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Frankreich · 27.05.2026 07:23

Wenn ein Dorf nach Rosen duftet: La Colle-sur-Loup feiert seine „Rose de Mai“

Es gibt Orte in der Provence, die nach Lavendel riechen. Andere nach Pinien, Meer oder warmem Stein. Und dann gibt es La Colle-sur-Loup – ein Dorf unweit von Grasse, das im Mai nach Rosen...

Es gibt Orte in der Provence, die nach Lavendel riechen. Andere nach Pinien, Meer oder warmem Stein. Und dann gibt es La Colle-sur-Loup – ein Dorf unweit von Grasse, das im Mai nach Rosen duftet.

Nicht nach irgendeiner Rose. Sondern nach der Centifolia, jener legendären „Rose de Mai“, deren Blütenblätter seit Jahrhunderten in den großen Parfüms Südfrankreichs landen. Wer Mitte Mai durch die kleinen Gassen des Dorfes schlenderte, verstand sofort, weshalb diese Blume hier fast so etwas wie eine Schutzpatronin ist.

Am 17. Mai 2026 feierte die Gemeinde ihre Veranstaltung „Autour de la Rose – Floraison artistique“. Ein Fest zwischen Erinnerung, Handwerk und Kunst, das den Dorfkern für einen Tag in ein duftendes Freiluftatelier verwandelte. Überall Rosenstände, florale Installationen, Musik, lokale Produkte und Menschen, die sich zwischen alten Steinfassaden treiben ließen. Kein überinszeniertes Touristenprogramm, eher eine liebevolle Rückkehr zu den eigenen Wurzeln.

Denn La Colle-sur-Loup war einst eine Hochburg des Rosenanbaus.

Frühmorgens zogen Frauen und Familien auf die Felder, um die empfindlichen Blüten zu pflücken, bevor die Sonne ihren Duft veränderte. Die Arbeit galt als mühsam, beinahe meditativ. Körbe voller Rosen wanderten anschließend in die Kooperative des Dorfes, die bereits 1908 gegründet wurde. Dort wurden die Blüten gewogen, sortiert, destilliert oder an die Parfümhäuser von Grasse verkauft. Jahrzehntelang lebte ein Teil der Region von diesem Rhythmus aus Ernte, Duft und Handarbeit.

Heute existiert die Genossenschaft nicht mehr. 1995 schloss sie endgültig ihre Türen. Doch die Geschichte hängt noch immer in der Luft – im wahrsten Sinne des Wortes.

Gerade das macht dieses Rosenfest bemerkenswert. Viele Orte der Provence verkaufen inzwischen ein glattpoliertes Bild aus Lavendelfeldern, Roségläsern und Sonnenuntergängen. Hübsch, klar. Aber oft ein wenig wie aus dem Schaufenster. La Colle-sur-Loup erzählt dagegen eine andere Provence. Eine, die nach Arbeit riecht.

Die Rose war hier keine Dekoration. Sie bedeutete Einkommen, Gemeinschaft und wirtschaftliches Überleben. Hinter jedem Flakon Luxusparfüm standen Hände voller Dornenkratzer und Tage, die lange vor Sonnenaufgang begannen.

Vielleicht wirkt das Fest deshalb so glaubwürdig. Es romantisiert die Vergangenheit nicht völlig, sondern macht sie greifbar. Kinder beobachten die Destillation von Rosenwasser, Besucher sprechen mit lokalen Produzenten, Musiker spielen auf kleinen Plätzen, während über allem dieser süße, fast schwere Duft liegt, der sich in warmer Frühlingsluft festsetzt.

Und plötzlich versteht man, warum die Menschen hier nicht einfach ein Blumenfest feiern.

Sie feiern ein Stück Identität.

Autor: C.H.

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