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Aktuell · 23.06.2026 11:04

Zehn Jahre nach dem Brexit: Schottland strebt erneut nach Unabhängigkeit

Schottlands Parlament fordert ein neues Referendum zur Unabhängigkeit, während die britische Regierung ablehnt.

Edinburgh – 23.06.2026: Zehn Jahre nach dem Brexit hat das schottische Parlament erneut die Forderung nach einem Unabhängigkeitsreferendum erhoben. Am 26. Mai 2026 stimmten die Abgeordneten mit 72 zu 55 Stimmen für einen Antrag, der die britische Regierung auffordert, die Befugnis zur Abhaltung eines solchen Referendums zu übertragen. Regierungschef John Swinney, Vorsitzender der Schottischen Nationalpartei (SNP), erklärte, er werde nun den Dialog mit der britischen Regierung suchen. Gespräche mit Premierminister Keir Starmer seien in den kommenden zwei Wochen geplant.

Die britische Regierung reagierte umgehend und lehnte ein neues Referendum ab. Ein Sprecher von Premierminister Starmer betonte, dass die britische Regierung weder die Unabhängigkeit noch ein weiteres Referendum unterstütze. Diese Haltung sorgt weiterhin für Spannungen zwischen Edinburgh und London.

Schottlands Minister für Europa, Stephen Gethins, betonte anlässlich des zehnten Jahrestages des Brexit-Referendums, dass Schottlands Zukunft in der Mitgliedschaft der Europäischen Union liege. Er wies auf die negativen wirtschaftlichen und sozialen Folgen des Brexits für Schottland hin und unterstrich die Notwendigkeit, die Beziehungen zwischen dem Vereinigten Königreich und der EU zu festigen, auch wenn Schottland eine eigenständige Position anstrebe.

Die Unabhängigkeitsbewegung in Schottland ist historisch gewachsen. Bereits 2014 wurde ein erstes Referendum abgehalten, bei dem sich 55 Prozent der Wähler gegen die Abspaltung aussprachen. Seither fordert die SNP wiederholt ein erneutes Referendum, um dem Wunsch vieler Schotten nach Souveränität eine demokratische Grundlage zu geben. Die britische Regierung verweigert diese Erlaubnis bislang.

Neben Schottland gibt es auch in Wales und Nordirland verstärkte Bestrebungen nach mehr Autonomie oder Unabhängigkeit. Bei den regionalen Wahlen im Mai 2026 wurde die walisische Regionalpartei Plaid Cymru zur stärksten Kraft im walisischen Parlament gewählt. In Nordirland führt Sinn Féin die Regierung an und setzt sich für eine Wiedervereinigung mit der Republik Irland ein, was die politische Lage weiter kompliziert.

Die Entwicklungen in diesen Regionen werfen grundlegende Fragen zur zukünftigen territorialen und verfassungsrechtlichen Struktur des Vereinigten Königreichs auf. Während London an einer Einheit hält, fordern die regionalen Parlamente mehr Mitsprache und Eigenständigkeit oder gar die Loslösung vom Staatenbund.

Die Debatte um die Unabhängigkeit Schottlands und die politische Zukunft des Vereinigten Königreichs wird den britischen Politikbetrieb noch längere Zeit prägen. Die Ergebnisse der geplanten Gespräche zwischen Edinburgh und London werden dabei von großer Bedeutung sein – sowohl für die britische Innenpolitik als auch für die Stellung Großbritanniens in Europa.

Quellen

  • news.ORF.at
  • gov.scot
  • Süddeutsche Zeitung

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