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Alle Artikel · 11.07.2025 09:58

Wenn Kunst im Galopp Geschichte trifft – Zeus, das mechanische Olympiapferd, erobert den Mont-Saint-Michel

Es steht da. Mächtig. Ruhig. Fast ehrfürchtig blickt es in die Weite der Bucht. Zeus, das mechanische Pferd der Olympischen Spiele von Paris 2024, hat am Mont-Saint-Michel seine Zelte aufgeschlagen – und zieht dort...

Es steht da. Mächtig. Ruhig. Fast ehrfürchtig blickt es in die Weite der Bucht.

Zeus, das mechanische Pferd der Olympischen Spiele von Paris 2024, hat am Mont-Saint-Michel seine Zelte aufgeschlagen – und zieht dort nun täglich tausende neugierige Blicke auf sich.

Seit dem 9. Juli 2025 thront der 1,80 Meter hohe und 287 Kilogramm schwere metallene Hengst auf der Terrasse de l’Ouest der weltberühmten Abtei. Dort bleibt er noch bis zum 7. September. Alle vier Minuten erwacht er zum Leben, hebt seine Beine in einem präzise programmierten Galopp, der genau eine Minute dauert – ein Spektakel, das zwischen Poesie und Ingenieurskunst pendelt.

Man kann es förmlich hören: das metallische Klirren, das leise Zischen der Mechanik, wenn Zeus seine Bewegungen ansetzt. Ein Moment, der den Mont-Saint-Michel in ein surreales Bühnenbild verwandelt.

Doch woher kommt dieses monumentale Pferd?

Zeus wurde vom Atelier blam entworfen, einem renommierten Designstudio aus der Region Nantes. Auftraggeber war Sanofi, Premium-Partner der Olympischen und Paralympischen Spiele in Paris. Ursprünglich schuf man den Hengst für die Eröffnungszeremonie 2024. Doch seitdem reist er durch Frankreich und Europa, von Lyon über Marseille, Bordeaux, Montpellier, Strasbourg, Rouen bis nach Mailand – und begeistert mit seiner Mischung aus archaischer Symbolik und futuristischer Technik.

Mehr als eine halbe Million Menschen haben Zeus bereits gesehen.

Jetzt also Mont-Saint-Michel – dieser uralte, sagenumwobene Felsen im Wattenmeer der Normandie. Für Marie Lavandier, Präsidentin des Centre des monuments nationaux, ist die Installation weit mehr als ein simpler PR-Stunt:

„Wir wollen unsere Monumente lebendig halten, indem wir sie fest in der Gegenwart verankern“, betont sie. Kunstinstallationen wie Zeus laden dazu ein, den Mont-Saint-Michel mit neuen Augen zu betrachten. Ein historisches Denkmal, das sich nicht in der Vergangenheit vergräbt, sondern seinen Platz im Hier und Jetzt behauptet – und sogar in die Zukunft blinzelt.

Denn wer sagt, dass Geschichte und Gegenwart nicht Hand in Hand reiten dürfen?

Um die Ankunft des Olympiapferdes gebührend zu feiern, verwandelte sich die Abtei am 10. Juli in eine Festivalbühne. Besucher erlebten eindrucksvolle Pferde- und Musikparaden, hiphoptanzende Gruppen und ein artistisches Zirkusspektakel. Ein Tag, an dem Zeus nicht nur als Skulptur, sondern als Teil eines lebendigen Narrativs wahrgenommen wurde.

Was macht die Faszination dieses Pferdes aus?

Vielleicht ist es die unaufdringliche Symbolik. Zeus steht für Kraft, Bewegung, Geschwindigkeit – allesamt Qualitäten, die mit Olympia verbunden sind. Gleichzeitig ist er leise, fast meditativ. Sein rhythmischer mechanischer Galopp wirkt hypnotisch. Wer vor ihm steht, wird unweigerlich an die ungezähmte Natur erinnert, die hier am Mont-Saint-Michel bei jeder Flut ihre Kraft demonstriert.

Oder es ist einfach die Schönheit dieser Idee: Hightech-Design trifft mittelalterliche Architektur. Ein Dialog zwischen Stahl und Stein, Innovation und Tradition. Ein Gespräch, das keine Worte braucht.

Von Juli bis August können Besucher Zeus täglich von 9 bis 19 Uhr bestaunen, im September von 9 bis 18 Uhr. Und wer nachts kommt, erlebt eine weitere Dimension: Bis zum 31. August ist der metallene Hengst Teil des nächtlichen Rundgangs „Rêve de Lune“ der Abtei. Von 19.30 Uhr bis Mitternacht glitzert er in geheimnisvollem Licht, während über ihm der Mond die Bucht in Silber taucht.

Eine Szene, die sich ins Gedächtnis brennt.

Doch hinter diesem Kunstwerk steckt nicht nur Ästhetik. Zeus ist ein Projekt, das Kunst, Wissenschaft und kulturelles Erbe miteinander verbindet. Sanofi, als Sponsor, möchte mit dieser Initiative zeigen, dass Fortschritt und Kunst Hand in Hand gehen können. Ein Unternehmen, das sonst für medizinische Innovationen steht, stellt nun ein Symbol für Kreativität und künstlerischen Dialog auf Frankreichs berühmtesten Felsen.

Was bleibt nach einem Besuch bei Zeus?

Vielleicht der Gedanke, dass Kunst unsere Wahrnehmung verändert. Dass ein mechanisches Pferd plötzlich eine Brücke schlägt – zwischen Olympia und Mont-Saint-Michel, zwischen Mensch und Maschine, zwischen Vergangenheit und Zukunft.

Oder schlichtweg die Erkenntnis: Manchmal reicht ein metallener Galopp, um ein uraltes Monument für einen Moment ganz neu zu sehen.

Und wer weiß – vielleicht schnaubt Zeus ja heimlich vor Vergnügen, wenn der letzte Besucher gegangen ist.

Autor: Andreas M. Brucker

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