Paris – 17.08.2026: Die Pariser Umweltpolitikerin Sandrine Rousseau hat nach den Bränden dieses Sommers vor wachsenden Lücken beim Schutz vor Klimaschäden gewarnt. Im Gespräch mit Franceinfo sagte die Abgeordnete, Versicherer könnten bestimmte Risiken infolge extremer Wetterereignisse künftig nicht mehr oder nur zu deutlich höheren Preisen decken. Ihre Warnung berührt eine Debatte, die in Frankreich längst über einzelne Schadensfälle hinausreicht.
Mit der gesetzlichen Naturkatastrophendeckung, dem sogenannten Cat-Nat-System, verfügt Frankreich über einen besonderen Schutzmechanismus. Die Garantie ist an Sachversicherungen für Wohnungen, Fahrzeuge und Gewerberäume gekoppelt. Sie greift, wenn der Staat ein Naturereignis von außergewöhnlicher Intensität offiziell als Naturkatastrophe anerkennt. Die Caisse Centrale de Réassurance, kurz CCR, sichert als staatlicher Rückversicherer einen Teil der Risiken ab und verteilt damit schwer kalkulierbare Schäden auf eine breitere Grundlage.
Wald- und Vegetationsbrände nehmen jedoch eine Sonderstellung ein. Brandschäden fallen grundsätzlich unter vertragliche Sachversicherungen und nicht automatisch unter das Cat-Nat-System. Der Umfang des Schutzes hängt deshalb vom jeweiligen Vertrag ab. Nach Angaben des Umweltministeriums ist eine Branddeckung für Gebäude und Hausrat zudem nicht allgemein gesetzlich vorgeschrieben. Für Haushalte in besonders gefährdeten Regionen kann eine unzureichende Police erhebliche finanzielle Folgen haben.
Die von der Regierung beauftragte Beobachtungsstelle für die Versicherbarkeit von Naturgefahren meldete im Juni erste Anzeichen für einen Rückzug von Versicherern in Teilen des französischen Festlands. Untersucht wurden insbesondere Einfamilienhäuser und die örtliche Konzentration von Versicherungsangeboten. Die CCR soll regelmäßig auswerten, in welchen Gebieten Eigentümer Schwierigkeiten haben, Policen abzuschließen oder zu verlängern. Die Beobachtung gehört zum nationalen Anpassungsplan an den Klimawandel.
Auch die französische Banken- und Versicherungsaufsicht ACPR forderte die Branche Ende Juli zu stärkeren Anpassungs- und Präventionsmaßnahmen auf. In einem Klimastresstest errechnete sie für Dürren, Überschwemmungen und Sturmfluten bis 2050 einen Anstieg der durchschnittlichen modellierten Schäden um rund 60 Prozent gegenüber 2022. Die Aufsicht sieht Risiken für die Bezahlbarkeit von Policen und für die Bereitschaft der Anbieter, einzelne Objekte weiterhin zu versichern.
Die Regierung stellte am 15. Juni drei Arbeitsfelder vor: die dauerhafte Finanzierung des Cat-Nat-Systems, eine bessere Prävention vor Ort und einen leichteren Zugang der Gemeinden zu Versicherungsverträgen. France Assureurs, der Verband der französischen Versicherer, stuft den Klimawandel mittlerweile als zentrales langfristiges Branchenrisiko ein.
Rousseaus Äußerung bedeutet keine unmittelbar bevorstehende allgemeine Kündigungswelle. Sie benennt jedoch einen bereits erkennbaren Strukturkonflikt: Häufigere Schäden erhöhen Prämien, Selbstbehalte und Anforderungen an den Gebäudeschutz. Das staatlich gestützte System kann große Risiken bündeln, ersetzt aber weder eine vertragliche Branddeckung noch konkrete Schutzmaßnahmen an gefährdeten Häusern.
Quellen
- Franceinfo
- Ministerium für Wirtschaft und Finanzen
- Caisse Centrale de Réassurance
- Autorité de contrôle prudentiel et de résolution
- Ministerium für den ökologischen Wandel
- France Assureurs
Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).