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37.000 Euro für eine Nacht: Wie ein Trip nach Marokko zum finanziellen Albtraum wurde

Es gibt Urlaube, die möchte man am liebsten vergessen. Nicht wegen schlechtem Wetter, schmutzigen Hotelzimmern oder verlorenen Koffern – sondern wegen einer Handyrechnung, die einem glatt die Sprache verschlägt. So geschehen bei Dominique Lefèvre, einem Tabakladenbesitzer aus Frankreich, der für einige Tage nach Marokko reiste. Als er zurückkam, erwartete ihn nicht nur der Alltag, sondern…

Illustration Pixabay

Es gibt Urlaube, die möchte man am liebsten vergessen. Nicht wegen schlechtem Wetter, schmutzigen Hotelzimmern oder verlorenen Koffern – sondern wegen einer Handyrechnung, die einem glatt die Sprache verschlägt.

So geschehen bei Dominique Lefèvre, einem Tabakladenbesitzer aus Frankreich, der für einige Tage nach Marokko reiste. Als er zurückkam, erwartete ihn nicht nur der Alltag, sondern auch eine Rechnung seines Mobilfunkanbieters Orange – über 37.000 Euro. Innerhalb einer einzigen Nacht wurde seine Rechnung alle zwei Minuten mit 250 Euro belastet.

„Ich habe mein Handy nicht einmal angerührt“

Was klingt wie eine Szene aus einem überdrehten Satirefilm, ist für Dominique bittere Realität. In der Nacht zwischen drei und sechs Uhr morgens – als er angeblich schlief – wurden fortlaufend Datennutzungen registriert, die zu einer exponentiellen Kostenspirale führten. Lefèvre selbst sagt, er habe sein Handy nicht benutzt und vor der Reise sogar explizit seinen Tarif angepasst, um sich vor bösen Überraschungen zu schützen.

Umso größer sein Schock, als er morgens eine SMS erhielt: Seine laufende Rechnung betrage über 30.000 Euro – und das war erst der Zwischenstand.

Der Netzbetreiber sieht’s ganz anders

Orange, der zuständige Mobilfunkanbieter, widerspricht vehement. Lefèvre habe sehr wohl der Möglichkeit zugestimmt, außerhalb der EU weiter zu surfen – trotz der bekanntlich teuren Roaming-Gebühren. Nach Unternehmensangaben habe er 16 (!) Warn-SMS erhalten, in denen auf seine Übernutzung hingewiesen wurde.

Das Unternehmen erklärt, man habe alles unternommen, um den Kunden zu informieren und vor weiteren Kosten zu warnen. Die Rechnung sei demnach korrekt und rechtens. Lefèvre sieht das ganz anders – und hat bereits einen Anwalt eingeschaltet. Eine außergerichtliche Einigung steht im Raum, doch ein Prozess ist nicht ausgeschlossen.

Digitaler Kontrollverlust

Der Fall von Dominique Lefèvre ist kein Einzelfall. Immer wieder berichten Reisende, dass sie nach Auslandsaufenthalten mit teils absurden Rechnungen konfrontiert werden. Der technische Hintergrund: Sobald ein Handy außerhalb der EU mit dem mobilen Datennetz verbunden ist – etwa für automatische App-Updates, E-Mails oder GPS – können pro Megabyte horrende Gebühren entstehen.

Zwar sind EU-Roamingkosten seit 2017 weitgehend abgeschafft, doch außerhalb Europas gelten diese Regelungen nicht. Besonders in Ländern wie Marokko, der Schweiz, den USA oder auch beliebten Fernreisezielen wie Thailand oder Südafrika können pro Minute oder Megabyte schnell mehrere Euro anfallen.

Wie kann so etwas passieren – und wie lässt es sich vermeiden?

Lefèvre ist überzeugt: Er wurde nicht ausreichend aufgeklärt. Orange hingegen pocht auf die Eigenverantwortung des Kunden. Und hier wird’s juristisch spannend: Muss ein Anbieter aktiv warnen, etwa durch Anrufe oder Sperrungen? Oder reicht ein einfacher Hinweis per SMS, der leicht übersehen werden kann – vor allem im Urlaubsmodus?

Tatsächlich ist die Gesetzeslage nicht ganz eindeutig. Anbieter sind verpflichtet, bei Erreichen eines bestimmten Betrags zu informieren – ein Schutzmechanismus, der in der EU greift, aber international unterschiedlich geregelt ist. Eine automatische Sperre ist nicht vorgeschrieben.

Was also tun, um nicht in die gleiche Falle zu tappen wie Dominique?

Fünf einfache Tipps gegen teures Datenroaming

  1. Mobile Daten im Ausland deaktivieren: Vor Reiseantritt einfach im Handy-Menü ausschalten – spart nicht nur Geld, sondern auch Nerven.
  2. Nur mit WLAN verbinden: In Hotels, Cafés oder Flughäfen stehen meist kostenlose WLAN-Netze zur Verfügung – eine sichere Alternative.
  3. Flugmodus aktivieren: Wer ganz sicher gehen will, schaltet das Handy komplett in den Flugmodus und aktiviert WLAN manuell.
  4. Eine lokale SIM-Karte nutzen: Gerade bei längeren Aufenthalten lohnt sich eine Prepaid-Karte aus dem Reiseland – oft schon für wenige Euro zu haben.
  5. Tarifoptionen vorab prüfen: Viele Anbieter bieten spezielle Auslands-Pakete an. Wer regelmäßig reist, sollte über einen internationalen Vertrag nachdenken.

Wenn Urlaub zur Schuldenfalle wird

„Wenn ich das wirklich zahlen muss – finanziell wäre das kaum zu stemmen“, sagt Lefèvre. Und damit spricht er aus, was viele fürchten: Dass aus ein paar Tagen Sonne und Entspannung eine finanzielle Katastrophe wird, die das ganze Leben aus dem Gleichgewicht bringt.

Der Fall wirft grundlegende Fragen auf – nicht nur über digitale Verantwortung und Konsumentenschutz, sondern auch über die Rolle großer Konzerne im Umgang mit ihren Kunden.

Denn mal ehrlich: Wer liest im Urlaub jede SMS aufmerksam durch?

Autor: Andreas M. Brucker

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