Paris – 01.09.2026: Der frühere französische Premierminister Édouard Balladur ist am Montag, dem 31. August, im Alter von 97 Jahren in Paris gestorben. Seine Familie bestätigte seinen Tod. Von März 1993 bis Mai 1995 führte Balladur die Regierung während der zweiten Cohabitation unter dem sozialistischen Staatspräsidenten François Mitterrand. Eine bürgerliche Parlamentsmehrheit regierte damals an der Seite eines Präsidenten aus dem gegnerischen politischen Lager.
Mit Balladurs Tod kehrt auch eine der bekanntesten Szenen der jüngeren französischen Politik ins öffentliche Gedächtnis zurück. Am Abend des ersten Wahlgangs der Präsidentschaftswahl vom 23. April 1995 versuchte er, Buhrufe und Pfiffe seiner Anhänger zu beenden. Zweimal sagte er: "Je vous demande de vous arrêter" – ich fordere Sie auf, damit aufzuhören. Der Satz löste sich rasch von seinem ursprünglichen Anlass und ging in die französische Fernseh- und Popkultur ein. Das Institut national de l'audiovisuel bewahrt die Aufzeichnung in seinem Archiv.
Der Auftritt besiegelte das Ende einer Kampagne, in der Balladur zunächst als Favorit der Rechten gegolten hatte. Im ersten Wahlgang erreichte er 18,58 Prozent der Stimmen und landete hinter dem Sozialisten Lionel Jospin sowie seinem langjährigen Weggefährten und Rivalen Jacques Chirac. Chirac gewann anschließend die Stichwahl. Balladurs Niederlage machte den tiefen Konflikt im gaullistischen Lager sichtbar.
Geboren wurde Édouard Balladur am 2. Mai 1929 in Smyrna, dem heutigen Izmir. Nach seiner Ausbildung am Institut d'études politiques de Paris und an der Verwaltungshochschule École nationale d'administration begann er seine Laufbahn im Staatsrat. In den sechziger Jahren arbeitete er im Umfeld von Georges Pompidou und stieg später zu einem einflussreichen Strategen der gaullistischen Rechten auf. Von 1986 bis 1988 amtierte er als Wirtschafts- und Finanzminister unter Premierminister Chirac.
Als Regierungschef stützte sich Balladur nach dem deutlichen Sieg der bürgerlichen Parteien bei der Parlamentswahl 1993 auf eine breite Mehrheit. Seine Amtszeit war von Privatisierungen, wirtschaftsliberalen Reformen und hoher Arbeitslosigkeit geprägt. Die Rivalität mit Chirac spaltete jedoch das Regierungslager. Nicolas Sarkozy, damals Haushaltsminister und Regierungssprecher, stellte sich im Präsidentschaftswahlkampf auf Balladurs Seite.
Später überschatteten Ermittlungen zur mutmaßlich verdeckten Finanzierung seiner Kampagne im Zusammenhang mit Rüstungsgeschäften seine politische Bilanz. Der Gerichtshof der Republik sprach Balladur im März 2021 frei. Staatspräsident Emmanuel Macron würdigte ihn nun als anspruchsvollen, maßvollen und pflichtbewussten Diener des Staates. Auch Vertreter anderer politischer Lager erinnerten an seine lange Laufbahn in Verwaltung, Regierung und französischer Rechter.
Quellen
- Franceinfo
- Le Monde
- Institut national de l'audiovisuel
- TF1 Info
- Reuters
Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).