Die Suche nach der vermissten Lina, die im September 2023 in Plaine (Bas-Rhin) spurlos verschwand, hat einen tragischen Abschluss gefunden. Über ein Jahr später, am 16. Oktober 2024, wurde ihr lebloser Körper 500 Kilometer entfernt in einem Waldgebiet nahe Nevers (Nièvre) entdeckt. Diese Entdeckung ist das Ergebnis monatelanger intensiver Ermittlungen.
Eine Spur führt zur Tragödie
Die 15-jährige Lina verschwand an einem Samstagmorgen, dem 23. September 2023, als sie auf dem Weg zum Bahnhof von Saint-Blaise-la-Roche war. Ihr Ziel: ein Treffen mit ihrem Freund in Straßburg. Um 11:22 Uhr brach plötzlich der Kontakt zu ihrem Handy ab – von diesem Zeitpunkt an verlor sich jede Spur.
Acht Tage später wurde eine offizielle Untersuchung wegen Entführung und Freiheitsberaubung eingeleitet. Über 400 Zeugen wurden vernommen und Hunderte von Fahrzeugen untersucht. Die Ermittler setzten alles daran, um die Jugendliche zu finden – doch lange ohne Erfolg.
Ein Durchbruch in der Ermittlung
Im Sommer 2024 ergaben neue Untersuchungen einen entscheidenden Hinweis: Linas DNA wurde in einem gestohlenen Auto, einem Ford Puma, entdeckt. Dieses Fahrzeug war im August 2023 in Deutschland entwendet und später in Narbonne (Aude) sichergestellt worden. Ein 43-jähriger Mann, Samuel Gonin, der Fahrer des Autos, geriet ins Visier der Ermittlungen. Spuren von Linas DNA fanden sich an mehreren Stellen im Fahrzeug, darunter an Seilen und einer Gürtelspange. Doch Gonin konnte nicht mehr befragt werden – er hatte sich bereits im Juli 2024 das Leben genommen.
Ein Selbstmord nach einer Reihe von Verbrechen, bei denen Gonin immer tiefer in die Kriminalität abgerutscht war. Noch kurz vor seinem Tod war er wegen eines anderen Delikts zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. Die Ermittler konnten nachträglich bestätigen, dass er am Tag von Linas Verschwinden in der Nähe des Tatorts war – ein beunruhigender und entscheidender Beweis.
Der entscheidende Schritt: Geolokalisierung
Einer der Schlüsselelemente bei der Aufklärung dieses Falles war die Untersuchung der Geolkalisierungsdaten des Fahrzeugs. Obwohl Samuel Gonin den GPS-Sender der Ford Puma deaktiviert hatte, konnten die Ermittler dank des eingebauten Multimedia-Systems den Bewegungsablauf des Autos rekonstruieren. Punkt für Punkt zeichneten sie nach, wo das Fahrzeug unterwegs war – und dies führte schließlich zur Entdeckung des Körpers.
Der Wagen war am 24. September 2023, nur einen Tag nach Linas Verschwinden, in der Nähe von Sermoise-sur-Loire gewesen, dem Ort, an dem die Leiche nun gefunden wurde. Trotz intensiver Suchmaßnahmen an anderen Orten, wie in den Vogesen oder der Haute-Saône, blieb der Fundort bis zum Schluss unentdeckt.
Der psychisch instabile Hauptverdächtige
Samuel Gonin, der Hauptverdächtige, hatte eine schwierige Vergangenheit. Mehrere psychiatrische Gutachten attestierten ihm eine Borderline-Persönlichkeitsstörung. Trotz dieser Diagnose galt er jedoch als voll schuldfähig. Es gibt Hinweise darauf, dass Gonin ab dem Sommer 2023 in einer Phase der „Flucht“ lebte, begleitet von einem intensiven Drogenkonsum.
Obwohl er niemals offiziell zu den Vorwürfen befragt werden konnte, sprechen die Beweise eine deutliche Sprache. Die DNA-Spuren, die Geolokalisierung und die Umstände seines Lebens vor seinem Tod – all das deutet darauf hin, dass Gonin eine zentrale Rolle in Linas Verschwinden spielte.
Die letzten Schritte der Ermittler
Nach der Entdeckung von Linas Leichnam wartet die Familie nun auf die endgültigen Berichte der forensischen Experten. Es gilt herauszufinden, was genau mit der Jugendlichen geschah. Erst dann – so die Eltern in einem offiziellen Statement – könne man zur Ruhe kommen und mit dem Schmerz umgehen.
Die Ermittler stehen noch immer vor vielen offenen Fragen. War Samuel Gonin tatsächlich allein für Linas Tod verantwortlich, oder gab es möglicherweise Komplizen? Was geschah in den Stunden nach ihrem Verschwinden? Und warum wurde sie so weit von ihrem Heimatort entfernt gefunden?
Diese Fragen treiben die Ermittlungen voran – doch nach so vielen Monaten des Wartens haben die Behörden nun einen entscheidenden Schritt in Richtung Wahrheit gemacht. Das Kapitel ist tragisch, doch die Hoffnung, endlich Klarheit zu bekommen, bleibt bestehen.