Aktuell · 13.07.2026 18:00
Zehn Staaten starten in Paris Initiative für europäische Raketenabwehr
Die Ukraine und neun europäische Staaten wollen eine gemeinsame Fähigkeit zur Abwehr ballistischer Raketen entwickeln. Die in Paris angekündigte Initiative verbindet militärische Lehren aus dem Krieg mit Europas längerfristigem Ausbau der Luftverteidigung.
Paris – 13.07.2026: Die Ukraine und neun europäische Staaten haben in Paris eine Initiative zum Aufbau gemeinsamer Fähigkeiten gegen ballistische Raketen beschlossen. Neben Kiew gehören Frankreich, Deutschland, Italien, Dänemark, die Niederlande, Norwegen, Spanien, Schweden und das Vereinigte Königreich zu dem Kreis. Die Erklärung wurde am Rande des Treffens der Koalition der Willigen mit Präsident Wolodymyr Selenskyj veröffentlicht.
Das Vorhaben zielt auf eine integrierte europäische Architektur zur Raketenabwehr. Ballistische Raketen stellen besondere Anforderungen, weil sie nach dem Start große Höhen erreichen und sich mit hoher Geschwindigkeit auf ihre Ziele zubewegen. Die zehn Unterzeichner begründen die Kooperation mit der wachsenden Bedrohung durch solche Systeme und mit den Erfahrungen der Ukraine seit Beginn des russischen Grossangriffs.
Selenskyj warb in Paris dafür, ukrainische Erkenntnisse aus dem Einsatz von Luftverteidigung, Sensorik und Abfangsystemen unmittelbar in europäische Programme zu überführen. Ukrainische Vertreter stellten dafür ein Anti-Ballistik-Programm vor und führten Gespräche mit Regierungen, Sicherheitsberatern und Unternehmen der Rüstungsindustrie. Nach Angaben von Reuters zählen dazu unter anderem Eurosam, Leonardo, Thales und Saab.
Konkrete Finanzzusagen, technische Vorgaben oder ein Zeitplan wurden zunächst nicht veröffentlicht. Damit bleibt offen, ob die Initiative vor allem gemeinsame Entwicklung, eine koordinierte Beschaffung oder später auch den Aufbau eines zusammenhängenden Einsatzsystems hervorbringen soll. Die Erklärung hält den Beitritt weiterer Staaten ausdrücklich offen. Sie schafft somit zunächst einen politischen und industriellen Rahmen, nicht aber ein fertiges Verteidigungsdispositiv.
Die Ankündigung fällt in eine Phase, in der europäische Staaten ihre Luftverteidigung als zentrale Fähigkeitslücke betrachten. Die Ukraine ist wiederholt Ziel russischer Angriffe mit ballistischen Raketen, Marschflugkörpern und Drohnen. Gerade bei ballistischen Flugkörpern sind verfügbare Abfangraketen knapp und teuer. Die Partner verbinden deshalb den Schutz der Ukraine mit dem Anspruch, die eigene Abschreckungs- und Schutzfähigkeit zu stärken.
Das Treffen in Paris brachte rund zwei Dutzend Staats- und Regierungschefs der Koalition der Willigen zusammen, die mehr als 30 Staaten umfasst. Frankreich und das Vereinigte Königreich treiben dieses Format seit 2025 voran. Es soll die militärische Unterstützung für Kiew bündeln und Sicherheitsgarantien für eine mögliche Zeit nach einem Waffenstillstand vorbereiten.
Moskau reagierte ablehnend und bezeichnete die Koalition erneut als kriegstreibend. Für die europäischen Teilnehmer steht dagegen die strategische Konsequenz des Krieges im Vordergrund: Die Verteidigung gegen Raketenangriffe soll nicht mehr allein als ukrainischer Bedarf gelten, sondern als gemeinsame Aufgabe für die Sicherheit des Kontinents. Ob daraus rasch einsatzfähige Systeme entstehen, hängt von Beschaffung, Industrieproduktion und politischer Finanzierung ab.
Quellen
- Associated Press
- Reuters
- Elysee-Palast
- Französisches Verteidigungsministerium