Aktuell · 12.07.2026 11:30
Fuenf neue Stimmen für den Sommer: Ino Casablanca, Asfar Shamsi und Aupinard im Fokus
Eine neue Auswahl französischer Musikempfehlungen versammelt fuenf junge Positionen zwischen Rap, RnB, Bossa, Rai und elektronischen Farben. Besonders Ino Casablanca, Asfar Shamsi und Aupinard stehen für eine Poplandschaft, die sich nicht mehr um stilistische…
Paris – 12.07.2026: Wer für den Sommer noch kein Lied gefunden hat, das sich an eine Zugfahrt, eine Strandpromenade oder den ersten Abend ohne Jacke heftet, bekommt nun fuenf Vorschlaege aus der französischen Gegenwartsmusik. Die Auswahl stellt junge Kuenstlerinnen und Kuenstler vor, deren Stuecke in einer guten Viertelstunde anzuhoeren sind – kurz genug für Neugier, lang genug für ein kleines Entdeckungsabenteuer.
Im Zentrum steht Ino Casablanca, der sich mit einer erstaunlich offenen Mischung aus französischem und spanischem Rap, Rai, karibischen Rhythmen und lateinamerikanischen Einfluessen profiliert hat. Der in Spanien geborene Musiker mit marokkanischen Wurzeln schreibt, produziert und arrangiert seine Stuecke selbst. Sein Projekt "EXTASIA" hat diese Handschrift weiter geschaerft: Digitale Texturen treffen dort auf melodische Linien, die nie folkloristisch wirken wollen, sondern wie Erinnerungen im Vorbeiziehen.
Dass diese Musik inzwischen weit über die einschlaegigen Szenen hinausreicht, zeigen die Festivalauftritte des Sommers. Beim Jazzablanca Festival in Casablanca trat Ino Casablanca am 8. Juli auf; zuvor war er mit Asfar Shamsi bei den Nuits de Fourviere in Lyon zu erleben. Seine Lieder setzen weniger auf demonstrative Wucht als auf Beweglichkeit. Der Beat darf tanzen, die Stimme bleibt oft auffallend gelassen – als habe sie es nicht noetig, ihre Herkunft oder Modernitaet eigens zu beglaubigen.
Asfar Shamsi bringt in diese Nachbarschaft eine andere, kantigere Energie. Die Saengerin und Rapperin aus Strassburg verbindet praezise, bisweilen scharf gesetzte Texte mit einem vielseitigen Klangbild. Ihr im Februar erschienenes EP "cuicui" war auch bei ihrem Fourviere-Auftritt zu hoeren. In ihrer Musik liegt ein feiner Widerstand gegen das allzu Glatte: Melodien duerfen sich verziehen, Worte duerfen stolpern, und gerade daraus entsteht eine eigene Form von Sog.
Aupinard wiederum verschiebt den Ton in Richtung melancholischer Eleganz. Der Musiker aus Bordeaux hat sich mit Liedern zwischen Bossa Nova, RnB, Pop, Funk und Jazz einen Namen gemacht. Sein erstes Album "Spleen Social Club" folgt der Kunst, Liebeskummer nicht zum Spektakel aufzublasen, sondern ihm einen weichen Groove zu geben. Nach ausverkauften Abenden im Olympia und in der Salle Pleyel ist für den 2. April 2027 ein Konzert im Zenith Paris – La Villette angekuendigt.
Die fuenf Empfehlungen haben keinen gemeinsamen Stil, wohl aber eine gemeinsame Haltung: Sie vertrauen auf Durchlaessigkeit. Hier begegnen sich familiäre Musikgeschichten, Internetkultur, Clubrhythmen und der alte Wunsch, mit drei Minuten Klang ein Gefuehl festzuhalten. Vielleicht ist genau das die angenehmste Sommerbegleitung: Musik, die nicht behauptet, die Jahreszeit zu erklaeren, sondern ihr ein wenig mehr Farbe gibt.
Quellen
- Franceinfo
- ARTE Concert
- Institut francais du Maroc
- Jazzablanca Festival
- Radio Nova
- Modzik