Aktuell · 23.06.2026 10:07
Zehn Jahre nach dem Brexit: Nigel Farage und Reform UK gewinnen in Großbritannien an Einfluss
Zehn Jahre nach dem Brexit steigt die rechtspopulistische Partei Reform UK unter Nigel Farage auf. Nach dem Rücktritt von Premierminister Keir Starmer liegt sie in Umfragen vorn und spürt den Unmut der Bevölkerung.
London – 23.06.2026: Zehn Jahre nach dem Brexit-Referendum, bei dem sich 51,9 % der Briten für den EU-Austritt aussprachen, hat sich die Stimmung im Land stark verändert. Rund 60 % der Bevölkerung drücken mittlerweile Bedauern über den Brexit aus, ein Phänomen, das als "Bregret" bekannt ist. Trotz der teils negativen wirtschaftlichen und politischen Folgen – darunter Wachstumsschwäche, Regierungskrisen und ein Rückgang des globalen Einflusses – erlebt die rechtspopulistische Partei Reform UK unter der Führung von Nigel Farage einen beispiellosen Aufstieg. In aktuellen Umfragen führt Reform UK knapp vor den Wahlen 2029 und profitiert von der Unzufriedenheit vieler Bürger mit der etablierten Politik nach dem Brexit.
Für viele Britinnen und Briten wäre ein besser geführter Brexit erfolgreicher gewesen, was die Unterstützung für nationalistisches und rechtsextremes Gedankengut befeuert. Einwanderung bleibt dabei ein zentrales Thema. Die anti-immigrantische Stimmung fördert populistische Stimmen, insbesondere jene von Farage und dem neofaschistischen Aktivisten Tommy Robinson. Dieser Nationalismusanstieg offenbart tiefe gesellschaftliche Spaltungen, vor allem unter weißen englischen Wählern, und spiegelt eine Identitätskrise wider, die seit dem Brexit spürbar ist.
Während die jüngere Generation dem EU-Gedanken meist positiver gegenübersteht und Wahlerfolge wie jene von Andy Burnham Hoffnung machen, unterstreichen die erstarkenden rechten Kräfte die Herausforderungen, die Großbritannien politisch und gesellschaftlich bewältigen muss.
Am 22. Juni 2026 gab Premierminister Keir Starmer überraschend seinen Rücktritt bekannt. Er zog sich nach monatelangem internem Druck und einem deutlichen Popularitätsverlust zurück. Obwohl er 2024 die Konservative Partei nach 14 Jahren ablöste, stand seine Führung zunehmend infrage, insbesondere nach schwachen Ergebnissen bei den jüngsten Kommunalwahlen.
Andy Burnham, ehemaliger Bürgermeister von Greater Manchester, gilt nun als Hauptkandidat für die Nachfolge. Nachdem er ein Parlamentsmandat in einer Nachwahl gewann, könnte er bis Mitte Juli Premierminister werden. Burnham ist bekannt für sein Engagement in der Stadtentwicklung und seinen charismatischen Führungsstil, während seine genaue landespolitische Agenda noch unklar ist.
Nigel Farage kritisierte scharf die Labour-Partei und forderte vorgezogene Neuwahlen, um "echte Veränderungen" zu ermöglichen. Er warnt, dass ein Nachfolger wie Burnham die Politiken von Starmer nur fortsetzen würde – aus seiner Sicht jedoch nicht ausreicht, um die dringend nötigen Reformen zu realisieren.
Diese Entwicklungen werfen ein Schlaglicht auf die künftige politische Ausrichtung Großbritanniens, in der Reform UK an Einfluss gewinnt und die Labour-Partei vor grundlegenden Herausforderungen steht. Die nächsten Jahre könnten entscheidend für das Land und seine politische Landschaft werden.
Quellen
- Le Monde
- AP News
- The Guardian