Alle Artikel · 17.04.2025 06:44
Welthandel in der Klemme: Warum die WTO ihre Prognose für 2025 senkt
Die Weltwirtschaft steht vor einer neuen Zäsur – und der Welthandel mittendrin. Die Welthandelsorganisation (WTO) hat kürzlich ihre Prognosen für das Jahr 2025 deutlich nach unten korrigiert. Gründe gibt es viele, doch ein Name...
Die Weltwirtschaft steht vor einer neuen Zäsur – und der Welthandel mittendrin. Die Welthandelsorganisation (WTO) hat kürzlich ihre Prognosen für das Jahr 2025 deutlich nach unten korrigiert. Gründe gibt es viele, doch ein Name fällt dabei immer wieder: Donald Trump und die USA. Genauer gesagt – die unberechenbare Handelspolitik.
Vom Optimismus zur Ernüchterung
Noch vor Kurzem war die WTO vorsichtig optimistisch: Für 2023 rechnete sie zunächst mit einem Wachstum des Welthandels von 1,7 Prozent. Dann wurde es auf 0,8 Prozent reduziert. Und am Ende? Schrumpfte der Handel um 1,2 Prozent – eine herbe Enttäuschung. In Geld ausgedrückt bedeutet das: ein Rückgang von fünf Prozent auf 24.010 Milliarden Dollar.
Vincent Vicard, Ökonom am CEPII, bringt es auf den Punkt: „Das ist ein massiver Rückgang – aber vor allem war und ist da eine riesige Unsicherheit gegenüber den USA.“
Ursachen für den weltweiten Handelsrückgang
Es war nicht nur die Inflation. Auch der Rückgang des globalen BIP, geopolitische Konflikte und logistische Probleme – etwa die Krise am Roten Meer – trugen ihren Teil bei. Durch Angriffe auf Frachtschiffe und die daraus resultierende Umgehung des Suezkanals hat sich der dortige Warenverkehr um satte 72 Prozent reduziert. Besonders Europa und die USA verzeichneten rückläufige Handelszahlen, während der Handel in Asien stagnierte. Einzige Ausnahme: ölreiche Staaten, die vom Energiehunger der Welt profitierten.
Doch trotz aller Widrigkeiten sieht die WTO einen Hoffnungsschimmer: 2024 soll sich der Handel um 2,6 Prozent erholt haben, 2025 sollen es sogar 3,3 Prozent werden. Optimismus – mit angezogener Handbremse.
Die USA als Risikofaktor
Ein bedeutender Unsicherheitsfaktor bleibt jedoch die künftige US-Handelspolitik – insbesondere, falls Donald Trump seine unberechenbaren Entscheidungen fortführt. Seine Pläne lesen sich wie ein Handbuch für den Protektionismus: Zölle von über 100 Prozent auf chinesische Waren, zwischen 10 und 20 Prozent auf andere Importe. Und das alles unter dem Deckmantel der „Zoll-Reziprozität“.
Robert Lighthizer, einer der mächtigsten Berater Trumps, unterstützt diesen Kurs. Das Ziel: Handelsüberschüsse „bestrafen“ – besonders aus Ländern wie Deutschland oder Mexiko.
Was wie ein nationaler Wirtschaftsschutz aussieht, könnte jedoch internationale Handelsbeziehungen ins Chaos stürzen. Vor allem Entwicklungsländer und besonders auf Export angewiesene Staaten der EU werden unter diesen Maßnahmen erheblich leiden.
Handelskrieg reloaded?
Die Vorstellung einer Rückkehr zu großflächigen Handelskonflikten ist alles andere als abwegig. Schon unter Trumps erster Amtszeit gab es Zölle auf Stahl, Aluminium und chinesische Technologieprodukte. Die WTO sieht die Gefahr, dass sich diese Fragmentierung der globalen Handelsordnung vertieft – mit fatalen Folgen. Und die neuesten Entwicklungen in Washington befeuern die dramatischsten Befürchtungen.
Besonders ärgerlich: Länder, die gerade erst in den Weltmarkt integriert wurden und stark auf Exporte angewiesen sind, könnten durch neue Barrieren ausgebremst werden. So könnte die Globalisierung – einst Hoffnungsträger für Wohlstand und Entwicklung – selbst zur Hürde werden.
Was jetzt zählt: Stabilität durch Zusammenarbeit
Die WTO setzt weiterhin auf robuste Lieferketten und ein stabiles multilaterales Handelssystem. Nur so könne eine nachhaltige wirtschaftliche Erholung gelingen. Doch in einer Welt, die sich immer mehr in Blöcke aufteilt, wird genau das zur Mammutaufgabe.
Der Appell ist eindeutig: Länder müssen sich wieder auf gemeinsame Regeln einigen. Handelsabkommen, diplomatische Gesprächskanäle, Koalitionen – sie alle sind entscheidend, um den globalen Handel vor weiterer Zersplitterung zu bewahren.
Ein Drahtseilakt zwischen Hoffnung und Realität
Die gesenkten WTO-Prognosen sind mehr als bloße Zahlen – sie sind ein Spiegel einer Welt im Wandel. Geopolitik, Nationalismus und wirtschaftliche Unsicherheit prägen zunehmend das Geschehen. Und mittendrin: ein Handelssystem, das sich neu erfinden muss, ohne seine Grundprinzipien zu verlieren.
Die kommenden Monate werden zeigen, ob Vernunft oder Abschottung die Oberhand gewinnt. Klar ist: Der Welthandel braucht dringend ein Comeback – und zwar eines, das alle mitnimmt.
Autor: Andreas M. B.