Aktuell · 05.07.2026 19:26
Zweiter Tag der Staatstrauer: Tausende nehmen in Teheran Abschied von Ayatollah Ali Khamenei
In der Großen Mosalla in Teheran haben am zweiten Tag der mehrtägigen Trauerzeremonien Tausende dem getöteten Obersten Führer Ali Khamenei die letzte Ehre erwiesen. Führende Vertreter des Regimes nahmen teil; internationale Delegationen wurden erwartet.
Teheran – 05.07.2026: Am zweiten Tag der mehrtägigen Staatstrauer für Ayatollah Ali Khamenei sind in Teheran erneut Tausende Menschen zur Großen Mosalla Imam Khomeini geströmt. In dem weitläufigen religiös-politischen Komplex war der Sarg des getöteten Obersten Führers aufgebahrt, Gläubige und Angehörige konnten an der Reihe vorbeiziehen. Sicherheitskräfte regelten den Zugang in mehreren Korridoren, um Gedränge zu vermeiden. Geistliche rezitierten Trauergebete, Lautsprecher übertrugen Koranverse in die Innenhöfe.
Die Zeremonien folgen auf die offizielle Bestätigung, dass Khamenei am 28. Februar in den ersten Kriegstagen getötet wurde. Seither bereitet der Staat eine Serie öffentlicher Abschiedsrituale vor, die laut Agenturberichten mehrere Städte in Iran sowie ausgewählte Orte im Irak einschließen. In Teheran war der Samstag von einer zentralen Trauerandacht geprägt, an der hochrangige Vertreter des Systems teilnahmen. Präsident Massoud Pezeshkian, Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf und Revolutionsgarden-Kommandeur Esmaïl Qaani erwiesen öffentlich ihre Ehrerbietung. Offiziell wurden zudem internationale Delegationen angekündigt, darunter Vertreter verbündeter Regierungen und regionaler Organisationen.
Der Ablauf der Staatstrauer ist in Etappen organisiert: Auf die Aufbahrung in der Hauptstadt folgen laut staatlichen Stellen weitere Prozessionen und Gebete, bevor der Sarg in eine finale Ruhestätte überführt werden soll. Fernsehsender begleiteten die Ereignisse in Sondersendungen, Bilder zeigten schwarz gekleidete Trauergäste, Fahnen in Halbmaststellung und Banner mit Koranversen. Die Behörden verwiesen auf zusätzliche Metro- und Busverbindungen rund um den Mosalla-Komplex und warnten vor temporären Straßensperrungen. Freiwillige Hilfsdienste verteilten Wasser und boten Erste Hilfe an, da die Temperaturen am Nachmittag deutlich stiegen.
Politisch gilt die Trauerphase auch als Moment geschlossener Inszenierung der Staatsorgane. Beobachter verweisen darauf, dass die Reihenfolge der protokollarischen Auftritte und die Bildführung der Staatsmedien genau gesetzt seien. Während zentrale Akteure sichtbar präsent waren, blieben andere, darunter Khameneis Sohn Mojtaba, am Samstag öffentlich unauffällig. Offizielle Angaben zu nachfolgenden Stationen der Trauerreise nennen weitere religiöse Zentren im Land; genaue Uhrzeiten werden teils erst kurzfristig veröffentlicht. Für Sonntag wurden zusätzliche Sicherheitskontrollen angekündigt. Auslandsvertretungen informierten ihre Staatsangehörigen in Teheran über mögliche Einschränkungen im Stadtverkehr und rieten, Menschenansammlungen weiträumig zu umgehen.
Die Tage der Staatstrauer enden voraussichtlich mit einer finalen Zeremonie, deren Ablauf von den Behörden noch präzisiert wird. Nach Angaben der Organisatoren sollen anschließend Kondolenzbesuche in ausgewählten Behörden und religiösen Einrichtungen möglich sein. Unabhängige Schätzungen zur Zahl der Teilnehmenden lagen am Samstag nicht vor; staatliche Medien sprachen von einer großen Anteilnahme in der Bevölkerung.
Quellen
- AP News
- Euronews (fr)
- AFP via Boursorama
- Le Parisien
- WLRN/NPR
- franceinfo