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Aktuell · 12.07.2026 12:15

Macron erinnert an Dreyfus und mahnt zu Wachsamkeit gegen Antisemitismus

Frankreich begeht am 12. Juli erstmals einen nationalen Gedenktag für die Rehabilitierung Alfred Dreyfus'. Präsident Emmanuel Macron verbindet die Erinnerung an den Justizirrtum mit einem Appell gegen antisemitische Hetze und jede Form von Hass.

Paris – 12.07.2026: Frankreich begeht erstmals einen nationalen Gedenktag zur Anerkennung der Unschuld Alfred Dreyfus'. Präsident Emmanuel Macron würdigt damit den zu Unrecht wegen Landesverrats verurteilten jüdischen Offizier sowie jene, die über Jahre für seine Rehabilitierung kämpften. Die staatliche Erinnerung soll zugleich die Verpflichtung bekräftigen, Antisemitismus, Rassismus und Verschwörungsideologien entschieden entgegenzutreten.

Der 12. Juli verweist auf das Urteil des Kassationsgerichtshofs vom 12. Juli 1906. Das höchste französische Gericht hob damals die Verurteilungen endgültig auf und stellte Dreyfus' Unschuld fest. Der Fall hatte die Dritte Republik seit 1894 tief gespalten. Dreyfus war nach einem Militärprozess degradiert und auf die Teufelsinsel in Französisch-Guayana deportiert worden.

Die Affäre war weit mehr als ein gerichtlicher Fehlentscheid. Sie machte sichtbar, wie antisemitische Kampagnen, politische Interessen und institutionelle Abschottung die Wahrheitsfindung beeinträchtigen konnten. Schriftsteller, Politiker, Juristen und Militärs setzten sich für Dreyfus ein; zu den prägenden Figuren gehörten Emile Zola, Georges Clemenceau und der frühere Geheimdienstoffizier Marie-Georges Picquart. Der Konflikt wurde zu einem Schlüsselereignis der republikanischen Rechtsstaatsgeschichte.

Der am 7. Juli erlassene Regierungsakt verankert den Gedenktag dauerhaft im staatlichen Kalender. Er bestimmt eine nationale Zeremonie an jedem 12. Juli und eröffnet Präfekten die Möglichkeit, in den Departements entsprechende Veranstaltungen auszurichten. Die erste Pariser Feier findet in der Nähe des Justizpalasts statt, also an jenem Ort, an dem die Rehabilitierung vor 120 Jahren rechtskräftig wurde.

Die Stadt Paris verbindet den Termin mit der Einweihung eines neuen Standorts der Skulptur Hommage au capitaine Dreyfus vor dem Kassationsgerichtshof. Diese Ortswahl unterstreicht die institutionelle Dimension der Erinnerung: Nicht allein das Schicksal eines einzelnen Offiziers steht im Mittelpunkt, sondern die Fähigkeit eines Rechtsstaats, eigenes Unrecht nach öffentlichem und juristischem Druck zu korrigieren.

Macron hatte die jährliche Gedenkfeier bereits im Juli 2025 angekündigt. Im November 2025 erhob das Parlament Dreyfus posthum zum Brigadegeneral. Damit erhielt er jenen Rang, dessen Verlust er nach seiner Wiederaufnahme in die Armee als fortbestehende Benachteiligung empfunden hatte. Die nachträgliche Beförderung ergänzt die juristische Rehabilitierung um eine symbolische militärische Anerkennung.

Der heutige Anlass steht im Zeichen einer erneuten gesellschaftlichen Sensibilität für Antisemitismus. Die historische Lehre der Dreyfus-Affäre liegt dabei nicht in einer einfachen Gleichsetzung unterschiedlicher Epochen. Sie verweist vielmehr auf die Bedeutung unabhängiger Gerichte, überprüfbarer Tatsachen und einer politischen Öffentlichkeit, die kollektive Vorurteile nicht zur Legitimation von Ausgrenzung werden lässt.

Quellen

  • Elysee: Ankundigung eines nationalen Gedenktags fur Alfred Dreyfus
  • Legifrance: Dekret Nr. 2026-598 vom 7. Juli 2026
  • Ville de Paris: Programm der ersten Gedenkzeremonie
  • Legifrance: Gesetz zur posthumen Beforderung Alfred Dreyfus'

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