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À la une · 26.05.2025 07:11

War das wirklich eine Ohrfeige? Brigitte Macrons „Geste“ sorgt für Wirbel

Was genau ist da in Hanoi passiert? Kaum war das französische Präsidentenpaar Emmanuel und Brigitte Macron am Sonntagabend auf dem Flughafen der vietnamesischen Hauptstadt angekommen, landete ein Video ihres Auftritts in den sozialen Netzwerken...

Was genau ist da in Hanoi passiert? Kaum war das französische Präsidentenpaar Emmanuel und Brigitte Macron am Sonntagabend auf dem Flughafen der vietnamesischen Hauptstadt angekommen, landete ein Video ihres Auftritts in den sozialen Netzwerken – und sorgte dort für ordentlich Gesprächsstoff. Der Grund? Ein unerwarteter Moment, in dem Emmanuel Macron plötzlich einen Schritt zurückweicht, nachdem Brigitte ihren Arm in seine Richtung bewegt. Für viele Nutzer sah das wie eine Ohrfeige aus. Doch war es wirklich eine?

Auftritt mit Nachgeschmack

Das besagte Video zeigt kein offizielles Protokoll, sondern eine entspannte, fast schon private Szene: das Präsidentenpaar beim Smalltalk, ein Lachen hier, ein kurzer Blickwechsel dort. Plötzlich ein angedeuteter Schlag – und Macron weicht zurück. In Zeitlupe analysiert und kommentiert, brodelt die Gerüchteküche. Einige sind schockiert, andere amüsiert. Das Internet tut, was es am besten kann: aus einer Geste ein Spektakel machen.

„Chamaillerie“ oder Skandal?

Die Reaktion des Élysée ließ nicht lange auf sich warten. Die Szene sei „eine Neckerei“, ein entspannter Moment zwischen den Eheleuten, hieß es. Keine Ohrfeige, kein Affront. Einfach ein Moment der Lockerheit nach einem langen Reisetag. Man wollte die Wogen glätten – und das möglichst schnell. Doch die Debatte hatte da bereits Fahrt aufgenommen. Die einen sprechen von einem Tabubruch, andere verteidigen Brigitte Macron mit Verweis auf die übertriebene Interpretation des Clips.

Was darf ein Präsidentenpaar?

Einmal mehr zeigt sich: Das Leben als prominente Persönlichkeit – besonders in der Politik – ist ein ständiger Drahtseilakt. Jedes Lächeln, jede Bewegung, jeder Satz wird auf die Goldwaage gelegt. Dabei sind Emmanuel und Brigitte Macron bekannt für ihre besondere Beziehung. Ihre Nähe, ihre Interaktionen – sie wirken oft fast wie ein eingespieltes Theaterstück. Doch auch das beste Bühnenstück kennt Momente, in denen das Publikum zu viel hineinliest.

Die Frage ist: Wollen wir das? Müssen wir jeden Sekundenbruchteil filmen, analysieren, interpretieren? Oder dürfen Politiker auch einfach mal Mensch sein?

Zwischen Öffentlichkeit und Privatleben

Was in Hanoi geschah, war kein offizieller Staatsakt. Kein historischer Handschlag, keine diplomatische Geste. Es war ein Moment des Ankommens – wortwörtlich und sinnbildlich. Die Macrons hatten gerade eine lange Reise hinter sich. Müdigkeit, Stress, Erleichterung – all das kann sich in Körpersprache äußern. Und ein kurzer, möglicherweise spaßhafter Klaps – das ist eben manchmal nur das: ein Klaps.

In einer Welt, in der Bilder mehr zählen als Worte, geraten genau solche Situationen ins Zentrum der Aufmerksamkeit. Doch sollte man nicht auch ein Mindestmaß an Diskretion und Privatsphäre respektieren? Immerhin war niemand wirklich „Opfer“ dieses Moments – außer vielleicht die Wahrheit selbst.

https://twitter.com/BeingsObserver/status/1926793016926175390

Warum dieses Video viel über uns verrät

Dass aus einem kurzen Clip ein landesweites Gesprächsthema wird, sagt weniger über Brigitte und Emmanuel Macron aus als über uns selbst. Es zeigt, wie begierig wir auf Zwischenmenschliches im Hochglanzformat sind. Wie schnell wir urteilen, wie oft wir Emotionen in Pixeln lesen wollen. Vielleicht hätten wir uns weniger über eine vermeintliche Ohrfeige und mehr über das politische Ziel des Besuchs in Vietnam informieren sollen.

Aber so funktioniert eben die moderne Aufmerksamkeitsökonomie: Das Private wird politisch, das Persönliche öffentlich. Und irgendwo zwischen Hashtags und Headlines geht manchmal das Wesentliche verloren.

Wer hat nun recht? Die Kritiker oder das Élysée? Vielleicht beide – oder keiner. Manchmal ist eine Geste eben nur eine Geste. Und manchmal brauchen wir einfach eine Geschichte, um über etwas zu reden.

Von Andreas M. Brucker

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