Aktuell · 10.07.2026 16:46
Zehn Jahre Ki-oon in Tokio: Wie eine französische Redaktion mit japanischen Mangaka arbeitet
Seit 2015 betreibt der französische Verlag Ki-oon ein Büro in Tokio. Auf der Japan Expo erläutert Bürochefin Kim Bedenne, wie aus dem Wagnis einer gemeinsamen Entwicklung von Manga für Frankreich ein dauerhaftes Arbeitsmodell mit…
Paris – 10.07.2026: Vor zehn Jahren hat der unabhängige Verlag Ki-oon in Tokio eine redaktionelle Außenstelle eröffnet – mit einem klaren Ziel: nicht nur Lizenzen zu erwerben, sondern Manga gemeinsam mit japanischen Zeichnerinnen und Zeichnern für den französischen Markt zu entwickeln. Die 2015 gestartete Initiative, vor Ort von der französischen Lektorin Kim Bedenne aufgebaut und geleitet, hat die Zusammenarbeit zwischen französischen Verlagen und der japanischen Szene spürbar verändert.
Der Ansatz setzt auf Nähe und Vertrauen. Bedenne, die fließend Japanisch spricht und mit den Abläufen der Studios vertraut ist, verbindet klassische redaktionelle Begleitung mit Respekt vor Arbeitsrhythmen und Autorensouveränität. So entstehen Serienideen, die in Frankreich lesernah erzählt sind, zugleich aber visuell und dramaturgisch in der japanischen Tradition verankert bleiben. Die Projekte werden in Tokio entwickelt, Pitches und Storyboards in enger Abstimmung ausgearbeitet und anschließend für den französischen Markt produziert – mit Blick auf Veröffentlichungsrhythmen, Lesepfade und Buchhandel in Frankreich.
Die Präsenz von Ki-oon auf der Japan Expo in Paris fungiert dabei als Scharnier: Panels, Signierstunden und Werkstattgespräche bringen Künstlerinnen und Künstler mit ihrem französischen Publikum zusammen und schaffen Rückkopplungen, die in Tokio in neue Staffeln oder Ableger einfließen. Parallel sucht die Redaktion Kooperationen mit japanischen Plattformen und Ausbildungsformaten, um Nachwuchs zu entdecken und Projekte früh zu begleiten. Dass einzelne Reihen in Japan Beachtung finden, zeigt, dass sich diese grenzüberschreitende Entwicklung nicht auf einen Exportkanal reduziert, sondern wechselseitig wirkt.
Ökonomisch bleibt das Modell risikobehaftet: Redaktionsaufwand, Übersetzungen, längere Entwicklungszeiten und Marketing in zwei Märkten erhöhen die Kosten. Ki-oon setzt dem eine klare Profilierung entgegen – als Verlag, der Autorinnen und Autoren langfristig betreut und Serien mit konsistenter Editionsarbeit aufbaut. Für die Branche hat das Signalwirkung: Der Schritt nach Tokio hat die Vorstellung aufgebrochen, französische Häuser könnten im japanischen System nur Zukäufer sein. Stattdessen etabliert sich eine Form der Koproduktion, die Rechteketten, Urheberfragen und Zeitpläne transparent verhandelt.
Nach einem Jahrzehnt fällt die Bilanz weniger spektakulär als robust aus: Ki-oon hat ein belastbares Arbeitsmodell geschaffen, das kulturelle Erwartungen beider Seiten zusammenführt, ohne sie zu glätten. Die fortgesetzte Präsenz auf Festivals, sichtbare Karriereschritte einzelner Mangaka und Kooperationen mit japanischen Partnern deuten darauf hin, dass das Experiment zum festen Bestandteil des Programms geworden ist – und die französische Manga-Landschaft dauerhaft breiter macht.
Quellen
- Franceinfo
- Ki-oon (offizielle Website)
- Journal du Japon
- Livres Hebdo