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Alle Artikel · 04.09.2025 10:09

Vom Olympischen Dorf zum Studentenviertel – wie Paris ein neues Kapitel schreibt

Noch vor einem Jahr hörte man hier die Nationalhymnen der Welt, heute klappern Rollkoffer über frisch gepflasterte Wege. Das Olympische Dorf von Paris 2024, einst Zuhause für Sportlegenden, ist zum Alltag zurückgekehrt – und...

Noch vor einem Jahr hörte man hier die Nationalhymnen der Welt, heute klappern Rollkoffer über frisch gepflasterte Wege. Das Olympische Dorf von Paris 2024, einst Zuhause für Sportlegenden, ist zum Alltag zurückgekehrt – und dieser Alltag gehört nun den Studierenden.

Ein symbolischer Wechsel, fast poetisch: Wo Rekorde gebrochen wurden, beginnt jetzt der Kampf mit Seminararbeiten, Prüfungsstress und WG-Küchenplänen.

Von Anfang an als Dauerlösung gedacht

Die Macher der Spiele hatten nie vor, das Olympische Dorf nach der Schlussfeier einfach leer stehen zu lassen. Schon in der Planungsphase war klar: Diese Bauten sollten ein zweites Leben bekommen.

Über 1.600 Wohnungen sind inzwischen für Studierende vorgesehen, verteilt zwischen dem Hauptdorf in Saint-Denis und dem Mediendorf in Dugny. Dass der Umbau so schnell ging, liegt daran, dass vieles schon für diesen Zweck mitgedacht war – die Athletenzimmer wurden lediglich angepasst, nicht neu erfunden. Ein pragmatischer Ansatz, der Monate an Bauzeit gespart hat.

Plot 12 – ein Vorzeigehaus für junges Wohnen

Ein Gebäude sticht heraus: die Residenz „Plot 12“. Sie steht prominent an der Ecke Mail Finot und Rue Ampère, sieben Stockwerke hoch, komplett in Holzbauweise. 148 Einheiten für Studierende, die nicht nur praktisch, sondern auch ökologisch sind.

Die Fassade aus Holzrahmen, die Zertifikate mit klingenden Kürzeln – BBCA, HQE, E3 C2, Biodivercity – zeigen, dass hier mehr als nur Zweckbau entstanden ist. Drinnen: helle Räume, Balkone, Gemeinschaftsterrassen. Orte, an denen aus Fremden Nachbarn werden.

Ein grünes Quartier mit Anschluss

Doch das Dorf bietet mehr als vier Wände. Mit 9.000 neu gepflanzten Bäumen, begrünten Dächern und einem hohen Anteil an nachwachsenden Baustoffen ist das Viertel als ökologisches Modellviertel konzipiert.

Auch die Mobilität wurde nicht vergessen. Die künftige Superstation Saint-Denis Pleyel liegt gleich um die Ecke – ein Verkehrsknotenpunkt mit vier automatischen Metrolinien. Für Studierende, die zwischen Hörsaal, Praktikum und Freizeit pendeln, könnte das kaum besser sein.

Zwischen Euphorie und Skepsis

Nicht alle sind jedoch begeistert. Manche Bewohner von Saint-Denis befürchten, dass mit dem olympischen Erbe auch die Gentrifizierung Einzug hält. Steigende Mieten, veränderte Nachbarschaften – Sorgen, die man in vielen Metropolen kennt.

Die Stadt betont dagegen, dass Mieten reguliert werden und ein Teil der Neubauwohnungen bewusst erschwinglich bleibt. Die große Frage bleibt trotzdem: Schafft man es wirklich, die soziale Mischung zu bewahren? Oder wird der olympische Glanz langfristig doch zum Treiber für Verdrängung?

Mehr als nur Wohnen – ein Vermächtnis

Trotz der Debatten zeigt sich hier ein bemerkenswertes Experiment. Paris hat den oft kritisierten „weißen Elefanten“ nach den Spielen – teure, leere Bauten – bewusst vermieden.

Die jungen Bewohnerinnen und Bewohner erhalten moderne, nachhaltige Unterkünfte in einer Region, in der Wohnraum für Studierende rar und teuer ist. Gleichzeitig wächst ein Viertel heran, das Sportgeschichte in seinen Mauern trägt.

Man könnte sagen: Aus einem temporären Olymp, geschaffen für zwei Wochen Wettkampf, wurde ein dauerhaftes Stück Stadt. Ein Ort, an dem nicht mehr um Medaillen, sondern um Lebensentwürfe gekämpft wird.

Autor: Andreas M. B.

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