Paris – 22.06.2026: Heute wird ein Bericht veröffentlicht, der sich mit möglichen Versäumnissen im Fall der ermordeten elfjährigen Lyhanna befasst. Die Kinderpsychiaterin Eugénie Izard warnt im Zuge dessen vor dem verbreiteten Mythos des lügenden Kindes und unterstreicht die Bedeutung, den Aussagen von Kindern Glauben zu schenken.
Lyhanna war Ende Mai 2026 im Département Gers verschwunden und wurde am 4. Juni tot in einem Getreidesilo aufgefunden. Die Obduktion bestätigte eine Vergewaltigung, wozu die DNA des Hauptverdächtigen Jérôme Barella auf ihrem Körper gesichert wurde. Der 41-Jährige war in der Vergangenheit bereits mehrfach strafrechtlich wegen sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen aufgefallen, blieb aufgrund von Versäumnissen innerhalb des Justiz- und Verwaltungssystems jedoch frei.
Ermittlungen zeigten, dass Barella seit 2017 in Polizeidatenbanken geführt wurde, nachdem bekannt wurde, dass er eine bedenkliche Beziehung zu einem minderjährigen Mädchen unterhielt. Trotz dieser Hinweise wurden keine Anklagen erhoben. 2021 wurde er von einer Schule wegen „unangemessenen Verhaltens“ gegenüber einer Schülerin ausgeschlossen, ohne dass die Behörden ordnungsgemäß informiert wurden. Erste Strafanzeigen wegen Vergewaltigung wurden im Oktober 2022 gestellt, weitere folgten 2025 und 2026 aus unterschiedlichen Regionen, jeweils mit Opfern unter 15 Jahren.
Trotz belastender forensischer und psychologischer Beweise verhinderten langsame Behördengänge und mangelhafte Kommunikation eine zügige Aufklärung. Die Gendarmerie räumte systemische Fehler ein. Zudem gibt es Anschuldigungen gegen Barellas Vater und Bruder wegen ähnlicher Sexualdelikte. Die Enthüllungen führten zu wachsender öffentlicher Empörung, Proteste und einer eingeleiteten Regierungsuntersuchung zur Rolle des Justizsystems in diesem Fall. Forderungen nach Konsequenzen reichen bis zu den höchsten Regierungsebenen.
Eugénie Izard, eine Kinderpsychiaterin aus Toulouse, appelliert an die Gesellschaft, den Kindern zuzuhören. Sie widerspricht dem verbreiteten Vorurteil, Kinder würden häufig lügen, und nennt Studien, die falsche Anschuldigungen nur in zwei bis sechs Prozent der Fälle belegen. Izard kritisiert, dass das Vertrauen in Kinder seit dem Fall Outreau geschwächt wurde, und fordert ein Umdenken im Umgang mit kindlichen Aussagen.
Die französische Regierung leitete eine Untersuchung zur Identifizierung möglicher institutioneller Fehler ein. Innenminister Laurent Nuñez und Justizminister Gérald Darmanin kündigten eine „administrative Untersuchung“ zu Versäumnissen im Umgang mit den Vergewaltigungsklagen gegen Barella an. Der heute veröffentlichte Bericht soll Hinweise auf strukturelle Defizite innerhalb der Justiz liefern.
Lyhannas Familie zeigte sich durch ihren Anwalt, Maître François Roujou de Boubée, enttäuscht über die Behörden und bittet um Wahrung der Privatsphäre. Die Gesellschaft erwartet gespannt die Untersuchungsergebnisse, die zur Verbesserung der Verfahren beitragen und hoffentlich künftig ähnliche Tragödien verhindern sollen.
Quellen
- Le Monde
- Le Parisien
- TF1 Info
Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).