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Abonnenten · 14.08.2025 11:06

Wenn sogar Google verwundbar ist: Was der ShinyHunters-Hack über die neue Realität der Cybersicherheit verrät

Im Juni 2025 wurde Google Ziel eines koordinierten Hackerangriffs – verübt von einer Gruppe, die sich selbst zu den ShinyHunters zählt. Obwohl die entwendeten Daten laut Google primär öffentlich zugängliche Geschäftsinformationen umfassten, stellt der...

Im Juni 2025 wurde Google Ziel eines koordinierten Hackerangriffs – verübt von einer Gruppe, die sich selbst zu den ShinyHunters zählt. Obwohl die entwendeten Daten laut Google primär öffentlich zugängliche Geschäftsinformationen umfassten, stellt der Vorfall eine Zäsur dar: Selbst eines der mächtigsten Technologieunternehmen der Welt ist nicht immun gegen die wachsende Professionalisierung der Cyberkriminalität.

Die betroffenen Daten stammen aus einer externen Salesforce-Instanz, wie der Konzern am 5. August öffentlich machte. Zuvor hatte Google selbst vor Angriffen gewarnt, die auf ebendiese Software abzielten. Der Fall wirft grundlegende Fragen zur Resilienz digitaler Infrastrukturen auf – und zum politischen Umgang mit einer Bedrohung, die nicht an Landesgrenzen Halt macht.

Ein Klassiker im neuen Gewand: Die Methode „Vishing“

Laut Google Threat Intelligence erfolgte der Angriff mittels sogenanntem „Vishing“ – einer Kombination aus Voice und Phishing. Dabei geben sich die Angreifer telefonisch als IT-Mitarbeitende aus und bringen ihre Opfer dazu, manipulierte Software herunterzuladen. Ziel der Aktion war in diesem Fall ein gefälschter Data Loader für Salesforce, mit dem sich Datensätze auslesen lassen. Einmal installiert, erlaubt das Programm umfassenden Zugriff auf Kundendaten, darunter Namen, Adressen und Telefonnummern.

Besonders perfide: Die Angreifer forderten von ihren Opfern eine Lösegeldzahlung in Bitcoin innerhalb von 72 Stunden. Andernfalls drohten sie mit dem Verkauf der Daten im Darknet. Die Preisstruktur für solche Informationen ist niedrigschwellig – und skaliert mit der Masse. Wie der französische Cybersicherheitsexperte Clément Domingo erklärte, kostet ein einzelner Datensatz mit Basisinformationen oft nur einen Euro, Bankdaten oder medizinische Angaben können bis zu 15 Euro einbringen. Das wirtschaftliche Motiv ist klar: Es geht um die Ausbeutung großvolumiger, schlecht gesicherter Datenbanken.

Wer sind die ShinyHunters?

Die Hackergruppe ShinyHunters ist seit 2020 aktiv und wurde zunächst durch ihre Angriffe auf globale Marken wie LVMH, Adidas und Allianz bekannt. Der Name ist eine Anspielung auf das Pokémon-Spiel – dort jagen Spieler besonders seltene digitale Kreaturen, sogenannte „Shinys“. Im Kontext der Cyberkriminalität steht der Begriff sinnbildlich für die Jagd nach hochwertigen Daten.

ShinyHunters agieren dezentral, ihre Mitglieder sind schwer zu identifizieren. Allerdings verdichten sich Hinweise, dass Teile der Gruppe in Frankreich operieren. Ende Juni wurden in Paris fünf Verdächtige festgenommen, darunter drei französische Staatsbürger im Alter von etwa 20 Jahren. Ihnen wird vorgeworfen, an Angriffen auf SFR, Free, das französische Bildungsministerium und die Arbeitsagentur „France Travail“ beteiligt gewesen zu sein. Bereits 2022 war ein mutmaßlicher ShinyHunter, Sébastien Raoult, in Marokko festgenommen und später an die USA ausgeliefert worden.

Laut der Cybersicherheitsfirma Intel471 operierte die Gruppe ursprünglich auf dem mittlerweile geschlossenen Forum „RaidForums“, das als Marktplatz für gestohlene Daten diente. Der Zusammenschluss aus technischer Expertise, krimineller Energie und internationaler Vernetzung macht Gruppen wie ShinyHunters so gefährlich.

Die strukturelle Schwäche globaler IT-Systeme

Dass selbst Google Opfer einer solchen Attacke wurde, ist weniger ein Beweis individueller Nachlässigkeit als Ausdruck systemischer Verwundbarkeit. Moderne IT-Systeme sind hochgradig vernetzt, fragmentiert und auf Drittanbieter wie Salesforce angewiesen. Jeder externe Zugriffspunkt wird damit zum potenziellen Einfallstor. Besonders problematisch sind sogenannte „Social Engineering“-Techniken, bei denen der Mensch zur Schwachstelle wird – etwa durch Telefonbetrug.

Zudem verdeutlicht der Fall das Ungleichgewicht zwischen globalen Konzernen und zersplitterten Sicherheitsstrukturen. Unternehmen verfügen oft über exzellente IT-Abteilungen, doch der Schutz ist nur so stark wie das schwächste Glied in der Kette – häufig externe Dienstleister oder ungeschulte Mitarbeiter.

Regierungen sehen sich derweil vor die Herausforderung gestellt, einer transnational agierenden Cyberkriminalität mit nationalstaatlichen Mitteln zu begegnen. Die jüngsten Verhaftungen in Frankreich zeigen, dass Strafverfolgung möglich ist – aber selten präventiv wirkt.

Eine politische Aufgabe, keine rein technische

Die wachsende Zahl an Ransomware-Attacken zeigt: Cybersicherheit ist längst kein Nischenthema für Techniker mehr, sondern eine Herausforderung für die öffentliche Ordnung, vergleichbar mit Terrorabwehr oder Wirtschaftsspionage. Die ökonomischen Schäden solcher Angriffe sind beträchtlich – laut dem Cybersecurity Ventures Report könnten sie 2025 weltweit bis zu 10 Billionen Dollar erreichen.

Was also tun? Neben besserer technischer Abwehr braucht es auch internationale Standards, gemeinsame Strafverfolgung und eine Aufwertung der digitalen Souveränität auf politischer Ebene. Der Fall Google zeigt: Kein Konzern, kein Staat kann sich allein schützen.

Autor: P. Tiko

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