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19 Milliarden Euro: Der soziale und ökologische Preis der schlechten Ernährung in Frankreich

Eine neue Studie hat alarmierende Zahlen auf den Tisch gelegt: Mindestens 19 Milliarden Euro – so hoch schätzt man die gesellschaftlichen und ökologischen Kosten der Ernährung in Frankreich. Diese Summe setzt sich aus Ausgaben zusammen, die durch die Mängel im derzeitigen Lebensmittelsystem verursacht werden. Hinter der Studie stehen vier Organisationen: Secours Catholique, das Netzwerk Civam,…

Foto Peter Bond

Eine neue Studie hat alarmierende Zahlen auf den Tisch gelegt: Mindestens 19 Milliarden Euro – so hoch schätzt man die gesellschaftlichen und ökologischen Kosten der Ernährung in Frankreich. Diese Summe setzt sich aus Ausgaben zusammen, die durch die Mängel im derzeitigen Lebensmittelsystem verursacht werden. Hinter der Studie stehen vier Organisationen: Secours Catholique, das Netzwerk Civam, Solidarités Paysans und die Fédération Française des Diabétiques.

Aber wie kommen solche hohen Zahlen zustande? Die 19 Milliarden Euro spiegeln die negativen Auswirkungen des aktuellen Ernährungssystems auf Gesundheit, Umwelt und Gesellschaft wider. Vor allem Krankheiten wie Fettleibigkeit, Diabetes und Leiden durch Pestizide tragen erheblich zu diesen Kosten bei.

Gesundheitskosten und ökologische Schäden: Ein System in der Krise

Ein großer Teil der Kosten entfällt auf die Gesundheit: Rund 12,3 Milliarden Euro pro Jahr werden für die Folgen schlechter Ernährung ausgegeben, darunter Behandlungen für Fettleibigkeit und Diabetes. Hinzu kommen Erkrankungen, die durch den Einsatz von Pestiziden in der Landwirtschaft verursacht werden – ein Thema, das schon lange kontrovers diskutiert wird. Die intensive landwirtschaftliche Produktion hat also nicht nur negative Auswirkungen auf den Boden und die Umwelt, sondern schlägt auch direkt auf das Gesundheitssystem durch.

Doch auch die Umwelt bleibt von den Folgen des derzeitigen Ernährungssystems nicht verschont. Etwa 3,4 Milliarden Euro pro Jahr werden benötigt, um die ökologischen Schäden zu beheben – von der Wasserverschmutzung über die Abfallbewirtschaftung bis hin zur Bekämpfung des Klimawandels. Diese Summe verdeutlicht, wie sehr der Planet unter der derzeitigen Nahrungsmittelproduktion leidet.

Die sozialen Auswirkungen: Wenig Lohn, hohe Kosten

Ein weiterer beunruhigender Aspekt sind die sozialen Kosten. Auch hier beläuft sich die Summe auf etwa 3,4 Milliarden Euro, die in den Ausgleich zu niedriger Löhne im Agrarsektor fließen. Die Landwirtschaft wird stark subventioniert, doch die Unterstützung kommt nicht immer bei denen an, die sie am dringendsten benötigen. Die niedrigen Einkommen in der Landwirtschaft sind ein direktes Ergebnis der Preisdruckpolitik und der Konzentration auf Massenproduktion, die den Lebensmittelsektor dominiert.

Die Studie wirft die Frage auf: Ist unser Ernährungssystem wirklich so nachhaltig, wie wir es uns wünschen, wenn es so viele negative soziale und ökologische Folgen hat?

Subventionen: Mehr Schaden als Nutzen?

Ein weiterer kritischer Punkt in der Studie sind die öffentlichen Gelder, die in das derzeitige Ernährungssystem fließen. Rund 48,3 Milliarden Euro an Subventionen und staatlicher Unterstützung fördern ein Modell, das für viele der negativen Auswirkungen verantwortlich ist. Etwa 80 % dieser Gelder fließen in Strukturen, die die Massenproduktion fördern – oft zulasten der Umwelt und der kleinen Produzenten.

Die Studie stellt klar, dass diese öffentliche Unterstützung wesentlich zur Aufrechterhaltung eines mangelhaften Systems beiträgt. Ohne diese Gelder würde das aktuelle Modell der landwirtschaftlichen Produktion, das auf Volumen und niedrigen Preisen basiert, nicht überleben. Doch die Frage bleibt: Soll ein System, das so stark auf Subventionen angewiesen ist und gleichzeitig derart hohe soziale und ökologische Kosten verursacht, wirklich überleben?

Was muss sich ändern?

Die Autoren der Studie fordern daher tiefgreifende Veränderungen im Ernährungssystem. Als erstes fordern sie mehr Demokratie in Bezug auf Ernährung. Es braucht eine stärkere Einbindung der Bevölkerung in die Entscheidungen, die unsere Ernährung betreffen – von der Produktion bis zum Verbrauch. Es sollte zudem eine breitere Bildung über Ernährung geben, um das Bewusstsein für die Folgen unserer schlechten Essgewohnheiten zu schärfen. Wie viele Menschen wissen wirklich, was hinter den Nahrungsmitteln steckt, die sie täglich essen?

Ein weiterer Vorschlag ist der bessere Zugang zu finanziellen Unterstützungsmechanismen für eine nachhaltige und qualitativ hochwertige Ernährung. Dies könnte durch Subventionen in Form von Prepaid-Karten oder sozial gestaffelten Restaurantgutscheinen geschehen. So könnten mehr Menschen Zugang zu gesunden und umweltfreundlichen Lebensmitteln erhalten.

Die Agrarwende: Vom Produzenten bis zum Konsumenten

Die Lösung liegt laut der Studie jedoch nicht allein bei den Produzenten. Die gesamte Wertschöpfungskette, von der Produktion über den Vertrieb bis zum Verkauf, müsse auf nachhaltigere Praktiken umgestellt werden. Es reicht nicht aus, nur über die Landwirte zu reden, auch Zwischenhändler und Supermärkte müssen sich an neue Standards anpassen.

Ein wichtiges Ziel ist die Förderung der Agrarökologie – einer Form der Landwirtschaft, die die natürlichen Kreisläufe respektiert und weniger auf Chemikalien und intensive Bewirtschaftung setzt. Diese Transition muss jedoch alle Teile der Lebensmittelkette umfassen, um wirklich effektiv zu sein.

Internationale Verantwortung: Handel fair gestalten

Schließlich fordert die Studie auch eine Neuausrichtung des internationalen Handels. Freihandelsabkommen und Importbedingungen müssen überarbeitet werden, um sicherzustellen, dass importierte Waren strengen Umwelt- und Sozialstandards entsprechen. Wenn wir wirklich eine Veränderung wollen, muss auch der globale Handel dazu beitragen – schließlich betrifft die Umwelt uns alle.

Der Preis schlechter Ernährung – höher als gedacht

Die Studie zeigt eindrücklich, dass der Preis unserer Ernährung weit über den Einkaufspreis im Supermarkt hinausgeht. Die versteckten Kosten, die durch gesundheitliche, soziale und ökologische Schäden entstehen, sind immens – und sie betreffen uns alle. Wenn wir nicht anfangen, unser Ernährungssystem grundlegend zu reformieren, werden diese Kosten in den nächsten Jahren immer weiter steigen.

Es bleibt abzuwarten, ob die vorgeschlagenen Maßnahmen umgesetzt werden – doch eines ist klar: Die Art und Weise, wie wir uns ernähren, muss sich ändern, wenn wir eine nachhaltige und gerechte Zukunft sichern wollen.

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