Der Tod von Peter Yarrow markiert das Ende einer Ära. Der legendäre Folk-Musiker und Mitbegründer des Trios Peter, Paul and Mary verstarb am 7. Januar im Alter von 86 Jahren in New York. Er kämpfte seit vier Jahren gegen Blasenkrebs – einen Kampf, den er nun verlor. Yarrows Tochter Bethany beschrieb ihren Vater mit poetischen Worten als „unseren unbezwingbaren Drachen“, der „den letzten Kapitel seines großartigen Lebens begonnen“ habe.
Eine Stimme für den Wandel der 60er
Peter Yarrow war nicht nur Musiker, sondern auch eine Symbolfigur für Frieden, Gleichheit und soziale Gerechtigkeit. Geboren am 31. Mai 1938 in Manhattan, stammte er aus einer ukrainisch-jüdischen Einwandererfamilie. Seine Leidenschaft für die Musik entdeckte er während seines Studiums an der Cornell University, wo er sich der Gitarre und dem Gesang widmete.
1961 gründete er zusammen mit Mary Travers und Noel „Paul“ Stookey das Trio Peter, Paul and Mary. In der Folk-Szene von Greenwich Village, einem Zentrum der Gegenkultur, trugen ihre Lieder den Geist des Protests in die Welt hinaus. Mit Songs wie Blowin’ in the Wind (Bob Dylan) und If I Had a Hammer (Pete Seeger und Lee Hays) wurden sie zur musikalischen Stimme der Bürgerrechtsbewegung und des Protests gegen den Vietnamkrieg.
Ein Soundtrack des Wandels
Das Debütalbum des Trios, veröffentlicht 1962, verkaufte sich über zwei Millionen Mal. Ihre Interpretationen von Folk-Songs wie Blowin’ in the Wind begleiteten historische Momente – darunter die berühmte Rede von Martin Luther King Jr. am 28. August 1963 während des „March on Washington“.
Auch in Frankreich fand ihre Musik Anklang. Die Adaption ihres Songs 500 Miles wurde durch Richard Anthony unter dem Titel J’entends siffler le train ein Klassiker.
Licht und Schatten im Leben eines Künstlers
Doch Peter Yarrow war nicht frei von Kontroversen. 1970 bekannte er sich schuldig, einer 14-Jährigen gegenüber unangemessen gehandelt zu haben. Nach drei Monaten Haft wurde er vom damaligen US-Präsidenten Jimmy Carter begnadigt. Jahrzehnte später, im Zuge der #MeToo-Bewegung, geriet dieser Vorfall erneut ins Licht der Öffentlichkeit. Yarrow zeigte Reue und sprach von seinem tiefen Bedauern.
Ein bleibendes Vermächtnis
Trotz der dunklen Kapitel in seinem Leben bleibt Peter Yarrow eine Ikone der Musikgeschichte. Mit insgesamt fünf Grammy Awards – darunter zwei für If I Had a Hammer – und Millionen verkaufter Alben hinterließ er ein Vermächtnis, das weit über die Musik hinausgeht.
Das Trio Peter, Paul and Mary blieb über Jahrzehnte hinweg aktiv, trennte sich 1970 und kam immer wieder für besondere Anlässe zusammen, bis Mary Travers 2009 an Leukämie starb. Yarrows Engagement für Frieden, Gleichheit und soziale Gerechtigkeit bleibt unvergessen – ebenso wie die Botschaft seiner Lieder.
Eine Frage des Erbes
Wie bewahrt man das Andenken an jemanden, der Licht und Schatten in seinem Leben trug? Vielleicht reicht es, die Musik sprechen zu lassen. Denn Peter Yarrow hat mit seinen Liedern Herzen berührt, Veränderungen angestoßen und gezeigt, dass die Kraft eines einzigen Liedes die Welt bewegen kann.