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Alle Artikel · 05.11.2025 10:57

Weihnachtsgeld nur für Eltern? Frankreich plant Kurswechsel bei der Prime de Noël

Eine kleine Summe mit großer Symbolkraft steht auf der Kippe. Die sogenannte Prime de Noël – eine Weihnachtsprämie für Bedürftige – soll nach dem Willen der französischen Regierung künftig nicht mehr an Haushalte ohne...

Eine kleine Summe mit großer Symbolkraft steht auf der Kippe. Die sogenannte Prime de Noël – eine Weihnachtsprämie für Bedürftige – soll nach dem Willen der französischen Regierung künftig nicht mehr an Haushalte ohne Kinder gezahlt werden. Der Vorstoß sorgt für Empörung – nicht nur bei den Betroffenen.

Es ist ein Vorweihnachtsklassiker im französischen Sozialstaat: Einmal im Dezember bekommen Empfängerinnen und Empfänger von Sozialleistungen wie dem RSA oder bestimmte Arbeitslose einen finanziellen Zuschuss, um die Feiertage besser überstehen zu können. 152 Euro für Alleinstehende, 228 Euro für kinderlose Paare – gestaffelt je nach Familiengröße. Keine große Summe, aber für viele eine große Hilfe.

Doch nun will Arbeitsminister Jean-Pierre Farandou genau hier den Rotstift ansetzen. Haushalte ohne Kinder könnten ab kommendem Jahr aus dem Empfängerkreis vollständig herausfallen. Die Begründung: Frankreich könne sich nicht länger eine Politik „maximaler Großzügigkeit“ leisten. Die Sozialleistungen müssten zielgerichteter eingesetzt werden.

Der Satz fiel fast beiläufig, doch die Wirkung ist gewaltig. Denn es geht nicht nur um Einsparungen im zweistelligen Millionenbereich – sondern um ein politisches Signal: Der Staat zieht sich weiter zurück, wo die Bedürftigkeit am spürbarsten ist. Wer keine Kinder hat, soll weniger bekommen.

Für viele ist diese Perspektive ein Affront. Ein ehemaliger Soldat, heute Empfänger von Sozialhilfe, bringt es auf den Punkt: „Für Leute wie mich ist das wie der 13. Monatslohn. Ohne den wird der Dezember hart.“ Es ist keine fiktive Härte – sondern ganz reale Not.

In der Nationalversammlung schlägt die Opposition Alarm. Von den Sozialisten bis zu La France Insoumise ist die Rede von Ungerechtigkeit, sozialer Kälte, politischem Zynismus. Ein Abgeordneter rechnet vor: Was hier eingespart würde, entspreche gerade einmal dem, was Frankreich in einer Woche durch den Wegfall der Vermögenssteuer verliert. Die Botschaft: Man spart bei denen, die ohnehin kaum etwas haben.

Selbst innerhalb der Regierungsmehrheit regt sich Unbehagen. Der Staatshaushalt sei nicht nur ein Rechenwerk, heißt es, sondern Ausdruck eines politischen Kurses. Und dieser Kurs dürfe nicht den Eindruck erwecken, als wäge man Bedürftige gegeneinander ab.

Denn genau das passiert jetzt. Wer arm ist, aber kinderlos, fällt durchs Raster. Wer arm ist und Kinder hat, wird weiter unterstützt. Was auf dem Papier wie „gezielte Hilfe“ aussieht, könnte sich in der Praxis als soziale Spaltung entpuppen. Als ein „nur die richtigen Armen verdienen Unterstützung“.

Dabei ist die Prime de Noël weit mehr als eine finanzielle Zuwendung. Sie ist eine Geste. Ein Zeichen, dass der Staat seine Schwächsten nicht vergisst – gerade zu Weihnachten, wenn die Ungleichheit zwischen denjenigen, die schenken können, und jenen, die nicht einmal heizen können, besonders sichtbar wird.

Doch diese symbolische Kraft droht zu verblassen. Der Diskurs hat sich verschoben. Wo früher von Solidarität gesprochen wurde, ist jetzt von Haushaltsdisziplin die Rede. Wo man einst großzügig sein wollte, regiert heute die Angst vor Defiziten.

Natürlich: Die Staatskasse ist begrenzt. Natürlich: Nicht jede Hilfe ist effizient. Aber muss ausgerechnet hier, bei den ohnehin schon Ausgegrenzten, angesetzt werden?

Die endgültige Entscheidung steht noch aus. Im Parlament wird das Budget 2026 heiß diskutiert – und es ist offen, ob die Maßnahme tatsächlich Gesetz wird. Doch schon jetzt zeigt die Debatte, wie fragil die Balance zwischen sozialer Verantwortung und fiskalischem Kalkül geworden ist.

Was bleibt, ist ein bitterer Beigeschmack. Nicht, weil der Staat spart – sondern weil er offenbar bereit ist, symbolische Brücken einzureißen, um ein paar Millionen Euro zusammenzukratzen.

Die Prime de Noël – einst Zeichen des Zusammenhalts – droht zum Sparopfer zu werden. Und mit ihr die Vorstellung, dass soziale Hilfe nicht nur an Bedürftigkeit, sondern auch an Menschlichkeit gemessen werden sollte.

Von C. Hatty

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