Politik & Gesellschaft

Marseille setzt am Strand auf Mediatoren und Notfall-App gegen sexuelle Belästigung

Mit dem Programm SAFER PLAGE verstärkt Marseille in der Hochsaison den Schutz vor sexistischer und sexueller Belästigung. Mediatorinnen und Mediatoren sind an bewachten Stränden präsent, eine anonyme App kann im Ernstfall direkt Hilfe anfordern.

Marseille – 19.07.2026: Am Strand soll der Sommer Leichtigkeit bedeuten. Doch gerade dort erleben Menschen mitunter bedrängende Blicke, Bemerkungen oder Übergriffe. Marseille versucht, diesen Momenten nicht mit bloßen Appellen zu begegnen: An den bewachten Stränden der Stadt sind in diesem Sommer erneut speziell geschulte Mediatorinnen und Mediatoren im Einsatz. Ergänzt wird ihre Arbeit durch die kostenlose Notfall-App SAFER PLAGE.

Das Angebot richtet sich an Personen, die Belästigung oder sexistische beziehungsweise sexuelle Gewalt erleben – ebenso an Menschen, die einen Vorfall beobachten. Über einen Notfallknopf kann eine Meldung mit Standortangabe ausgelöst werden. Nach Angaben der Stadt wird sie unmittelbar an die Teams vor Ort weitergeleitet. Die Anwendung kann anonym benutzt werden und ist bis zum 30. August 2026 verfügbar.

Die Vermittlungsteams sind im Juli und August täglich im Einsatz. Sie sprechen Badegäste an, informieren über Grenzen und Einverständnis und sollen niedrigschwellige Hilfe ermöglichen, bevor sich eine Situation zuspitzt. Ihr Auftrag ist damit weiter gefasst als reine Prävention: Sie sollen zuhören, schützen und Betroffene bei den nächsten Schritten unterstützen, ohne sie zu etwas zu drängen.

Das Programm umfasst die überwachten Strände Corbiere, Catalans, Prado Nord und Prado Sud, Borely, Bonneveine, Vieille Chapelle, Pointe Rouge und Frioul. Dort weisen unter anderem QR-Codes auf die Anwendung hin. Außerhalb der Einsatzzeiten oder bei unmittelbarer Gefahr verweist die Stadt auf den Polizeinotruf 17. Die App ersetzt weder Polizei noch Rettungsdienst.

Neu in der Saison 2026 ist ein sogenanntes Strand-Respektometer. Mit 22 kurzen Fragen soll das Instrument helfen, eine erlebte Situation einzuordnen und bei Bedarf Unterstützung zu suchen. Die Stadt knüpft damit an das bekannte Prinzip von Orientierungshilfen an, die Warnzeichen in Beziehungen oder im öffentlichen Raum sichtbar machen sollen.

SAFER PLAGE wurde im August 2022 zunächst am Prado Sud erprobt und danach schrittweise ausgeweitet. Nach Angaben des Rathauses wurden seitdem mehr als 200.000 Menschen zu sexistischer und sexueller Gewalt sensibilisiert; die App wurde rund 4.000 Mal heruntergeladen. Im Jahr 2025 betreuten die Mediationsteams demnach etwa 200 Situationen im Zusammenhang mit entsprechender Gewalt oder Belästigung.

Diese Zahlen erlauben keinen Schluss auf das gesamte Ausmaß solcher Vorfälle am Meer. Sie zeigen aber, wie wichtig sichtbare Ansprechpartner sein können – besonders an Orten, an denen viele Menschen dicht beieinander Erholung suchen. Marseille setzt auf ein Prinzip, das im Alltag oft entscheidet: Hilfe muss erreichbar sein, bevor aus Unbehagen Angst wird.

Quellen

  • Ville de Marseille: SAFER PLAGE
  • Franceinfo: Bericht über das Programm an Marseilles Stränden

Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).

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