Die Regierung von Sébastien Lecornu wird die Nationalversammlung im September nicht zu einer außerordentlichen Sitzung einberufen. Damit bleibt es beim regulären Beginn der parlamentarischen Arbeit am 1. Oktober. Die Entscheidung beendet Spekulationen über eine vorgezogene Rückkehr der Abgeordneten und verschiebt auch die geplante Beratung eines umfassenden Gesetzes gegen sexistische und sexuelle Gewalt auf Anfang Oktober.
Der Verzicht hat unmittelbare Folgen für den politischen Kalender. Lecornu hatte das Gesetz zu Gewalt gegen Frauen und Kinder als erstes Regierungsvorhaben der neuen Sitzungsperiode angekündigt; nun erhält es keinen Vorrang vor dem formalen Beginn der ordentlichen Session. Gleichzeitig bereitet die Regierung ihren Haushalt für 2027 vor, der in einer Nationalversammlung ohne feste Mehrheit besonders konfliktträchtig werden dürfte.
Die Presse verbindet beide Vorgänge: Die knappe parlamentarische Zeit soll offenbar nicht durch eine Sondersitzung belastet werden, während der Etat zur zentralen Bewährungsprobe der Herbstsitzung wird. Le Monde verweist auf das Risiko von Misstrauensvoten; Le Parisien beschreibt die Entscheidung als endgültige Rückkehr zum vorgesehenen Kalender.