strafzölle sind Teil der internationalen Wirtschaftspolitik. Doch gerade in einem so sensiblen Bereich wie dem Wein, wo jahrhundertealte Traditionen auf moderne Exportmechanismen treffen, wirkt ein solches Vorgehen wie ein Vorschlaghammer auf Porzellan.
Was jetzt?
Könnte Europa mit Gegenzöllen antworten? Wird die französische Regierung eingreifen? Und wie reagieren andere große Weinländer der EU wie Italien oder Spanien?
Die nächsten Wochen dürften spannend – und entscheidend – werden. Der Ball liegt jetzt auch bei der Politik. Klar ist: Die französischen Winzer werden sich nicht kampflos geschlagen geben.
Und ganz ehrlich – wer könnte es ihnen verdenken?
Von Andreas M. Brucker