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Aktuell · 15.07.2026 17:30

Streit um Canadair-Flotte: Neue Bestellung widerlegt Vorwurf einer vollständigen Stornierung

Die Debatte über französische Löschflugzeuge verschärft sich. Offizielle Unterlagen belegen jedoch: Zwei Canadair wurden 2024 bestellt, zwei weitere am 4. Juni 2026. Strittig bleibt, ob frühere Haushaltsentscheidungen den Ausbau der Flotte verzögert haben.

Nîmes – 15.07.2026: Die politische Kontroverse über die französische Canadair-Flotte fällt in eine bereits angespannte Waldbrandsaison. Rassemblement National und La France insoumise werfen dem Lager des früheren Premierministers Gabriel Attal vor, 2024 die Beschaffung von zwei zusätzlichen Löschflugzeugen aufgegeben zu haben. Das Innenministerium verweist dagegen auf jüngste Bestellungen und die Leistungsfähigkeit der gegenwärtigen Luftmittel der Zivilschutzbehörde.

Gesichert ist zunächst die Chronologie der Verträge. Frankreich bestellte am 9. August 2024 zwei neue Amphibienflugzeuge des Typs DHC-515 beim kanadischen Hersteller De Havilland. Diese Beschaffung erfolgte im europäischen RescEU-Programm und wurde weitgehend durch europäische Mittel kofinanziert. Nach offiziellen französischen Angaben ergänzten diese beiden Maschinen die damals bestehende nationale Flotte von zwölf Canadair CL-415.

Am 4. Juni 2026 unterzeichnete Innenminister Laurent Nunez auf dem Stutzpunkt Nimes-Garons den Auftrag für zwei weitere DHC-515. Das Ministerium beziffert das Volumen dieser Bestellung auf knapp 200 Millionen Euro. Damit sind vier neue Flugzeuge vertraglich vorgesehen. Die gegenwaertige Debatte betrifft somit nicht die Behauptung, Frankreich habe keinerlei Neubeschaffung betrieben, sondern Tempo, Finanzierung und langfristige Dimensionierung der Erneuerung.

Die Kritik der Opposition knuepft an fruehere Haushaltsentscheidungen an. In parlamentarischen Dokumenten war neben den zwei europaeisch finanzierten Flugzeugen ein weiterer Ausbau auf insgesamt 16 Canadair vorgesehen. Der Vorwurf lautet, dass die Planung für zwei zusätzliche Maschinen im Zuge der Budgetkonsolidierung unter der Regierung Attal nicht unmittelbar umgesetzt worden sei. Die spätere Bestellung von Juni 2026 hat diese Luecke politisch nicht beseitigt, aber den Ausbau wieder aufgenommen.

Entscheidend sind die langen industriellen Vorlaeufe. Die derzeit eingesetzten CL-415 sind im Durchschnitt rund drei Jahrzehnte alt; der juengste wurde 2007 ausgeliefert. Die Produktion des Nachfolgemodells war über Jahre unterbrochen und wurde erst nach neuen europaeischen Auftraegen wieder hochgefahren. Die beiden 2024 bestellten Flugzeuge werden nach den vorliegenden Angaben 2028 erwartet. Für die zwei im Juni 2026 bestellten Maschinen ist mit noch späteren Lieferterminen zu rechnen.

Die Regierung kann daher auf einen realen Ausbau der Flotte verweisen, nicht jedoch auf eine kurzfristige materielle Entlastung im laufenden Sommer. Für die Einsatzfaehigkeit bleiben Wartung, Verfügbarkeit der aelteren Maschinen, Besatzungen und europaeische gegenseitige Hilfe ebenso wichtig wie die Zahl der bestellten Flugzeuge. Der Streit um die Canadair ist damit vor allem ein Konflikt über Vorsorgepolitik: Welche Kapazitaeten muss Frankreich angesichts längerer und intensiverer Waldbrandsaisons verbindlich vorhalten?

Quellen

  • Franceinfo
  • Franzoesisches Innenministerium
  • Franzoesische Nationalversammlung
  • De Havilland Canada

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