Paris – 22.08.2026: Ein Mitglied des als Phrygiens bekannten Netzwerks hoher Beamter hat erstmals ausführlich dessen Arbeitsweise beschrieben. Gegenüber Franceinfo erklärte der anonym bleibende Verantwortliche, die Gruppe verfüge über Kontakte in sämtlichen Ministerien und unterstütze im Hintergrund die politischen Vorbereitungen von La France insoumise (LFI) für die Präsidentschaftswahl 2027. Wegen der zugesicherten Anonymität lassen sich seine Angaben nur eingeschränkt unabhängig überprüfen.
Nach seiner Darstellung versteht sich das Netzwerk als fachliche Ressource für die Partei Jean-Luc Mélenchons. Es bündele Kenntnisse aus der Verwaltung, prüfe politische Vorhaben auf ihre praktische Umsetzbarkeit und bereite mögliche Folgen eines Regierungswechsels vor. Von einem offiziellen Wahlkampfstab unterscheidet sich die Gruppe vor allem durch die berufliche Stellung ihrer Mitglieder: Den Berichten zufolge arbeiten viele von ihnen weiterhin in der staatlichen Verwaltung.
Der Name Phrygiens verweist auf die phrygische Mütze, ein Symbol der Französischen Revolution. Bereits im Mai hatte Le Parisien über das Netzwerk berichtet. Die Zeitung nannte den 2023 verstorbenen Staatsrat Bernard Pignerol, einen langjährigen Vertrauten Mélenchons, als wichtige Figur bei dessen Aufbau. Le Monde schrieb im Juni, LFI rechne dem Kreis rund dreißig hohe Beamte zu.
Die Aussagen bei Franceinfo geben diesem bislang nur punktuell dokumentierten Geflecht nun deutlichere Konturen. Der Informant schildert keine Weisungskette innerhalb der Ministerien, sondern informelle Kontakte zwischen Verwaltungsangehörigen, die ihr politisches und technisches Wissen einbrächten. Aus den veröffentlichten Angaben geht nicht hervor, dass amtliche Informationen unzulässig verwendet oder gesetzliche Neutralitätspflichten verletzt worden wären.
Für Mélenchon ist ein solcher Kreis strategisch wertvoll. Der dreimalige Präsidentschaftskandidat bemüht sich, LFI vor der Wahl 2027 als regierungsfähige Kraft zu präsentieren. Verwaltungsfachleute können abschätzen, wie sich politische Forderungen mit Haushaltsregeln, Verwaltungsrecht und staatlichen Verfahren vereinbaren lassen. Zugleich könnten sie Vorkehrungen für die ersten Wochen nach einem möglichen Machtwechsel ausarbeiten.
Politisches Engagement ist französischen Beamten grundsätzlich erlaubt. Im Dienst unterliegen sie jedoch Pflichten zur Neutralität, Verschwiegenheit und Loyalität gegenüber dem Staat. Rechtlich heikel würde ihre Tätigkeit, sobald dienstliche Mittel, vertrauliche Unterlagen oder amtliche Befugnisse für Parteizwecke eingesetzt würden. Dafür liefern die bislang publizierten Berichte keinen Beleg.
Die Aussage des Insiders stützt somit die Existenz eines verwaltungsnahen Netzwerks, das LFI bei der Vorbereitung einer möglichen Regierungsübernahme berät. Wie groß der Kreis tatsächlich ist, wer ihm angehört und welche Dokumente er erarbeitet hat, bleibt mangels einer öffentlichen Mitgliederliste unbekannt.
Quellen
- Franceinfo
- Le Parisien
- Le Monde
Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).