Belgrad – 28.08.2026: Serbien will den früheren bosnisch-serbischen Militärchef Ratko Mladić mit höchsten staatlichen und militärischen Ehren beisetzen. Justizminister Nenad Vujić erklärte am Freitag, die Familie werde über den Ort der Beerdigung entscheiden. Ein Termin wurde zunächst nicht genannt. Das Ministerium stehe mit den Angehörigen in Verbindung, um die Überführung des Leichnams aus Den Haag zu organisieren.
Mladić war am Donnerstag, 27. August, im Alter von 84 Jahren in der Haftanstalt der Vereinten Nationen in Den Haag gestorben. Der Internationale Residualmechanismus für die Strafgerichtshöfe teilte mit, der medizinische Dienst sei unverzüglich verständigt worden. Die niederländischen Behörden leiteten die nach nationalem Recht vorgesehenen Untersuchungen ein. Zusätzlich wurde ein Richter mit der Prüfung des Todesfalls betraut.
Die Ankündigung aus Belgrad gilt einem Mann, dessen Name untrennbar mit den schwersten Verbrechen des Bosnienkriegs verbunden ist. Mladić führte von 1992 bis 1995 die Armee der Republika Srpska. Das Internationale Straftribunal für das ehemalige Jugoslawien verurteilte ihn 2017 wegen Völkermords, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen zu lebenslanger Haft. Die Berufungskammer des Residualmechanismus bestätigte das Urteil am 8. Juni 2021.
Zu den rechtskräftig festgestellten Taten gehört der Völkermord von Srebrenica. Nach der Einnahme der ostbosnischen Stadt im Juli 1995 wurden mehr als 8.000 bosniakische Jungen und Männer ermordet. Die Richter sprachen Mladić außerdem der Verfolgung, Ausrottung, Ermordung, Deportation und gewaltsamen Vertreibung schuldig. Hinzu kamen die Terrorisierung der Zivilbevölkerung Sarajevos durch jahrelangen Beschuss und Scharfschützenangriffe sowie die Geiselnahme von Angehörigen der Vereinten Nationen.
Mit der Entscheidung über staatliche und militärische Ehren erhält die Beisetzung eine politische Tragweite, die über die organisatorischen Fragen hinausreicht. Vujić sagte, Mladić solle mit den Ehren bestattet werden, die ihm zustünden. Zu Ablauf, beteiligten staatlichen Stellen und Sicherheitsvorkehrungen machte der Minister keine Angaben. Auch von der Familie lagen bis Freitagmittag keine öffentlichen Informationen zum gewünschten Friedhof oder zu einer möglichen Trauerfeier vor.
Die Würdigung durch den serbischen Staat steht in scharfem Gegensatz zu den rechtskräftigen Urteilen der internationalen Justiz und dürfte bei Überlebenden sowie Angehörigen der Opfer Empörung auslösen. Mladić hatte sich dem Zugriff der Justiz nach Kriegsende jahrelang entzogen. Er wurde 2011 in Serbien festgenommen und anschließend nach Den Haag überstellt. Dort blieb er bis zu seinem Tod in Haft. Nun laufen die niederländische Untersuchung des Todesfalls und die Vorbereitungen zur Überführung seines Leichnams parallel.
Quellen
- Franceinfo
- Internationaler Residualmechanismus für die Strafgerichtshöfe
- Radio-Televizija Srbije
- Associated Press
Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).