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Aktuell · 18.07.2026 14:31

Wie Pierre Perret den Hashtag #saccageParis zur Chanson-Satire machte

Franceinfo erinnert in seiner Sommerreihe an Pierre Perrets Lied "Paris saccagé". Der Chansonnier verwandelte die Klage über Müll, Baustellen und den Zustand der Hauptstadt 2023 in eine bissige Stadtsatire.

Paris – 18.07.2026: Franceinfo widmet seine sommerliche Musikchronik an diesem Samstag Pierre Perrets Chanson "Paris saccagé", einem Lied, das den damaligen Hashtag #saccageParis in eine ebenso spöttische wie unversöhnliche Klage über die französische Hauptstadt überführte.

Der Hashtag, auf Deutsch ungefähr "verwüstetes Paris", bündelte seit 2021 vor allem Beschwerden über Abfall, Graffiti, beschädigtes Stadtmobiliar und Baustellen. Er war aber mehr als ein digitales Ärgernis: In ihm verdichtete sich ein Streit darüber, wem Paris gehört, wie eine Metropole sich verändert und wie viel Unordnung eine Stadt ertragen soll, die von ihren Bewohnern wie von ihren Besuchern stets auch als Bühne betrachtet wird.

Pierre Perret nahm diese gereizte Stimmung 2023 auf. Der Sänger, der seit Jahrzehnten für Wortwitz, Milieubeobachtung und eine Vorliebe für das scheinbar Kleine bekannt ist, schrieb Text und Musik selbst. Seine Nummer erschien auf dem Album "Ma vieille carcasse" und zielte mit munterer Melodie auf ein unerquicklich konkretes Inventar: Müllsäcke, Ratten, Verkehrsumbauten und das Gefühl, dass die Stadt ihre alte Eleganz verliere.

Gerade diese Reibung macht den Reiz des Stücks aus. Perret wählt nicht den Ton einer kommunalpolitischen Rede, sondern die Form des französischen Chansons, in der ein eingängiger Refrain eine scharfe Pointe tragen darf. Die Beschwerde wird dadurch keineswegs sachlicher, aber musikalisch beweglicher. Sie tänzelt, wo eine Sitzung des Stadtrats vermutlich nur mit den Akten rascheln würde.

Die damalige Debatte war politisch aufgeladen. Kritiker der Pariser Stadtverwaltung um Anne Hidalgo griffen den Hashtag bereitwillig auf, während das Rathaus auf allgemeine Probleme des öffentlichen Raums und gezielte Kampagnen gegen die Stadt hinwies. Perrets Lied beansprucht dabei keine ausgewogene Bestandsaufnahme. Es ist eine zugespitzte Momentaufnahme, getragen vom Recht des Chansonsängers auf Übertreibung.

Dass Franceinfo das Stück nun in einer Reihe über Lieder der jüngeren Gegenwart wieder aufgreift, lenkt den Blick auf eine alte Stärke dieser Kunstform: Chansons bewahren nicht nur Melodien, sondern auch die Temperatur ihrer Zeit. In "Paris saccagé" bleibt die Stadt nicht Kulisse der Nostalgie. Sie wird zur widerspenstigen Hauptfigur, geliebt, beschimpft und mit erstaunlicher Beharrlichkeit besungen.

So erzählt das Lied auch von einem Pariser Reflex, der weit über die konkrete Kontroverse hinausreicht. Jede Veränderung der Stadt ruft Erinnerungen an ein vermeintlich besseres Gestern hervor. Pierre Perret gibt diesem Reflex eine Stimme, die schmunzeln lässt, selbst wenn sie im Refrain ziemlich entschieden die Stirn runzelt.

Quellen

  • Franceinfo, Sendereihe "Ces chansons qui font l'actu"
  • Offizielle Website von Pierre Perret

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