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Alle Artikel · 03.11.2025 11:39

Zwischen Nebel und Flammen: Wie die Bretagne Samhain feiert – jenseits von Halloween

Wenn die Tage kürzer, die Nächte kühler und die Wälder der Bretagne vom ersten Herbstnebel durchzogen werden, beginnt eine besondere Zeit im Westen Frankreichs. Keine schnöde Halloween-Kopie, kein bloßes Süßes-oder-Saures. Sondern: Samhain oder Samain....

Wenn die Tage kürzer, die Nächte kühler und die Wälder der Bretagne vom ersten Herbstnebel durchzogen werden, beginnt eine besondere Zeit im Westen Frankreichs. Keine schnöde Halloween-Kopie, kein bloßes Süßes-oder-Saures. Sondern: Samhain oder Samain. Oder wie man hier sagt: Kala Goañv – der Winteranfang.

Ein Fest mit Wurzeln tief in der Erde der keltischen Kultur – und mit Flammen, Mythen, Märchen. Willkommen zu einer Reise in die andere Seite des Oktobers.

https://twitter.com/partidesgaules/status/1984251602287386916

Ein Tor in eine andere Welt

Ursprünglich markierte Samhain für die Kelten das Ende des Sommers und den Beginn der dunklen Jahreshälfte. Das Licht weicht – und mit ihm, so glaubte man, lüftet sich der Schleier zwischen den Welten. Die Lebenden und die Toten kommen sich näher.

In der Bretagne hielt sich dieser Glaube über Jahrhunderte hinweg. Türen blieben offen, Besen wurden nicht mehr geschwungen, Kohlen trug man glühend durch die Nacht – als Zeichen des Respekts vor wandernden Seelen. Kein Aberglaube, sondern eine still gelebte Erinnerungskultur.

Bis heute.

Lichter, Feuer, Magie: Samhain heute

Wer heute durch bretonische Küstenstädtchen wie Saint-Quay-Portrieux oder durch die dichten Wälder rund um Brocéliande zieht, der begegnet einer kuriosen Mischung: Aus Ritual und Spektakel. Aus altem Brauch und modernem Event.

In Saint-Quay etwa wird das Fest am letzten Oktoberwochenende gefeiert – mit Laternenumzügen, Flammenkunst und einem Hauch von Mittelaltermarkt. Alles familienfreundlich, atmosphärisch, fast ein bisschen wie aus einem Fantasyfilm.

Und in Brocéliande, wo einst der Zauberer Merlin gelebt haben soll – zumindest, wenn man den Legenden glaubt –, verwandelt sich das Château de Comper in ein mystisches Zentrum: Hexerei-Workshops, Schmiedekunst, Märchenerzähler, Feuerinstallationen. Man verkauft hier, wie es im Tourismusbüro heißt, „Träume, Magie und ein bisschen Zauberei“.

Zwischen Show und Schatten

Natürlich stellt sich da die Frage: Wie viel echtes Brauchtum steckt noch in all dem?

Die Wahrheit ist: Es ist beides. Samhain ist ein kulturelles Erbe – und eine Bühne. Die einen kommen, um ihren Kindern den Zauber alter Geschichten zu zeigen. Die anderen suchen den Kick aus Kostüm, Grusel, Instagram-Momenten.

Was auf den ersten Blick wie ein Spannungsfeld wirkt, hat sich vielerorts als fruchtbare Kombination erwiesen. Die Bretagne nutzt Samhain geschickt, um die touristische Nebensaison zu beleben – und gleichzeitig lokale Identität zu feiern.

Hier trifft echtes Ritual auf flackernde Showeffekte. Und genau das ist der Charme.

Erinnerung und Erneuerung

Manche kritisieren: Zu viel Inszenierung, zu wenig Ursprung. Doch wer genau hinschaut, entdeckt sie noch – die leisen, intimen Momente.

In kleinen Dörfern brennen noch Feuer auf zentralen Plätzen. Kinder stellen eine „Bûche de Samain“ auf, einen symbolischen Holzscheit. Alte erzählen Geschichten vom Ankou, dem bretonischen Todessymbol, das mit der Sense durch die Straßen zieht.

Es sind diese Bilder, die bleiben – nicht die Pyrotechnik.

Die Bretagne weiß, wie man Magie verkauft

Und das ist nicht abwertend gemeint. Denn die Region versteht es, altes Wissen in modernes Gewand zu kleiden. Man inszeniert nicht bloß – man erinnert, verpackt, erzählt neu.

Ob das gelingt? Kommt drauf an, was man sucht.

Wer tief eintauchen will in alte Riten, der findet sie. Wer mit Kindern einen atmosphärischen Herbstabend erleben möchte, wird ebenfalls fündig. Und wer sich fragt, ob solche Feiern nicht irgendwann zum reinen Spektakel verkommen – der sollte vielleicht einfach mal ein Feuer in einem Dorfplatz erleben. Ohne Musik. Ohne Selfie-Stick. Nur Rauch, Licht, Geschichten.

Fazit

Samhain in der Bretagne ist mehr als Halloween – und weniger Klamauk. Es ist ein lebendiger Versuch, altes Wissen zu bewahren, ohne es einzumotten. Es ist Gemeinschaft in dunkler Jahreszeit, Erinnerung an die, die gegangen sind, und Spiel mit dem, was man nicht erklären kann.

Kurz: ein Fest für Herz, Geist – und ein bisschen Gänsehaut.

Autor: Andreas M. B.

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