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Aktuell · 04.07.2026 11:24

Welche Neustarts lohnen sich? Drei Stimmen aus dem Kino vom 1. Juli 2026

Die Neustarts dieser Woche setzen auf Vielfalt: poetische Animation, eine weit ausgreifende Familienchronik aus Ägypten und ein persönlicher Dokumentarfilm. Eine orientierende Kritik mit Blick auf Form, Thema und Publikum.

Paris – 04.07.2026: Der Kinomittwoch vom 1. Juli bringt drei sehr unterschiedliche Arbeiten auf die französischen Leinwände. Gemeinsam ist ihnen der Wunsch, persönliche Geschichten über prägnante Formen zu erzählen: In Waves als poetische Animation, Notre histoire – Chroniques du Caire als historisch fundierte Familienchronik und André Is an Idiot als intime, selbstreflexive Doku.

In Waves von Phuong Mai Nguyen adaptiert eine Graphic Novel über Liebe, Verlust und das Nachhallen von Erinnerungen. Der Film vertraut auf eine zarte, texturreiche Animation, die mit Licht, Körnung und Farbübergängen arbeitet, um Erinnerungsschichten sichtbar zu machen. Die Stimmen, darunter Lyna Khoudri, geben den Figuren leise Dringlichkeit; die Musik hält den Ton zwischen Melancholie und Trost. Kritiken loben die stimmige Form und den emotionalen Nachklang, vermerken aber, dass das behutsame Tempo Geduld verlangt. Für Zuschauerinnen und Zuschauer, die visuelles Feingefühl und atmosphärische Erzähllogik schätzen, ist es ein klarer Tipp.

Notre histoire – Chroniques du Caire von A. B. Shawky entfaltet über rund drei Jahrzehnte, wie sich private Biografien und ägyptische Zeitläufte verschränken. Mit Amir El-Masry und Valerie Pachner prominent besetzt, setzt der Film auf dicht gebaute Szenen, die politische Zäsuren – vom Alltagsleben bis zu gesellschaftlichen Spannungen – durch familiäre Konflikte spiegeln. Das Ergebnis ist erzählerisch reich, mit sorgfältiger Ausstattung und großformatigen Tableaus. Manchmal wirkt die Fülle an Motiven überbordend, doch wer großes, klassisches Erzählkino sucht, findet hier verlässliche Anknüpfungspunkte.

Anthony Bennas André Is an Idiot wählt konsequent die Nähe: eine beobachtende Kamera, persönliche Gespräche, Momente der Ironie neben der Schwere von Krankheit und Trauer. Protagonist André Ricciardi erscheint als ambivalente Figur, deren Ungelenkheit ebenso komisch wie schmerzlich sein kann. Der Film meidet glatte Antworten und setzt auf Zuhören, wodurch seine Direktheit wirkt – auch wenn er klar im Arthouse-Segment bleibt.

An der Kinokasse deuten frühe Meldungen auf unterschiedliche Reichweiten: In Waves punktet bei Festivalpublikum und Feuilleton, Notre histoire erreicht Freunde des historischen Dramas mit größerem Bogen, während André Is an Idiot in kleinerem Rahmen Resonanz durch Authentizität gewinnt. Für die Wahl am Wochenende gilt daher: Wer poetische Bildwelten bevorzugt, ist bei In Waves gut aufgehoben; wer epische Generationenerzählungen mag, wählt Notre histoire; wer dokumentarische Unmittelbarkeit sucht, findet sie bei André Is an Idiot. So unterschiedlich die Zugänge sind – sie zeigen, wie vielfältig das Sommerprogramm das Kino als Erfahrungsraum behauptet.

Quellen

  • franceinfo
  • AlloCiné
  • Télérama
  • Premiere

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