Alle Artikel · 14.08.2025 10:50
Vier Männer tot in der Seine – rätselhafter Fund in Choisy-le-Roi
Es ist eine Szene, wie sie selbst erfahrene Einsatzkräfte nicht alle Tage erleben.Mitten in der Mittagshitze, zwischen vorbeirauschenden Zügen und gemächlich dahingleitendem Wasser, macht ein Passagier des RER C am Mittwoch eine erschütternde Entdeckung:...
Es ist eine Szene, wie sie selbst erfahrene Einsatzkräfte nicht alle Tage erleben.
Mitten in der Mittagshitze, zwischen vorbeirauschenden Zügen und gemächlich dahingleitendem Wasser, macht ein Passagier des RER C am Mittwoch eine erschütternde Entdeckung: ein menschlicher Körper treibt in der Seine.
Der Mann ruft sofort die Rettungskräfte. Die Brigade fluviale, die Pariser Flusspolizei, rückt an. Doch die Bergung dieses einen Leichnams ist erst der Anfang einer unheimlichen Kette.
Nur wenige Minuten später tauchen im trüben Wasser drei weitere Körper auf – jeder mehrere Dutzend Meter vom nächsten entfernt.
Vier Tote. Vier Männer. Alle erwachsen, bekleidet, offenbar seit Tagen im Wasser.
Ermittler vor einem Rätsel
Die Ermittler des Kommissariats in Choisy-le-Roi stehen vor einer Aufgabe, die bisher mehr Fragen aufwirft, als sie Antworten liefert.
Spuren eines Verbrechens am Fundort? Fehlanzeige.
Bekannte Verbindung zwischen den Toten? Bislang keine.
Das bestätigt auch die Staatsanwaltschaft von Créteil. Die spezielle Strömungssituation der Seine an dieser Stelle könnte erklären, warum mehrere Körper gleichzeitig in demselben Abschnitt angespült wurden. Doch ob das tatsächlich der Fall ist, werden erst weitere Untersuchungen zeigen.
Der Weg zur Wahrheit führt über das Institut médico-légal
Die vier Leichname sind inzwischen in das Pariser Institut médico-légal überführt worden. Dort steht die Identifizierung ganz oben auf der Liste – keine leichte Aufgabe, wenn es keine direkten Hinweise auf Namen, Herkunft oder Angehörige gibt.
Parallel laufen die Vorbereitungen für die Autopsien. Sie sollen klären, ob die Männer ertrunken sind, verletzt wurden oder vielleicht andere Ursachen zum Tod führten.
Die Gerichtsmediziner werden hier wie Detektive arbeiten: jede Verletzung, jeder Wasserrest in der Lunge, jede Faser an der Kleidung kann Hinweise geben.
Keine voreiligen Schlüsse
Die Versuchung ist groß, in solchen Fällen sofort an ein Drama mit kriminellem Hintergrund zu denken. Doch wer die Seine kennt, weiß: Der Fluss ist ebenso Lebensader wie Gefahrenzone.
Strömungen, Schleusen, Brückenpfeiler – all das kann Menschen, die ins Wasser geraten, kilometerweit treiben lassen, manchmal ohne, dass ihr Schicksal sofort bemerkt wird.
Und dennoch bleibt das Bild von vier Männern, die in kurzen Abständen aus dem Wasser geholt werden, bedrückend.
Die offene Frage
Sind diese Männer zufällig Opfer einzelner, voneinander unabhängiger Unglücke geworden – oder steckt hinter der Serie eine gemeinsame Geschichte?
Bis zur Veröffentlichung der Obduktionsergebnisse bleibt das offen.
Bis dahin sucht die Polizei nach Vermisstenmeldungen, die zu den Toten passen könnten, und nach Hinweisen von Passanten oder Anwohnern, die in den vergangenen Tagen Ungewöhnliches bemerkt haben.
Eines steht fest: Der Fluss hat sein Geheimnis noch nicht preisgegeben.
Und manchmal dauert es, bis das Wasser spricht.
Autor: C.H.