Politik & Gesellschaft

50 Jahre nach dem Nice-Coup: Das Rätsel um Spaggiari lebt weiter

Vor einem halben Jahrhundert wurde die Société Générale in Nizza durch einen Tunnel aus der Kanalisation ausgeraubt. Die Erinnerung an den spektakulären Coup bringt auch die offenen Fragen des Falls zurück.

Nizza – 17.07.2026: Vor genau 50 Jahren begann in Nizza ein Einbruch, der sich tief in das Gedächtnis der Stadt eingegraben hat. Am Wochenende vom 17. bis 19. Juli 1976 drang eine Gruppe über die Kanalisation und einen von Hand gegrabenen Tunnel in den Tresorraum der damaligen Société Générale ein. Als die Tat entdeckt wurde, waren Hunderte Schließfächer aufgebrochen.

Der Schaden wurde damals auf mehr als 46 Millionen Francs in Bargeld, Schmuck, Gold und Devisen beziffert. Die Täter hatten den Zugang zur Bank von unten vorbereitet und sich nach der Tat wieder durch den Tunnel zurückgezogen. Gewalt gegen Menschen wurde bei dem Einbruch nicht bekannt. Gerade diese Kombination aus Planung, Geduld und der spektakulären Flucht prägte den späteren Mythos vom "Jahrhundertcoup".

Im Zentrum der Geschichte steht Albert Spaggiari, ein Fotograf aus Nizza mit politischer Vergangenheit im rechtsextremen Milieu. Er wurde Ende Oktober 1976 festgenommen und räumte nach damaligen Berichten ein, die Operation organisiert zu haben. Doch viele Einzelheiten blieben ungeklärt: die genaue Zusammensetzung des Kommandos, die Verteilung der Beute und mögliche Hintermänner.

Spaggiari gelang am 10. März 1977 eine Flucht aus dem Justizpalast von Nizza. Während einer Vernehmung sprang er aus einem Fenster des Büros des Untersuchungsrichters Richard Bouazis. Er entzog sich danach dauerhaft dem Zugriff der französischen Justiz. Sein Verschwinden machte aus einem komplexen Kriminalfall eine Erzählung, die bis heute zwischen belegter Geschichte, Selbstdarstellung und Legende schwankt.

Die damaligen Ermittlungen führten zu zahlreichen Festnahmen. 1979 standen mehrere Beschuldigte vor dem Schwurgericht des Departements Alpes-Maritimes. Spaggiari selbst war nicht anwesend. Historische Berichte machen zugleich deutlich, dass weder die gesamte Beute sichergestellt noch sämtliche Fragen zur Tat restlos beantwortet werden konnten.

Zum 50. Jahrestag richtet sich der Blick in Nizza deshalb weniger auf eine romantisierte Gangsterfigur als auf die Dimension des Falls. Der Coup traf eine Bankfiliale im Stadtzentrum, beschäftigte Polizei und Justiz über Jahre und zeigte, wie schnell ein Verbrechen durch öffentliche Bilder überlagert werden kann. Der Satz, den die Täter am Tatort hinterließen, gehört zur Überlieferung – doch er erklärt weder die Tat noch ihre Folgen.

Für die Stadt bleibt der Fall Spaggiari ein Stück lokaler Geschichte mit dunklen Rändern. Die Kanalisation, der Tunnel und die anschließende Flucht liefern bis heute Stoff für Bücher, Filme und Fernsehberichte. Gesichert ist vor allem: Hinter der spektakulären Kulisse stand ein schwerer Eigentumsdelikt mit vielen Geschädigten und einem bis heute unvollständigen Bild der Verantwortlichen.

Quellen

  • Franceinfo
  • Le Monde – Archiv
  • Nice-Matin

Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).

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