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Alle Artikel · 28.06.2024 09:04

Wer ist im Fall der Kohabitation für die Verteidigung zuständig? Ein brisantes Thema heute in Frankreich

Kohabitation: Ein Balanceakt der Macht In Zeiten der Kohabitation herrscht in Frankreich eine einzigartige politische Dynamik, in der der Präsident der Republik und der Premierminister nicht der gleichen politischen Richtung angehören. Dieses seltene Szenario...

Kohabitation: Ein Balanceakt der Macht

In Zeiten der Kohabitation herrscht in Frankreich eine einzigartige politische Dynamik, in der der Präsident der Republik und der Premierminister nicht der gleichen politischen Richtung angehören. Dieses seltene Szenario wirft wichtige Fragen zur Aufteilung der Verantwortlichkeiten auf, insbesondere im sensiblen Bereich der nationalen Verteidigung.

Marine Le Pen hat kürzlich ihre Sichtweise dazu in der Zeitung "Télégramme" dargelegt. Sie glaubt, dass sie eine absolute Mehrheit erreichen könnte und somit Jordan Bardella zum Premierminister ernannt würde. Ihre Äußerungen klingen wie eine Warnung an Emmanuel Macron, besonders in Bezug auf die Verteidigungspolitik.

Die Rolle des Präsidenten in der Verteidigung

"Chef des Heeres, das ist für den Präsidenten nur ein Ehrentitel," behauptet Marine Le Pen. Ihrer Ansicht nach hält der Premierminister die finanziellen Zügel in der Hand, was darauf hindeutet, dass der Präsident keine Truppen entsenden könnte, ohne die Zustimmung des Premierministers. Diese Aussage geht weiter als die von Jordan Bardella vor einigen Tagen und deutet darauf hin, dass Marine Le Pen die traditionellen weitreichenden Befugnisse des Präsidenten in der internationalen Politik und Verteidigung in Frage stellt.

Die Verfassung ist kein Ehrentitel

François Bayrou, ein Verbündeter von Emmanuel Macron, reagierte scharf auf diese Äußerungen. Er betont, dass Marine Le Pen die Verfassung ernsthaft in Frage stellt, wenn sie behauptet, dass der Präsident nicht der Chef der Streitkräfte sei, wie es in der Verfassung festgelegt ist. Bayrou erinnert daran, dass Emmanuel Macron die Sitzungen des Verteidigungsrats präsidiert und zivile sowie militärische Staatsämter besetzt. Auch Verteidigungsminister Sébastien Lecornu unterstreicht: "Die Verfassung ist kein Ehrentitel." Er zitiert den ehemaligen Präsidenten Charles de Gaulle: Der Staatschef "schließt internationale Verträge, weil er der Chef der Streitkräfte ist und die Verteidigung leitet."

Marine Le Pen relativiert

In einer Serie von Nachrichten in den sozialen Medien fügt Marine Le Pen ihren Äußerungen eine gewisse Nuance hinzu. Sie betont, dass es nicht darum gehe, das "reservierte Gebiet des Präsidenten" infrage zu stellen, und bekräftigt, dass ihr Lager die Verfassung vollständig und ausschließlich anwenden wolle – in Anlehnung an eine Formulierung von François Mitterrand vor der ersten Kohabitation. Trotzdem beharrt Le Pen darauf, dass der Premierminister durch die Haushaltskontrolle die Möglichkeit hat, den Einsatz von Truppen zu verhindern. Sie führt das Beispiel von Dezember 1999 an, als Premierminister Lionel Jospin sich gegen den Willen des Präsidenten Jacques Chirac stellte, Truppen nach Côte d’Ivoire in Afrika zu entsenden, was letztlich zur Durchsetzung der Linie des Premierministers führte.

In der französischen politischen Landschaft bleibt die Cohabitation ein seltenes, aber bedeutendes Phänomen. Die aktuelle Debatte zeigt, wie wichtig klare verfassungsrechtliche Vorgaben und politische Absprachen sind, um Machtkämpfe zu vermeiden und die Handlungsfähigkeit des Staates zu gewährleisten. Ob Marine Le Pen's Interpretation der Rolle des Premierministers in der Verteidigungspolitik sich durchsetzt, bleibt abzuwarten.

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