Paris – 04.08.2026: Frankreichs Botschafter für die Ozeane und Polarregionen, Olivier Poivre d'Arvor, warnt vor einer wachsenden geopolitischen Konkurrenz auf den Weltmeeren. Angesichts zunehmender Spannungen entlang wichtiger Schifffahrtswege, etwa in der Straße von Hormus, bereiteten sich Staaten auf mögliche Konflikte vor, sagte der Diplomat in einem Interview mit Franceinfo. Sicherheitsfragen, wirtschaftliche Interessen und der Schutz der Meeresumwelt ließen sich deshalb kaum noch getrennt betrachten.
Poivre d'Arvor spricht von einer zweiten Krise neben der Erderwärmung. Der Klimawandel verändert die Ozeane bereits durch steigende Wassertemperaturen, Versauerung und den Verlust von Lebensräumen. Zugleich verschärft sich der Wettbewerb um Seewege, Rohstoffe und strategischen Einfluss. Da ein großer Teil des Welthandels über das Meer abgewickelt wird, können Spannungen an maritimen Engstellen rasch wirtschaftliche Folgen weit über die jeweilige Region hinaus entfalten.
Der Appell fällt in eine Phase, in der das Hochseeabkommen der Vereinten Nationen, kurz BBNJ, institutionell umgesetzt wird. Der Vertrag regelt den Schutz und die nachhaltige Nutzung der biologischen Vielfalt in Meeresgebieten außerhalb nationaler Hoheitsgewalt. Er trat am 17. Januar 2026 in Kraft, nachdem die erforderliche Zahl an Ratifikationen erreicht worden war.
Das Abkommen umfasst vier zentrale Bereiche: den Zugang zu genetischen Meeresressourcen und die gerechte Verteilung der daraus entstehenden Vorteile, die Einrichtung von Meeresschutzgebieten auf hoher See, Umweltverträglichkeitsprüfungen sowie den Aufbau wissenschaftlicher und technischer Kapazitäten. Damit entsteht erstmals ein verbindlicher Rahmen für weite Meeresgebiete, die keinem einzelnen Staat unterstehen. Ob daraus wirksamer Schutz erwächst, hängt von den Verfahren, Institutionen und finanziellen Mitteln ab, auf die sich die Vertragsstaaten verständigen.
Die erste Konferenz der Vertragsstaaten ist nach Angaben der Vereinten Nationen für den 11. bis 22. Januar 2027 am UN-Sitz in New York vorgesehen. Dort sollen die beteiligten Staaten Arbeitsweisen, Gremien und praktische Regeln für die Anwendung des Vertrags festlegen. Eine Vorbereitungskommission hatte ihre dritte Sitzung bereits vom 23. März bis zum 2. April 2026 in New York abgehalten.
Gemeinsam mit der Ozeanografin Marina Lévy hat Poivre d'Arvor zudem das Buch "Quand l'océan s'éveillera" veröffentlicht. Darin verbinden beide wissenschaftliche Erkenntnisse über den Zustand der Meere mit politischen Forderungen. Lévy leitet das Ozean-Institut der Sorbonne Université und forscht unter anderem zu den Folgen des Klimawandels für marine Ökosysteme.
Frankreich hatte der internationalen Meeresdiplomatie zuletzt bei der dritten UN-Ozeankonferenz in Nizza im Juni 2025 große Aufmerksamkeit verschafft. Nach dem Inkrafttreten des Hochseeabkommens verlagert sich die Arbeit nun von diplomatischen Zusagen auf konkrete Regeln: Die Konferenz im Januar 2027 soll den institutionellen Rahmen für deren Umsetzung beschließen.
Quellen
- Franceinfo
- Vereinte Nationen – BBNJ-Abkommen
- United Nations Treaty Collection
- Vereinte Nationen – erste Vertragsstaatenkonferenz
- Sorbonne Université
Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).